Start-up

Berliner Gründerinnen vernetzen Mütter

App Momunity hat wenige Monate nach dem Start bereits 10.000 Nutzer. Jetzt suchen die Unternehmerinnen Investoren.

Julia Laßmann (l.) und Charlotte Schiweck haben Ende 2017 Momunity in Berlin gegründet. Bis heute haben sich bereits mehr als 10.000 Mütter über die App vernetzt.

Julia Laßmann (l.) und Charlotte Schiweck haben Ende 2017 Momunity in Berlin gegründet. Bis heute haben sich bereits mehr als 10.000 Mütter über die App vernetzt.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Berlin.  Seit zwei Jahren erforscht der Female Founders Monitor, wie Frauen in Deutschland Unternehmen gründen. Gewissermaßen eine der Hauptaussagen ist zwar, dass Gründerinnen hierzulande noch immer selten sind. Doch wenn Frauen den Entschluss fassen, eine eigene Firma zu gründen, tun sie es selten, um viel Geld zu verdienen. In erster Linie geht es Frauen um die Lösungen von gesellschaftlichen Problemstellungen: Fast die Hälfte aller Gründerinnen in Deutschland orientiert sich beim Aufbau eines eigenen Unternehmens daran.

Frauen bekommen seltener Risikokapital als Männer

Die Berlinerinnen Charlotte Schiweck und Julia Laßmann haben Ende 2017 das Start-up Momunity gegründet. Ende des vergangenen Jahres kam die App auf den Markt, die mittlerweile mehr als 10.000 angemeldete Nutzerinnen hat. Mithilfe des digitalen Angebots bringen Schiweck und Laßmann Mütter zusammen. Herzstück von Momunity ist ein Newsfeed, der ein bisschen so aussieht wie bei Facebook. Daneben gibt es eine Karte, die anzeigt, welche Mamas in der Nähe wohnen. Beiträge können gepostet und kommentiert werden. Über einen Chat können sich die Mütter austauschen oder spontan verabreden.

Nach der Geburt ihrer Kinder fühlten sich die Momunity-Gründerinnen zunehmend einsam. „Ich sehnte mich nach Gesprächen mit Erwachsenen, nach seelischer Unterstützung und ich hatte viele Fragen und neue Themen, die ich mit Gleichgesinnten teilen wollte. Aus diesem Bedürfnis entstand die Idee, die sich dann immer ernsthafter entwickelte“, erzählt Charlotte Schiweck.

Eine Summe im fünfstelligen Bereich haben die Gründerinnen bislang in die App investiert. Das Geld stammt aus eigenen Ersparnissen. Den Berlinerinnen erging es wie vielen Unternehmensgründerinnen in Deutschland: Laut Female Founders Monitor erhalten Frauen-Teams wesentlich seltener als Männer-Teams Risikokapital, das in den Aufbau der jungen Firmen investiert werden kann. Unternehmerinnen müssen demnach vor allem auf Ersparnisse und auf Geld von Freunden und Verwandten zurückgreifen, um die ersten Schritte mit einer eigenen Firma bewältigen zu können.

In den kommenden Monaten will Momunity nun weiter wachsen. Dafür soll zunächst ein kleines Team aufgebaut werden. Ein bis zwei Mitarbeiter wollen die Gründerinnen einstellen. Priorität hat aber die Suche nach einem Investor. „Wir fragen Finanzierungen im mittleren sechsstelligen Bereich an“, sagt Charlotte Schiweck. Geld, das vor allem in die Weiterentwicklung der App und in Werbung fließen soll. Tausende weitere Nutzerinnen sollen so bis Jahresende hinzukommen.

Kooperationen mit Firmen bringen dem Start-up Geld ein

Die wachsende Community hilft den Gründerinnen auch dabei, endlich nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Zwischen der jungen Firma und mehrere Baby- und Kinderwaren-Herstellern gibt es bereits Kooperationen. Ähnlich wie andere soziale Netzwerke nimmt auch Momunity über gesponserte Beiträge Geld ein. „Wir arbeiten mit nur Marken zusammen, die wir selber gut finden und auch weiterempfehlen würden“, verspricht Julia Laßmann. Partnerschaften bestehen bereits mit Firmen wie Nuna oder Stokke. Auch mit einem Drogeriemarkt arbeiten die Berlinerinnen zusammen.

Auch abseits der digitalen Welt will sich Momunity verstärkt professioneller aufstellen. Neben ersten Mitarbeitern suchen Charlotte Schiweck und Julia Laßmann auch einen festen Unternehmenssitz. Derzeit arbeiten die Gründerinnen von wechselnden Co-Working-Spaces in Berlin aus. Mit dem Geld eines Investors im Rücken soll das junge Berliner Unternehmen nun auch ein dauerhaftes Zuhause finden.