Kommentar

Kooperation mit Ford ist ein starkes Signal von VW

Es ist eine Zeitenwende: VW kooperiert mit Ford. Die Chancen auf eine erfolgreiche Partnerschaft mit dem bisherigen Rivalen stehen gut.

Kooperation vereinbart: VW-Vorstandschef Herbert Diess und Ford-Chef Jim Hackett (r.).

Kooperation vereinbart: VW-Vorstandschef Herbert Diess und Ford-Chef Jim Hackett (r.).

Foto: MIKE SEGAR / Reuters

Braunschweig.. Volkswagen und Ford wollen umfassend zusammenarbeiten. Die Nummer eins (VW) und die Nummer fünf (Ford) der weltweiten Autobauer werden nicht nur bei den leichten Nutzfahrzeugen, sondern auch und vor allem bei der Elektrifizierung ihrer Flotten und beim autonomen Fahren kooperieren.

Um den Wandel in der Automobilität gemeinsam zu meistern, tun sich also einstige Konkurrenten in der Welt der Verbrenner zusammen – das bedeutet nichts weniger als eine Zeitenwende. Und es ist ein Signal an die gesamte Autobranche.

VW hat sich der E-Mobilität mit Haut und Haaren verschrieben

Zwei der Kooperationsbereiche sind als Zukunftsfelder extrem wichtig: Die E-Mobilität und die Automatisierung des Fahrens. Die Elektrifizierung ist wegen der Vorgaben durch die EU allerdings dringender. Genau diesem Bereich hat sich VW mit Haut und Haaren verschrieben.

Mit der Entwicklung des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) haben die Wolfsburger aber zunächst die Basis für eine vereinheitlichte Produktionsweise von E-Fahrzeugen geschaffen. Allein durch die schiere Masse an E-Mobilen, die VW in den kommenden Jahren auf den Markt bringen wird, sollte sich die Sechs-Milliarden-Euro-Investition in diesen Baukasten gelohnt haben.

Hintergrund: E-Autos: Wie VW und Ford jetzt Tesla einholen wollen

Auch Ford muss auf dem EU-Markt die CO-2-Vorgaben erreichen

Ford partizipiert nun – denn auch der US-Hersteller muss auf dem europäischen Markt bis 2022 die CO-2-Flottenvorgaben erreichen. Die Nutzung wird sich VW natürlich bezahlen lassen. Wie VW-Chef Diess bereits ankündigte, steht der MEB darüber hinaus auch anderen Anbietern offen.

Die deutsche Konkurrenz BMW und Daimler hat solch eine reine Elektro-Plattform nicht. Der Wunsch von VW ist, mit dem MEB den „Industriestandard“ zu setzen. Man sieht bei solch einem Begriff das Geld schon in Richtung Wolfsburg sprudeln.

Die Öffnung des MEB zeigt, dass sich Volkswagen vom reinen Hersteller zum Dienstleistungsanbieter wandelt – und das nicht nur für Kunden, sondern auch für die Branche. In Zeiten, in denen viele junge Menschen keinen eigenen Pkw besitzen möchten, in denen Mobilität flexibel genutzt wird und neue Start-Ups wie Uber plötzlich auf den Markt preschen, ist das ein wichtiger Schritt. VW passt sich an und verdient dabei.

Außer Tesla setzt kein anderer Autobauer so auf Elektrifizierung wie VW

Das zweite Zukunftsfeld autonomes Fahren besetzen VW und Ford ebenfalls gemeinsam, sie sind damit aber nicht allein. Auch BMW und Daimler haben sich verbrüdert. Partnerschaften werden in der „old economy“ immer wichtiger. Das zeigen auch Kooperationen, die Volkswagen zuletzt mit Microsoft und Amazon eingegangen ist.

Das Bündnis mit Ford spielt allerdings in einer deutlich höheren Liga. Kein anderer Autobauer – außer Tesla – setzt inzwischen so konsequent auf die Elektrifizierung. Das kann dem ohnehin skandalgeschüttelten und imagebeschädigten „Dieselgate-Konzern“ natürlich in ganz besonderer Weise um die Ohren fliegen, wenn sich die Wette nicht auszahlt, die E-Mobilität eben nicht in voller Breite durchsetzt.

Kann eine Kooperation zwischen VW und Ford funktionieren?

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist skeptisch, was die kulturelle Zusammenarbeit der Autoriesen angeht. Und tatsächlich: Die Kooperation zwischen General Motors und Opel endete, die Rüsselsheimer gingen lieber eine Ehe mit der französischen PSA ein – eine rein europäische Liaison. Daimler und Chrysler reichten die Scheidung nach neun gemeinsamen Jahren ein.

Kann es bei Ford und VW besser werden? Ja, kann es. Und vielleicht hat die Diesel-Krise hier endlich mal einen Vorteil: Die Wolfsburger dürften sich seit 2015 so intensiv wie nie zuvor mit Gepflogenheiten, Gesetzen und Gemütsverfassungen der US-Amerikaner auseinandergesetzt haben. Ein „Culture-Clash“ ist nicht zu erwarten. Die Chancen auf eine erfolgreiche und dauerhafte Partnerschaft stehen gut.

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