Untersuchung

Ungereimtheiten mit Beratern? Bahn zieht erste Konsequenzen

Bei der Deutschen Bahn sind fragwürdige Beraterverträge aufgetaucht. Unabhängige Rechtsanwälte wurden mit der Untersuchung betraut.

Die Deutsche Bahn prüft mögliche Ungereimheiten bei Beraterverträgen.

Die Deutsche Bahn prüft mögliche Ungereimheiten bei Beraterverträgen.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Der Deutschen Bahn droht womöglich eine Berateraffäre. Zumindest lässt sie fragwürdige Verträge von einer unabhängigen Rechtsanwaltskanzlei prüfen – und zieht nun offenbar schon erste Konsequenzen.

Laut „Bild am Sonntag“ dürfen frühere Vorstände den Konzern nur noch gegen Geld beraten, wenn der Aufsichtsrat das vorher genehmigt. Eine Sprecherin der Bahn wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren und verwies auf die geplante Sondersitzung des Aufsichtsrats dazu am Donnerstag (13. Juni).

Deutsche Bahn prüft auch Verträge von Ex-Vorständen

Es geht um Verträge aus der Zeit von 2010 bis 2018 und Verbindungen mit ehemaligen Konzernvorständen. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hieß es, fragwürdig seien Verträge mit etwa 20 früheren Managern. Dabei geht es auch um ehemalige Konzernvorstände, wie die Bahn vor Pfingsten mitgeteilt hatte. Namen wurden nicht genannt.

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„Ich werde gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat dafür sorgen, dass der Sachverhalt ohne Ansehen der Personen vollständig aufgeklärt wird“, kündigte Aufsichtsratschef Michael Odenwald an. Namen oder Summen wurden zu den Verträgen nicht genannt.

Deutsche Bahn: Ex-Vorstand soll hohe Abfindung und Honorare kassiert haben

Im Kern dreht es sich nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen vor allem um Beraterverträge mit einem früheren Vorstandsmitglied. Der Manager habe nach seinem Ausscheiden eine Millionenabfindung erhalten, anschließend aber noch eine höhere sechsstellige Summe für Beratungsleistungen bekommen.

Nach ersten belastbaren Hinweisen hätten Vorstand und Aufsichtsrat unmittelbar reagiert und die unabhängigen Anwälte eingeschaltet, so die Bahn. Ihr Bericht liege seit wenigen Tagen vor.

Anfang des Jahres war auch die Bundeswehr wegen fragwürdiger Beraterverträge in die Kritik geraten. Unter Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin gab die Truppe offenbar mehr als eine halbe Milliarde Euro für Berater aus – und hielt Unterlagen, die das belegen, bewusst zurück. Die Ministerin musste deswegen vor einem Untersuchungsausschuss aussagen.

(ba/dpa)