Luftverkehr

Wie Easyjet in 15 Jahren zu Berlins Heimat-Fluglinie wurde

Der britische Billigflieger sorgt nach der Übernahme von Teilen Air Berlins mit besserer Auslastung seiner Jets für Wachstum in Berlin.

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Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Die britische Billigfluglinie Easyjet hat an den Berliner Flughäfen die Lücke durch den Ausfall der Air Berlin kompensiert. Die Auslastung der Flüge zu den inzwischen 90 Zielen habe inzwischen 88 Prozent erreicht und nähere sich dem Easyjet-Durchschnittswert von 92,9 Prozent, sagte Easyjets Deutschland-Chef Stephan Erler am Montag. Nach dem Aus von Air Berlin sei man die Heimat-Fluglinie für Berlin.

Mit 14,5 Millionen angebotenen Sitzplätzen von und nach Berlin sind die Briten mit einem Marktanteil von 30 Prozent die größte Airline in Berlin. 1500 Arbeitsplätze hat die seit dem Start der ersten Flüge nach London-Luton und Liverpool 2004 anhaltende Expansion des Unternehmens in der deutschen Hauptstadt inzwischen geschaffen. Allein 400 ehemalige Air Berlin-Mitarbeiter, darunter 180 Piloten, heuerten bei den Orangenen an.

35 Flugzeuge hat Easyjet in Berlin stationiert

Mit 35 in Tegel und Schönefeld stationierten Flugzeugen haben die Briten mehr Jets in der Stadt als Air Berlin je hatte, sagte Berlins oberster Tourismus-Werber Burkhard Kieker: „Wir haben Easyjet viel zu verdanken.“ 5,6 Millionen Berlin-Besucher seien 2018 mit den Flugzeugen der Briten in die Stadt gekommen. Das Engagement der Airline habe beigetragen zum Aufstieg Berlins in die „Top-Liga der europäischen Destinationen“, so der Chef der landeseigenen Gesellschaft Visit Berlin.

„Herausforderungen“ auch in diesem Sommer

Nachdem im vergangenen Sommer Millionen Passagiere wegen massiver Probleme im europäischen Luftraum mit zahlreichen verspäteten und gestrichenen Flügen zu kämpfen hatten, kann der Marktführer auch für die kommende Feriensaison keine Entwarnung geben. Man gehe für diesen Sommer wieder von „Herausforderungen“ aus, sagte Easyjet-Deutschland-Chef Erler. Als Gründe verwies er auf Engpässe bei der europäischen Flugsicherung und operative Schwierigkeiten an einzelnen Flughäfen.

Mit den Leistungen der betagten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zeigte sich der Manager aber insgesamt zufrieden. „Wir wussten, dass es in Tegel eng ist“, sagte Erler.

Nachdem zum Sommerflugplan Sevilla (von Schönefeld), Dubrovnik, Danzig, Zadar, Kos und Sylt (alle von TXL) neu in den Flugplan aufgenommen wurden, plant Easyjet für die Zukunft nur noch das eine oder andere zusätzliche Ziel. Eher werde der Flugplan optimiert und angepasst. So werde überlegt, Budapest nicht mehr von beiden Berliner Flughäfen aus anzufliegen.

Hannes Hönemann, Sprecher der Lughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), erklärte das jüngste Passagierplus am Flughafen Tegel vor allem mit der gestiegenen Auslastung der Easyjet-Flugzeuge. Dass es über die bestehenden Strecken hinaus von Tegel aus noch viele neue Angebote geben werde, sei „unwahrscheinlich“. Das werde erst mit der nach wie vor für den Herbst 2020 angestrebten Eröffnung des neuen Airports BER möglich sein.

Vision: Billig-Airline Zubringer für Langstreckenflüge am BER

Berlins Tourismus-Chef Kieker wies dem ausgedehnten europäischen Netzwerk des Marktführers eine wichtige Rolle zu bei dem Bestreben, weitere Langstreckenflüge in Berlin zu etablieren. Easyjet könne als Zubringer für andere Airlines fungieren. Zunehmend werde es einfacher, eine Kombination aus dem Billigflieger und einem Langstreckenflug zu buchen und sein Gepäck entsprechend aufzugeben.

Dass ein zunehmender Fokus auf den Klimaschutz das Geschäftsmodell der Billigfliegerei bedrohen könnte, sehen sie bei Easyjet nicht. Man arbeite daran, die Flotte zu modernisieren. So sei der Ausstoß von Kohlendioxid pro Kilometer und Passagier auf 78 Gramm gesunken. Es sei eine „Kundenentscheidung, mit uns zu fliegen“, sagte Erler. Auch die Strecke nach München, das seit einiger Zeit in viereinhalb Stunden mit der Bahn zu erreichen ist, sei gefragt.