Affäre

Bluttest-Skandal an Uniklinik Heidelberg: Leitung belastet

Der Bluttest für Brustkrebs sollte eine Sensation werden. Bei der Vorstellung war er nicht ansatzweise bereit. Bedenken?Ignoriert.

Die Uniklinik Heidelberg hat sich für einen Bluttest feiern lassen, der gar nicht existiert.

Die Uniklinik Heidelberg hat sich für einen Bluttest feiern lassen, der gar nicht existiert.

Foto: Labor / dpa

Berlin.. Es wurde als medizinische Sensation verkauft, als wichtiger Schritt im Kampf gegen Krebs: Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg erklärten im Februar, sie hätten einen Bluttest entwickelt, der zur Erkennung von Brustkrebs eingesetzt werden könnte. Einzig: Der Test war noch lange nicht so weit entwickelt, um den betroffenen Frauen tatsächlich schon Hoffnung machen zu können.

Es handelte sich damals nicht um eine beiläufige Erwähnung oder eine unauffällige Veröffentlichung. Im Gegenteil: Das Klinikum rief zur Pressekonferenz, die Forscher jubilierten in der „Bild“-Zeitung. Wie sich herausstellte, gab es für diesen Jubel noch keine ausreichende Grundlage.

Universität Heidelberg: Bluttest vorgestellt – der so nicht existierte

Mit zunehmenden Interesse wuchsen auch die Zweifel. Andere Forscher meldeten sich, waren irritiert vom angeblichen Durchbruch. Es ging um viel Geld. „Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft; der Verdacht des Insiderhandels und der Börsenmanipulation steht im Raum“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. „Auch die Innenrevision des Klinikums wurde eingeschaltet, sie verschickte Fragebögen an alle Beteiligten und ging vielen Spuren nach.“

Tatsächlich berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ jetzt über Ergebnisse dieser Prüfung – und dass diese aufzeigen würden, dass der Vorstand „die folgenreiche Pressekonferenz vorangetrieben oder zumindest gebilligt hat und somit in die Bluttest-Affäre verstrickt ist.“

So ginge aus den Unterlagen auch hervor, dass die Pressesprecherin des Klinikums bis kurz vor dem Termin zweifel geäußert habe. Und das sehr diskret, offenbar in E-Mails nachvollziehbar.

Ablauf fragwürdig – Abteilung sollte offenbar gefördert werden

In aller Regel werden wissenschaftliche Durchbrüche ohnehin zuerst in Fachmagazinen publiziert. Heidelberg handhabte das anders, wie die „SZ“ schreibt, dort folgte erstmal die interne Untersuchung der Vorstellung. Tumorbiologe Magnus von Kebel Doeberitz habe den Test geprüft. Die Zeitung zitiert: „Daher muss klar festgehalten werden, dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt.“

So bilanzieren die Vorstände gegenüber der „SZ“, man habe mit der Ausgründung der Abteilung HeiScreen, die den Test entwickelt habe, in ihrem „Wunsch nach öffentlicher Wahrnehmung“ unterstützen wollen. Die „Interessen eines privaten Investors“ mit denen des Klinikums in Einklang zu bringen, habe nicht funktioniert.

Personelle Konsequenzen – Wirtschaftskriminalität?

Öffentlich ist das Gutachten noch nicht. Erste personelle Konsequenzen waren vergangene Woche vermeldet worden. Auf Empfehlung des Aufsichtsrates der Uniklinik hat deren Vorstand den Geschäftsführer der Technology Transfer Heidelberg (TTH), Markus Jones, bereits vergangene Woche von seinen Aufgaben entbunden.

Nicht nur intern wird ermittelt, auch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim ist mit dem Fall weiter befasst – da weiter die Frage im Raum steht, wer sich eventuell geldwerte Vorteile verschaffen wollte. Im März hatte sich das Uniklinikum entschuldigt.

• Auch unsere Redaktion hat im Februar über die Vorstellung des Bluttests berichtet – basierend auf den damals vorgestellten Informationen. (ses)