Organisator

Mario Hempel ist der Mann hinter dem Classic Open Air

Einst stand Mario Hempel als Musiker selbst auf der Bühne. Jetzt sorgt er als Organisator dafür, dass die Stars gut aussehen.

Früher Ost-Rocker, heute Unternehmer: Mario Hempel organisiert in Berlin Veranstaltungen wie das Classic Open Air und die Pyronale.

Früher Ost-Rocker, heute Unternehmer: Mario Hempel organisiert in Berlin Veranstaltungen wie das Classic Open Air und die Pyronale.

Foto: Anikka Bauer

Berlin.  Ein Foto erinnert Mario Hempel an seine erste Karriere. Es hängt in seinem Büro an der Wand. Hempel ist darauf mit einem weiteren Mann abgelichtet. Heute scherzt der Geschäftsmann gerne über die Aufnahme. „Damals hatte ich noch Haare“, sagt Hempel dann. Damals – das war vor dem Fall der Mauer. Mario Hempel war Musiker. Mit seiner eigenen Band „Report“ ging er auch mit Ost-Rock-Größen wie City oder Silly auf Tour. Doch nach dem Fall der Mauer war die Party zunächst vorbei. Im geeinten Deutschland waren die ostdeutschen Stars nicht mehr gefragt.

In seiner zweiten Karriere hat Mario Hempel das Rampenlicht stets gemieden. Stattdessen lässt Hempel nun andere Musiker auf der Bühne gut aussehen: Seit fast zwei Jahrzehnten organisiert der gebürtige Ost-Berlin das Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt, das in diesem Jahr vom 4. bis 8. Juli stattfindet. 2006 etablierte er mit der Pyronale am Olympiastadion zudem eine weitere Großveranstaltung in der deutschen Hauptstadt. Hempel, der frühere Musiker, hat sich zu einem erfolgreichen Geschäftsmann gemausert: Mittlerweile beschäftigt er mit seiner Firmengruppe rund 500 Mitarbeiter und erzielt jedes Jahr etwa 20 Millionen Euro Umsatz.

Catering-Firma hält den Open-Air-Veranstaltungen finanziell den Rücken frei

Classic Open Air und Pyronale sind dabei nur für den Bruchteil des Jahresumsatzes verantwortlich. Die Haupteinnahmen erzielt Hempel über sein Unternehmen Sunshine Catering Service, das derzeit täglich unter anderem 24.000 Portionen Schulessen zubereitet. Mit seiner Catering-Firma sorgt Hempel aber auch dafür, dass bei den Classic-Open-Air-Gästen kulinarisch keine Wünsche offen bleiben. Das Catering-Unternehmen lege die Basis für seine Firmengruppe, sagt Mario Hempel. Denn das Geschäft mit dem Essen ist gut planbar. Für die Schulspeisung vergibt das Land Berlin in regelmäßigen Abständen neue Aufträge an Unternehmen. Läuft dabei nicht allzu viel schief, sind die Essensportionen für die Caterer eine sichere Einnahmequelle.

Anders ist das bei den Veranstaltungen Classic Open Air und Pyronale, die jedes Jahr unter freiem Himmel stattfinden. „Das sind Risiko-Geschäfte“, sagt Hempel. Um zu verstehen, wie er das meint, genügt ein Rückblick in das vergangenen Jahr: Weil der Sommer ungewöhnlich warm und trocken war, musste Hempel gemeinsam mit seinem Veranstaltungspartner Gerhard Kämpfe den ursprünglich geplanten Pyronale-Termin im August absagen und auf Mitte Oktober verschieben. Wegen des neuen Termins gaben einige Hundert Kunden ihre bereits gekauften Tickets zurück. Ähnlich wetterabhängig ist auch das Classic Open Air: Wenn Regen vorhergesagt wird, verkauft Hempel wesentlich weniger Eintrittskarten als bei prognostiziertem Sonnenschein.

Die Geheimnisse des Sponsorings

Ein Teil der Einnahmen erwirtschaftet Hempel deswegen über Sponsoring-Gelder. Unternehmen nutzen den Klang der klassischen Musik und den architektonischen Glanz des Berliner Gendarmenmarkts, um sich ins rechte Licht zu setzen. Hempel hat gelernt, wie er Kultur und Wirtschaft zusammenbringt. Seit 1992 vermittelt er den Revue-Shows im Friedrichstadtpalast Sponsoring-Verträge. „Sponsoring muss immer glaubwürdig sein“, sagt Hempel. Eine französische Luxus-Automarke und Champagner hätten mit einer Show, die von einem französischen Designer ausgestattet wurde, zum Beispiel ganz gut funktioniert, sagt Hempel.

Auch das Classic Open Air könnten ohne Unterstützer aus der Wirtschaft nicht stattfinden. Hempels Job ist aber schwieriger geworden. Viele Unternehmen haben den Gürtel enger geschnallt als früher. „Vor allem Autofirmen sparen und haben die Etas runtergefahren“, sagt ein Branchen-Insider. Mario Hempel muss für seine Veranstaltungen deswegen noch mehr Unterstützer finden als vor einigen Jahren. Heute speisen sich die Sponsoring-Einnahmen bei der Veranstaltung Classic Open Air aus fünf bis sechs Firmen, früher seien es drei bis vier gewesen, sagt Mario Hempel.

Zahlreiche Live-Veranstaltungen buhlen um Ticketkäufer

Die Hilfe aus der Wirtschaft hilft Mario Hempel auch bei der Kalkulation der Eintrittspreise. Hempel weiß, dass er nicht zu teuer werden darf. „Arm aber sexy – das gilt zu großen Teilen noch immer für Berlin“, erklärt er. Zumal die Konkurrenz zugenommen hat. Die Anzahl der Live-Konzerte und Veranstaltungen in Berlin steigt seit Jahren. In keiner anderen europäischen Hauptstadt ist das Angebot an abendfüllenden Veranstaltungen so große wie in Berlin, schätzen Experten. „Berlin ist die Hauptstadt der Konzerte. Der Kampf um den Kunden ist nirgendwo so hart“, sagt Hempel. Allein in diesem Jahr treten im Abstand von nur wenigen Wochen Weltstars wie Phil Collins, Pink und Ariana Grande in Berlin auf.

Um sich abzusetzen und jedes Jahr ein Stückweit neu zu erfinden, setzt Hempel bei dem Classic Open Air auf die Zusammenarbeit mit seinem künstlerischen Direktor Gerhard Kämpfe. In diesem Jahr tritt etwa die deutsche Pop-Band „Die Prinzen“ auf. Mario Hempel wird dann ganz sicher auf dem Gendarmenmarkt dabei sein. Nur für klassische Opern-Arien kann sich der frühere Ost-Rocker so gar nicht begeistern. Den Programmpunkt „Highlights der Klassik“ wird er deswegen von seinem Büro aus verfolgen – und vielleicht schon den einen oder anderen Vertrag für das Classic Open Air im nächsten Jahr aufsetzen.