Insolvenz

Fernsehhersteller Loewe ist insolvent und stellt Betrieb ein

Loewe, ein Pionier der Fernsehtechnik, stellt seinen Betrieb ein. Ob die Mitarbeiter nächsten Monat noch Gehalt bekommen, ist unklar.

Der Elektronikhersteller Loewe AG in Kronach, Bayern.

Der Elektronikhersteller Loewe AG in Kronach, Bayern.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Kronach. Der Fernsehhersteller Loewe ist pleite und will zum Wochenende kurzfristig den Betrieb einstellen. Dem oberfränkischen Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Geschäftsführung hervorging.

Demnach waren Gläubiger nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zur Fortsetzung des Betriebs zu geben. Die Geschäftsführung hat die gut 400 Mitarbeiter am Dienstag bei einer Betriebsversammlung informiert. „Wir haben den Mitarbeitern heute in der Betriebsversammlung mitgeteilt, dass sie zum 1.7. freigestellt werden, bis auf eine Kernmannschaft, um den Investorenprozess voranzutreiben“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter am Dienstag auf Anfrage.

Er wurde am Montag vom Amtsgericht Coburg bestellt. Die Kernmannschaft bezifferte der Bayreuther Rechtsanwalt auf zehn bis fünfzehn Mitarbeiter. Es ist momentan nicht klar, ob Loewe im nächsten Monat noch Gehälter zahlen kann. Laut Mitteilung ist die Zahlung der Löhne und Gehälter „im Rahmen von Insolvenzgeld bis zum 1.7. sichergestellt“ – das ist der kommende Montag.

Bisher war bei Loewe ein Insolvenzverfahren in Eigenregie geplant, damit hätte Geschäftsführer Ralf Vogt weiter die Geschicke des Unternehmens lenken können. Nun ist ein reguläres Insolvenzverfahren eingeleitet, womit das Management die Kontrolle über das Unternehmen verliert. Die Geschäftsführung derzeit noch auf einen Investor, der das Unternehmen retten könnte.

IG Metall kritisiert Entwicklung bei Loewe scharf

Zudem gibt es einen schweren Konflikt mit der IG Metall. Die Gewerkschaft war am Montag auf Konfrontationskurs gegangen und hatte das Vorgehen der Geschäftsführung scharf kritisiert. „Die IG Metall ist entsetzt über die aktuellen Entwicklungen“, hatte der bayerische Bezirksleiter Jürgen Horn gesagt und bereits vor der Stilllegung gewarnt. Das ist ein bei Unternehmenskrisen sehr ungewöhnliches Vorgehen der einflussreichen Gewerkschaft, das auf das Ausmaß des Konflikts schließend lässt.

Horn macht den britischen Finanzinvestor Riverrock für die Verschärfung der Krise verantwortlich: Laut IG Metall hat Riverrock Loewe in der Vergangenheit bereits mit einem zweistelligen Millionendarlehen ausgeholfen, ist nun aber nicht bereit, einen weiteren Kredit zu geben. „Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen“, hatte Horn in seiner Stellungnahme gesagt. Eine Reaktion von Loewe oder Riverrock auf die Kritik gab es zunächst nicht.

Fortführung der Produktion in Deutschland unwahrscheinlich

Die Geschäftsführung hat noch ein Zukunftskonzept ausgearbeitet, aus dem hervorgeht, dass eine Fortführung der Produktion in Kronach unwahrscheinlich ist, auch wenn Loewe gerettet werden kann.

Das 1923 gegründete Unternehmen war ein Pionier der Fernsehtechnik, hat jedoch seit langem mit der übermächtigen Konkurrenz aus Südkorea, Japan und China zu kämpfen. Eine erste Insolvenz in Eigenverwaltung hatte Loewe 2013 mit Hilfe eines Investors überstanden. (dpa/aba)