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Weshalb die Beförderung eines „Spiegel“-Redakteurs stockt

Rafael Buschmann soll „Spiegel“-Investigativ-Chef werden. Doch der Wahrheitsgehalt seines Stücks „Faule Äpfel“ ist strittig.

„Spiegel“-Chefredakteur Klusmann will Rafael Buschmann zum Ressortleiter machen. Aber es gibt ein Problem.

„Spiegel“-Chefredakteur Klusmann will Rafael Buschmann zum Ressortleiter machen. Aber es gibt ein Problem.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Hamburg.  Rafael Buschmann gilt derzeit als einer der besten investigativen Redakteure des „Spiegels“. Seine Recherchen zu den Abgründen des Fußball-Geschäfts, die unter dem Schlagwort „Football Leaks“ erschienen und auf Material beruhen, das er von einem portugiesischen Hacker bekommen hat, füllten nicht nur viele Seiten des Nachrichtenmagazins.

Am 2. September erscheint mit „Football Leaks 2“ auch Buschmanns zweites Buch zu dem Thema. Dass „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann den 37-Jährigen zum Chef seines Investigativ-Teams machen will, scheint nur folgerichtig.

„Spiegel“-Reporter zitiert Wettbetrüger – der aber zieht Zitate zurück

Doch da gibt es ein Problem: Im Sommer 2014 erschien die Buschmann-Story „Faule Äpfel“, in der der „Spiegel“-Reporter behauptete, der Wettbetrüger Wilson Raj Perumal habe ihm via Facebook gesagt, Spiele Kameruns während der damaligen Fußball-WM in Brasilien seien verschoben worden.

Was dessen Aussage laut Buschmann glaubwürdig machte, war, dass er ihm nicht nur das Ergebnis der Partie Kroatien–Kamerun noch vor dem Anpfiff korrekt vorhersagte, sondern auch noch prophezeite, ein Kameruner werde die Rote Karte sehen. So kam es auch: Kroatien gewann, wie von Perumal geweissagt, 4:0. Kameruns Alexander Song flog vom Platz.

Britische Medien stellen Wahrheitsgehalt des „Spiegel“-Berichts infrage

Allerdings bestritt Perumal unmittelbar nach Erscheinen des Artikels, sich so, wie von Buschmann zitiert, geäußert zu haben. Der „Daily Telegraph“ veröffentlichte das Protokoll des Facebook-Chats der beiden, aus dem hervorging, dass der Journalist und der Wettbetrüger zwar über das Kamerun-Spiel gesprochen hatten – aber erst zwei Tage nach Abpfiff der Begegnung.

Das „Wall Street Journal“ stellte ebenfalls auf Basis des Chat-Protokolls den Wahrheitsgehalt von Buschmanns Stück infrage.

Als vergangene Woche durchsickerte, der Redakteur solle befördert werden, griff Medienjournalist Stefan Niggemeier in seinem Blog „Übermedien“ das Thema abermals auf und bereicherte es um einen interessanten Aspekt: Ausgerechnet in den „Football-Leaks“-Dokumenten befindet sich demnach ein Papier, in dem es um Buschmanns Recherche von 2014 geht.

Argumente für Wahrheitsgehalt des „Spiegel“-Redakteurs sind nicht stark

Die FIFA hatte im Vorfeld der WM die katarische Firma ICSS damit beauftragt, etwaige Spielmanipulationen ausfindig zu machen. Ein leitender Interpol-Beamter, der für ICSS arbeitete, hatte nach Erscheinen des „Spiegel“-Stücks einen hochrangigen Facebook-Mitarbeiter gefragt, ob Buschmanns Chat mit Perumal erst nach dem Spiel Kroatien-Kamerun stattgefunden habe. Das hatte dieser bejaht.

Der „Spiegel“ hält all dem entgegen, selbst die Relotius-Kommission habe „keine Belege für Fälschungen gefunden“.

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Das ist richtig. Nur sind die Argumente, die für den Wahrheitsgehalt von Buschmanns Stück sprechen, nicht eben stark. Der „Spiegel“-Mann hatte gegenüber der Kommission behauptet, sein Facebook-Zugang sei gehackt worden, weshalb sich der tatsächliche Verlauf seines Chats mit Perumal nicht mehr rückverfolgen lasse.

Er soll zudem einem Sportredakteur von Spiegel Online den ursprünglichen Chat gezeigt haben. Dazu hatte der Onliner noch 2014 ein Gedächtnisprotokoll angefertigt, das Basis einer eidesstattlichen Erklärung wurde, mit der ein Unterlassungsbegehren Perumals abgeschmettert werden sollte.

Gegenüber der Kommission soll sich der Mann, dessen Name dieser Redaktion bekannt ist, aber nicht mehr so genau an das erinnert haben können, was er einst auf Buschmanns Display sah.

„Spiegel“ wartet Recherche-Ergebnis ab

Der „Spiegel“ hat inzwischen den Facebook-Mitarbeiter identifiziert, der dem ehemaligen Interpol-Beamten sagte, Buschmann habe mit Perumal über das Kamerun-Spiel erst nach Abpfiff der Begegnung gesprochen.

Den Mann, der nicht mehr für die Plattform arbeitet, will man nun kontaktieren. Auch mit Facebook selbst soll gesprochen werden, nicht zuletzt wegen Buschmanns Behauptung sein Zugang sei gehackt worden – wobei erstaunt, dass es ein solches Gespräch nicht schon früher gegeben hat. Erst nach Abschluss dieser Recherchen werde Buschmann bei einem für ihn positiven Recherche-Ergebnis befördert, heißt es in Verlagskreisen.

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Diese Kolumne geht nun in die Sommerpause. Ihre nächste Ausgabe erscheint am 23. August.