Arena in Treptow

Hanfmesse Mary Jane startet in Berlin

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In Berlin werden Hanfprodukte immer stärker akzeptiert.

In Berlin werden Hanfprodukte immer stärker akzeptiert.

Foto: Paul Zinken / dpa

Bis Sonntag zeigen 250 Aussteller in der Arena in Treptow neue Produkte auf Cannabis-Basis. Den Hanfverband freut die Aufmerksamkeit.

Berlin. Vor dem Start von Deutschlands größter Hanfmesse Mary Jane in Berlin sieht der Deutsche Hanfverband Cannabis in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Ich rechne mit einer Legalisierung in den nächsten Jahren“, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Georg Wurth, am Donnerstag der Berliner Morgenpost. Messen wie die Mary Jane würden dazu beitragen, die Akzeptanz weiter zu steigern, ebenso der Einsatz von Cannabis als Medizin.

Erst im April hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mehreren Unternehmen den Anbau von medizinischem Cannabis in der Bundesrepublik erlaubt. Mit Aurora Deutschland hatte auch eine Firma mit Sitz in Berlin die Ausschreibung gewonnen. Cannabis als Medizin unterstütze den Wandel, wie die Gesellschaft auf den Einsatz der Hanfpflanze schaue, erklärte Wurth. Gerade schwerkranke Menschen hätten nun eine Alternative bei der Behandlung, betonte der Verbandsgeschäftsführer.

250 Aussteller zeigen mehr als 30.000 Produkte

Cannabis als Medizinprodukt spielt bei der am Freitag startenden Hanfmesse Mary Jane aber nur eine untergeordnete Rolle. Schwerpunkt der Messe sind nach Angaben der Veranstalter Produkte mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD), wie etwa Öle, Tees, Lebensmittel oder Hundefutter. Die Produkte auf CBD-Basis wirken anders als das THC nicht bewusstseinsverändernd, aber beruhigend, entkrampfend, entzündungshemmend und stresslindernd. Insgesamt zeigen die 250 Aussteller in der Arena Berlin in Treptow mehr als 30.000 Kreationen.

Mit einer Gesamtfläche von 13.000 Quadratmetern ist die Mary Jane, die seit 2016 stattfindet, Deutschlands größte Cannabis-Messe und wichtigste Plattform zu dem Thema. Zeitgleich zu der bis Sonntag dauernden Messe findet auch eine Konferenz mit Branchenvertretern statt.

„Wir sind ausstellerseitig seit Monaten ausgebucht“, sagte Mary Jane Berlin Geschäftsführer Duc Anh Dang. „Das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr ist mit fast 25 Prozent im Ausstellerbereich enorm“, so Dang weiter. Dang, geboren in Erfurt, brachte die Idee zur Messe aus seinem Auslandsjahr in den USA mit nach Berlin. Die erste Mary Jane startete 2016 mit lediglich 80 Ausstellern.

Thematisch war Cannabis zuvor lange unterrepräsentiert in der deutschen Messe-Landschaft. 2004 fanden letzte Publikums-Veranstaltungen in Berlin und Köln zur Hanfpflanze statt. Nachdem Mary Jane in der deutschen Hauptstadt das Thema wieder aufleben ließ, zogen Veranstalter in Dortmund und München nach. „Die Mary Jane ist angesichts ihrer Größe und Vielfalt das Flaggschiff“, sagte Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband.

Auf der Mary Jane bekommen erstmals auch Start-ups die Chance, ihre Ideen und Geschäftsmodelle zu präsentieren. 25 Unternehmen zeigen vor allem Produkte auf CBD-Basis. Einige der jungen Aussteller sind jedoch auch in dem sogenannten Grow-Segment aktiv und zeigen etwa Pflanzanlagen, die Bewässerung, Licht, Temperatur, Düngung und Luftfeuchtigkeit automatisch steuern. Laut Veranstalter sind die Anlagen aber auch für andere Anbaupflanzen, etwa für Gemüse, nutzbar.

SPD-Landesverband Berlin für Legalisierung von Cannabis

Hanf-Lobbyist Wurth will die Mary Jane nutzen, um weiter für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland zu werben. Am Sonntag findet dazu auch eine Talk-Runde mit den Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Niema Movassat (Linke) und Wieland Schinnenburg (FDP) statt. Grüne, Linke und FDP hatten sich bereits in der Vergangenheit für einen freien Zugang zu Cannabis ausgesprochen. Die CDU lehnt diesen nach wie vor ab. Die SPD ringt noch um eine Position. Zuletzt hatten sich bei den Sozialdemokraten vier Landesverbände, darunter auch Berlin, für die Entkriminalisierung der Hanfpflanze stark gemacht.

Fr. bis So., ab 11 Uhr in der Arena in Treptow (Eichenstraße 4) statt. Tickets ab 20 Euro. Unter 18 Jahren nur mit einem Erziehungsberechtigten.