Dienstleistungskonzern

Dussmann baut deutsches Geschäft um

Der Berliner Dienstleistungskonzern wächst vor allem im Ausland. In Deutschland hingegen strukturierte das Unternehmen um.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group (Archivbild).

Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group (Archivbild).

Foto: Sophia Kembowski / picture alliance / Sophia Kembowski/dpa

Berlin. Der Berliner Dienstleistungskonzern Dussmann ist 2018 erneut gewachsen. Der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg um 5,3 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Dussmann verdiente auch mehr Geld als im Jahr zuvor: Die EBITDA-Marge, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz, der Dussmann-Group wuchs auf 6,2 Prozent. Besonders im Ausland entwickelte sich das Geschäft stark. Dussmann bietet Dienstleistungen wie Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste und Catering an.

Insgesamt stieg der Konzernumsatz im Ausland um 11,3 Prozent. Die Bedeutung des Geschäfts in Deutschland nahm im vergangenen Jahr hingegen weiter ab. Die Erlöse im Inland konnte Dussmann nur noch um knapp 1,3 Prozent steigern. Dussmann hat im vergangenen Jahr deswegen auch das Inlands-Geschäft umgebaut. „Wir haben festgestellt, dass wir in einigen Regionen nicht die Marktdurchdringung hatten, wie sie sein sollte“, sagte der Sprecher des Dussmann-Vorstandes, Wolfgang Häfele, am Donnerstag in Berlin. Der Konzern habe sein Inlands-Geschäft auf den Prüfstand gestellt und sich auch von weniger profitablen Aufträgen getrennt, so Häfele. Mehr als 1800 Mitarbeiter mussten das Unternehmen im Zuge der Neuausrichtung verlassen.

Dussmann plant Zukauf für neuen Geschäftsbereich

Im Ausland stellte Dussmann im gleichen Zeitraum mehr als 3600 Beschäftigte ein. Mittlerweile arbeiten mehr als 66.000 Mitarbeiter in 17 Ländern für das Berliner Unternehmen. Dussmann werde künftig ein noch breiteres Service-Angebot für seine Kunden haben, erklärte die Dussmann-Stiftungsratsvorsitzende Catherine von Fürstenberg-Dussmann. Das Unternehmen hat dafür mit der Dussmann Technical Solutions GmbH eine neue Tochterfirma gegründet. Dieser Technikbereich solle Kunden Lösungen für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes anbieten, so Vorstand Häfele.

In den nächsten Wochen solle der Geschäftsbereich durch weitere Zukäufe ausgebaut werden, sagte Häfele. Der Erwerb eines Engineering-Unternehmens steht laut Häfele unmittelbar bevor. Weitere Details nannte das Management des Berliner Konzerns zunächst nicht. Auch im vergangenen Jahr hatte Dussmann sein Geschäft schon mit Neuerwerbungen gestärkt: In Italien kauften die Berliner das Cateringunternehmen Alessio und die Gebäudetechnik-Firma Gaetano Paolin. Ohnehin lief das vergangene Geschäftsjahr in dem Land für Dussmann besonders erfolgreich: Das Unternehmen konnte dabei auch zahlreiche neue Aufträge von italienischen Flughäfen ergattern: „Fast kein Airport in Italien kommt ohne Dussmann aus“, sagte Häfele.

Neue Aufträge in Österreich und der Schweiz

Auch in anderen Ländern konnte Dussmann neue Aufträge gewinnen: In Österreich setzte sich das Unternehmen unter anderem bei der Vergabe eines Gebäudereinigungs-Auftrags der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) durch. Im ganzen Land ist Dussmann in den nächsten fünf Jahren nun für die Reinigung von rund 1300 ÖBB-Gebäuden zuständig. In der Schweiz sei ein großer Auftrag eines Pharma-Konzerns hinzugekommen, in Ungarn reinigt Dussmann Standorte im Automobil-Segment des deutschen Konzerns ThyssenKrupp.

Trotz des Personalabbaus in Deutschland gewann Dussmann auch hierzulande neue Aufträge hinzu: Einen Großauftrag erhielt das Unternehmen unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit, auch die Landesbank Baden-Württemberg greift künftig auf den Dussmann-Service zurück.

Mit der neuen Technik-Tochter Dussmann rücken aber auch neue Kunden in den Fokus, sagte Wolfgang Häfele. Konkret bewerbe man sich um Aufträge bei High-Tech-Unternehmen wie Data-Centern oder IT-Anbietern. Insgesamt spiele die Digitalisierung bei Dussmann eine immer bedeutendere Rolle: Software-Lösungen etwa würden Kunden, Mitarbeiter und Infrastruktur miteinander vernetzen. So ließen sich noch bessere Ergebnisse erzielen, hieß es.

Digitalisierung unterstützt Dussmann-Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter im Bereich Gebäudereinigung bringen die digitalen Helfer vor allem Erleichterung: Dussmann testete im vergangenen Jahr erstmals autonom fahrende Reinigungsmaschinen. Die Flächenleistung der Geräte sei pro Stunde deutlich besser als bei menschlichen Reinigungskräften. Die Arbeit der Mitarbeiter falle aber nicht weg. Sie werde durch die Technik leichter und attraktiver, weil monotone und anstrengende Tätigkeiten entfielen. Zudem werde das Berufsbild sogar aufgewertet: Dussmann-Mitarbeiter würden die digitalen Geräte nun verstärkt kontrollieren und programmieren.

Das Dienstleistungsunternehmen wurde 1963 von Peter Dussmann in München gegründet. Seit 1997 hat Dussmann seinen Sitz in Berlin. In 17 Ländern bietet das Unternehmen mittlerweile Dienstleistungen rund ums Gebäude an. Hinzu kommen Einrichtungen für Betreuung und Pflege von 13.600 Senioren. In Berlin betreibt Dussmann auch das Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße.