Übernahme

Ebay verkauft Shopping-Club Brands4friends

Das Online-Auktionshaus will sich verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren. Neu-Besitzer Regent könnte das Geschäft nun beflügeln.

Mehr als acht Millionen Nutzer hat der Berliner Online-Shopping-Club Brands4friends. Jetzt hat das Unternehmen einen neuen Eigentümer.

Mehr als acht Millionen Nutzer hat der Berliner Online-Shopping-Club Brands4friends. Jetzt hat das Unternehmen einen neuen Eigentümer.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Nach dem Verkauf des Berliner Online-Shopping-Clubs „Brands4friends“ durch Ebay an die Investmentgesellschaft Regent sehen Handelsexperten gute Perspektiven für das Unternehmen. Brands4friends könne jetzt unabhängig von Ebay agieren, sagte der E-Commerce-Kenner Jochen Krisch am Dienstag der Berliner Morgenpost. Deswegen seien in nächster Zeit auch Übernahmen und Zukäufe möglich. „Für Brands4friends sind nun Investments denkbar, die für Ebay bei einem Nebengeschäft keinen Sinn gehabt hätten“, sagte Krisch.

Ebay hatte in der vergangenen Woche den Verkauf des Internet-Shopping-Clubs verkündet. Der neue Eigentümer ist eine US-amerikanische Investmentfirma. Ebay überprüfe sein Unternehmensportfolio regelmäßig und passe seine Beteiligungen an, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. „Damit stellen wir sicher, dass die Investitionen und Vermögenswerte die strategische Ausrichtung von Ebay unterstützen. Im Rahmen dieses kontinuierlichen Prozesses haben wir uns für einen Verkauf von Brands4friends entschieden, da es nicht mehr ein Kernbestandteil der Unternehmensstrategie von Ebay war“, so die Sprecherin weiter.

Der Club gehörte seit 2010 zu dem Auktionshaus

Das Online-Auktionshaus hatte das Berliner Unternehmen 2010 für rund 150 Millionen Euro übernommen. Um den Shopping-Club loszuwerden, dürfte der US-Konzern nun aber deutliche Abstriche beim Preis in Kauf genommen haben. Brands4friends wollte das Geschäft auf Anfrage nicht kommentieren.

Ebay will sich verstärkt auf sein Kerngeschäft über die eigene Plattform konzentrieren. Bereits 2015 hatten sich die Amerikaner deswegen bereits von dem Shopsystem Magento getrennt. Derzeit prüft Ebay Berichten zufolge auch den Verkauf der Online-Ticketbörse StubHub und des Portals Ebay Kleinanzeigen. Brands4friends, heißt es aus Branchenkreisen, stand schon länger zum Verkauf. Unter dem neuen Eigentümer Regent kann der Berliner Shopping-Club sein Geschäft nun weiter ausbauen.

Mehr als acht Millionen Nutzer

Brands4friends ist einer der Online-Shopping-Pioniere Deutschlands. 2007 gegründet, hat das Unternehmen heute nach eigenen Angaben mehr als acht Millionen registrierte Nutzer. Verkauft werden reduzierte Produkte aus den Bereichen Mode, Lifestyle, Sport/Freizeit, Wohnen und Technik.

Seit der Gründung hat die Shopping-Plattform laut eigener Berechnung über 40 Millionen Artikel versendet. Pro Jahr verschickte Brands4friends durchschnittlich 1,5 Millionen Pakete an seine Kunden in Deutschland und Österreich. 2017 konnte Brands4friends den Umsatz um 16 Prozent auf 142 Millionen Euro steigern. Zahlen für das vergangenen Jahr liegen noch nicht vor. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Berliner aber noch immer nicht profitabel sind.

Experte: „Brands4friends muss an Marktposition arbeiten“

Neu-Eigentümer Regent dürfte nun alles daran setzen, das möglichst schnell zu ändern. „Brands4friends muss vor allem an seiner Marktposition arbeiten“, sagt Jochen Krisch. Vor allem im Heimatmarkt Deutschland ist die Konkurrenz zuletzt gewachsen: Das Berliner Mode-Unternehmen Zalando, das über sein Angebot „Lounge“ ebenfalls stark reduzierte Markenware anbietet, verfolgt ein aggressives Wachstum. Auch der bayrische Konkurrent Best Secret, wie Brands4friends eine geschlossene Shopping-Community, konnte sein Geschäft ausbauen.

In Berlin dürfte der Weg, den Regent mit Brands4friends nun einschlägt, genau beobachtet werden. Nach Unternehmensangaben sind derzeit rund 250 Mitarbeiter für den Shopping-Club tätig, der sein Hauptquartier an der Kommandantenstraße in Kreuzberg hat. Die Gewerkschaft Verdi hat nach eigenen Angaben allerdings keine Mitglieder bei dem Unternehmen. Einen Betriebsrat gibt es demnach nicht. Dennoch scheinen die Mitarbeiter nicht unzufrieden zu sein: Focus Business zeichnete Brands4friends mit dem Siegel „Bester Arbeitgeber 2018“ aus.