Citkar

Lastenfahrrad-Start-up plant Serienfertigung in Neukölln

Das Start-up Citkar hat mehr als 2000 Vorbestellungen in den Büchern. Auch die Deutsche Post hat offenbar Interesse.

Marketing-Chef Sven Kindervater (hinten) und Werkstudent Nils Trettin in der Loadster-Werkstatt.

Marketing-Chef Sven Kindervater (hinten) und Werkstudent Nils Trettin in der Loadster-Werkstatt.

Foto: David Heerde

Berlin. Das Berliner Lastenfahrrad-Start-up Citkar arbeitet am Aufbau einer Serienfertigung. Schon im Frühjahr kommenden Jahres sollen bis zu 15 der mit einem Elektromotor angetriebenen Räder am Tag hergestellt werden, sagte Citkar-Marketing-Chef Sven Kindervater am Freitag der Berliner Morgenpost. Derzeit hat das junge Unternehmen bereits 20 unterschriebene Verträge mit Kunden vorliegen, die künftig mit dem sogenannten Loadster aus Berlin arbeiten wollen. Darunter seien Firmen aus der Abfallwirtschaft, Lieferdienste und auch Post- und Paketdienste. Insgesamt stehen für das Jahr 2020 bereits Vorbestellungen und Absichtserklärungen zum Kauf von mehr als 2000 Lastenrädern in den Citkar-Büchern, so Kindervater.

Zuletzt hatte auch die Deutsche Post angekündigt, sich nach Alternativen zu dem bisher genutzten Streetscooter umschauen zu wollen. Der Elektro-Lieferwagen stand wegen der zu langen Ladedauer, der zu geringen Reichweite und dem geringen Komfort bei der Post in der Kritik. Derzeit hat das Unternehmen mehr als 9.000 Streetscooter im Einsatz. „Wir werden im Verlauf dieses Jahres schauen, wo wir hinwollen“, hatte erst im Mai die Finanzchefin des Konzerns Melanie Kreis erklärt. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, hat sich die Post bei Citkar bereits nach dem Loadster erkundigt.

Zusammenarbeit mit VfJ-Werkstätten in Neukölln

Derzeit produziert das Unternehmen noch in einer Halle des „MotionLab.Berlin“ am Görlitzer Park in Kreuzberg. Die Serienfertigung, die ab Oktober geplant ist, soll dann an einem anderen Standort erfolgen. Die Vorbereitungen laufen, sagte Kindervater. Citkar arbeitet bei der Herstellung der Lastenräder künftig mit den VfJ-Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen in Neukölln zusammen. Die inklusive Produktion der Cargo-Bikes ist vor allem Citkar-Gründer Jonas Krämer ein Anliegen. Krämer hat eine behinderte Schwester. Citkar selbst habe bei der Vorbereitung der Serienfertigung mit den geistig behinderten Menschen keine Leistungsunterschiede im Vergleich zu herkömmlichen Arbeitskräften bemerkt, sagte Kindervater. „Stattdessen sehen wir Leidenschaft, Engagement und Identifikation“, erklärte er.

Im nächsten Schritt plant das Unternehmen gemeinsam mit einer Projektgruppe der RWTH Aachen zudem den Aufbau einer komplett digitalisierten Fertigung. Kunden sollen so genau verfolgen können, wie weit die Produktion ihres Lastenfahrrads gerade ist, so Kindervater.

Die Reichweite des E-Lastenrads beträgt bis zu 150 Kilometer

Citkar, 2018 in Berlin gegründet, tüftelt bereits seit einigen Jahren an dem Lastenrad. Gründer Jonas Krämer hat bislang vor allem Erspartes investiert. Derzeit ist die Firma aber mit mehreren Investoren über eine neue Finanzierung im Gespräch. Basis für den Aufbau des Gefährts ist kein Fahrrad, sondern ein Kettcar mit vier Rädern. So soll das Konstrukt im Vergleich zu Lastenrädern mit zwei oder drei Rädern deutlich an Stabilität gewinnen. Zudem ist der Loadster überdacht, bald sollen auch noch Türen hinzukommen. Das Cargo-Bike wird serienmäßig mit drei Akku-Steckplätzen ausgeliefert. Die Basisreichweite beträgt etwa 150 Kilometer.

Hersteller des Elektromotors ist die südkoreanische Firma „Mando“, die sich bereits als Zulieferer für den US-amerikanischen Elektroauto-Pionier Tesla einen Namen machte. Mando bringt Citkar mit dem Loadster bei der kommenden Internationalen Automobilausstellung IAA groß raus: Am Stand der Südkoreaner dürfen sich die Berliner im September in Frankfurt am Main der Welt präsentieren.

Cargo-Bikes wecken auch das Interesse großer Konzerne

Deutschlandweit ist das Cargo-Bike-Segment auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande rund 40.000 Lastenräder mit Elektromotor verkauft. Den Zukunftsmarkt haben mittlerweile sogar die etablierten Unternehmen für sich entdeckt: Auch der Automobilkonzern Volkswagen und der Zulieferer Schaeffler haben bereits eigene Lastenrad-Pläne in der Schublade oder arbeiten am Aufbau einer Serienproduktion. Angesichts der gestiegenen Bedeutung von Fahrrädern hatte sich in Berlin in dieser Woche auch der Bundesverband Zukunft Fahrrad gegründet. Der neue Zusammenschluss will Lobbyarbeit für das Zweirad betreiben, ähnlich wie es der Verband Automobilhersteller (VDA) für die Fahrzeug-Industrie tut. Citkar-Marketing-Chef Sven Kindervater gehört zum Gründungsvorstand der neuen Vereinigung.

Der Berliner Lastenrad-Hersteller Citkar bietet sein Cargo-Bike Loadster zu einem Stückpreis von rund 7500 Euro an. Für die Abnehmer des Start-ups bringt die Umstellung ihrer Flotte weitreichende Veränderungen mit sich. „Unsere Kunden beschäftigen sich zu 10 Prozent mit unserem Rad und zu 90 Prozent mit eigenen Prozessen und der Infrastruktur“, sagte Kindervater. Angesichts der begrenzten Reichweite müssten etwa Liefer-Routen neu geplant werden. Auch die Infrastruktur zum Aufladen der Akkus müsse mitbedacht werden, erklärte er.