Studie

Ranking der Lebensqualität: Deutsche Metropolen rutschen ab

Die Deutsche Bank hat die globalen Preise und Lebensstandards untersucht. Deutschland landet nur im Mittelfeld – mit wenigen Ausnahmen.

Im Vergleich zu anderen Metropolen hat Berlin bei der Lebensqualität abgebaut.

Im Vergleich zu anderen Metropolen hat Berlin bei der Lebensqualität abgebaut.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Wohnen wird immer teurer, die Kaufkraft sinkt, die Lebensqualität auch: Deutschland sackt im internationalen Vergleich der Lebensstandards und globalen Preise weiter ab. Das ist das Ergebnis der „Kartierung der Weltmarktpreise 2019“, einer Studie der Deutschen Bank.

Das Kreditinstitut hat 56 Metropolen weltweit im Hinblick auf Gehälter, Mietzahlungen und Kaufkraft miteinander verglichen. Die beiden untersuchten deutschen Städte, Berlin und Frankfurt, setzen ihren Abwärtstrend wie schon in den letzten Jahren fort.

Das Wichtigste in Kürze:

• Zürich ist die Stadt mit der höchten Lebensqualität

• In San Francisco haben die Einwohner die höchsten Einkommen

• In Deutschland sind Konsumgüter wie Bier besonders günstig

• Teils gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frankfurt und Berlin

Deutsche Städte fallen bei der Lebensqualität zurück

Lag Frankfurt im Vorjahr noch unter den zehn Städten mit der höchsten Lebensqualität, verschlechterte sich die Main-Metropole in diesem Jahr um vier Plätze und nimmt nur noch Rang 14 ein. Berlin, vor fünf Jahren immerhin noch Achter, fällt weiter zurück auf Platz 18.

Die Stadt mit der höchsten Lebensqualität ist der Studie zufolge Zürich, das das neuseeländische Wellington im Vergleich zum Vorjahr überholt hat. Auf dem dritten Platz liegt Kopenhagen.

Um die Lebensqualität zu messen, wurden verschiedene Indizes wie Sicherheit, Verfügbarkeit von Gesundheitsleistungen oder Verkehrspendelzeiten ausgewertet. Frankfurt schnitt vor allem bei der Kriminalität und den Lebenshaltungskosten schlecht ab, Berlin konnte beim Klimaindex nicht überzeugen.

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Amerikaner verzeichnen kräftige Zuwächse beim Gehalt

Während das Gehaltsniveau insbesondere von Amerikanern satte Zuwächse verzeichnet, sinkt laut der Studie in Deutschland das Einkommen. Boston verzeichnet einen Gehaltszuwachs auf 13 Prozent auf nun 3837 Euro im Monat. Noch deutlicher ist der Anstieg im US-Technikstandort San Francisco, wo die Monatsgehälter um umgerechnet knapp 1400 Euro nach oben geschnellt sind – auf jetzt durchschnittlich 5840 Euro im Monat.

Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Frankfurter zur Verfügung haben (2784). Dabei kommen die Hessen schon auf 300 Euro mehr im Monat als die Berliner. Besondres nach Abzug der Mieten verstärkt sich das Bild noch: Mieter in San Francisco haben nach Abzug der Monatsmiete noch umgerechnet 4215 Euro zum Leben übrig, Berliner dagegen nur 1885 Euro. Am wenigsten bleibt übrigens den Lissabonnern in Europa nach Abzug in der Tasche: Sie müssen monatlich mit 450 Euro auskommen.

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Deutschland ist bei günstigen Bierpreisen vorne dabei

Allerdings sind die deutschen Metropolen nicht überall nur Mittelmaß. In der Untersuchung der „schlechten Gewohnheiten“, die die Studienautoren anhand des Preises von fünf Bieren und zwei Packungen Zigaretten messen, gehören Berlin und Frankfurt zu den günstigeren Städten. In Berlin gibt es diese Kombination für 28 Euro. Zum Vergleich: Im australischen Melbourne wären 70 Euro fällig.

Ohnehin kann sich Deutschland für seine günstigen Bierpreise rühmen. Zwar mussten Deutsche zuletzt für ein Bier mehr bezahlen, in Berlin werden für einen halben Liter durchschnittlich aber dennoch „nur“ 3,10 Euro fällig. Nur in Warschau (2,33), Lissabon (1,79) und Prag (1,43) kann man in Europa noch günstiger Bier konsumieren.

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Sport ist in Deutschland so günstig wie sonst nirgends in Euro

Top ist Berlin auch, wenn es darum geht, sich ein hochwertiges Paar Sportschuhe zu kaufen. Mit durchschnittlich 68,73 Euro ist Berlin die günstigste Schuh-Einkaufsstadt Europas. In Frankfurt kostet das Paar durchschnittlich 30 Euro mehr, in Zürich werden sogar 135 Euro fällig.

Auch in weiteren Kategorie kann Deutschlands Hauptstadt überzeugen: Für monatlich 26,94 Euro gibt es bereits eine Monatskarte im Fitnessstudio. Weltweit sind nur Bangalore (26,67 Euro), Istanbul (26,58) und Dhaka (22,00) günstiger. Ebenfalls verhältnismäßig günstig ist in Deutschland der Kauf eines VW Golfs ohne Extras, den es für rund 19.277 Euro gibt. Wer sich das Volkswagen-Modell dagegen in Singapur anschaffen will, muss über 68.000 Euro auf den Tisch legen.

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Vor dem Date lohnt ein Blick ins Portemonnaie

Wer günstig im Internet surfen möchte, sollte in Moskau wohnen. In der russischen Hauptstadt kostet eine Monatsgebühr rund 6,26 Euro und ist damit fast viermal günstiger als in Deutschland. Den günstigsten Cappuccino gibt es den Studienautoren zufolge in Mailand, wo das Kaffeegetränk für durchschnittlich 1,50 Euro angeboten wird. In Berlin und Frankfurt kostet er doppelt so viel.

Bevor man sich in Zürich für ein romantisches Date mit Taxifahrt, Abendessen zu zweit und zwei Kinokarten verabredet, sollte man prüfen, ob man sich den Abend auch leisten kann. Ein solcher Abend kostet nämlich rund 180 Euro – so viel wie in keiner anderen Stadt weltweit. In Berlin wäre ein solcher Abend nur halb so teuer, in Warschau würde das Rendezvous sogar nur rund 50 Euro kosten.

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Teils deutliche Unterschiede zwischen Frankfurt und Berlin

Während Frankfurt und Berlin in der internationalen Stichprobe meist sehr ähnliche Preise aufweisen, gibt es auch Kategorien, in denen sie sich deutlich unterscheiden. So ist Frankfurt hinter Zürich die zweitteuerste Stadt, wenn Sommerkleidung gekauft wird. 52 Euro werden für Sommerbekleidung in der Frankfurter Einkaufsläden fällig, in Berlin sind es 21 Euro weniger.

Auch ist Frankfurt weltweit die zehnteuerste Stadt, wenn es um einen Männerhaarschnitt geht. 27 Euro kostet der Besuch beim Friseur in der Mainmetropole. Das sind zwar 15 Euro weniger als beim Spitzenreiter Kopenhagen, aber eben auch neun Euro mehr als in Berlin.

(von Tobias Kisling)