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Deutsche Bank und Commerzbank: Ende eines Hochzeitstraums

Die Deutsche Bank und die Commerzbank brechen die Gespräche über eine Fusion vorerst ab. Analysten und Mitarbeiter sind erleichtert.

Deutsche Bank und Commerzbank sagen Fusion ab

Beide Banken meldeten, dass die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen dem Zusammenschluss schließlich doch im Wege ständen.

Deutsche Bank und Commerzbank sagen Fusion ab

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Frankfurt/Main. Mit der Idee für eine neue Großbank in Deutschland sympathisierte wohl am stärksten das Bundesfinanzministerium. Doch am Ende zerplatzte der Traum. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben ihre Mitte März begonnenen Sondierungsgespräche über ein Zusammengehen ohne Ergebnis beendet.

„Nach gründlicher Prüfung hat sich herausgestellt, dass ein solcher Zusammenschluss nicht im Interesse der Aktionäre sowie anderer Interessengruppen gewesen wäre“, begründeten beide Institute wortgleich ihre Entscheidung. Mit einem Zusammenschluss hätte man höhere und nachhaltige Renditen für die eigenen Aktionäre erreichen und die Leistungen für die Kunden verbessern müssen. Doch das sei nicht der Fall.

Verhandelt auf Wunsch der Politik

Die Banken hatten seit sechs Wochen verhandelt – angestoßen durch den Wunsch der Politik. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldmann-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, hatten wiederholt die Vorteile eines „nationalen Bankenchampions“ beschworen.

Doch sowohl Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing als auch Commerzbank-Chef Martin Zielke hatten zu Beginn der Gespräche betont, man verhandle „ergebnisoffen“.

Den Mehrwert haben beide Banken-Chefs jedoch nicht erkannt, „auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration“ einhergingen. Dazu habe man verschiedene Modelle durchgerechnet.

Die Risiken einer Fusion wären größer als die Chancen


„Ich bin erleichtert, dass die wirtschaftliche Vernunft gesiegt hat“, kommentierte Klaus Nieding, langjähriger Bankenexperte der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). „Für das bisschen Chance waren die Risiken zu groß.“

Chancen hätten darin bestanden, ein größeres Gewicht am internationalen Markt zu bekommen als „nationaler Champion“. Aber eine solche Bank wäre dann noch systemrelevanter, als etwa die Deutsche Bank heute schon ist.

„Dieser ‚Deutschen Commerzbank‘ wären wir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert gewesen“, sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Denn wäre diese ins Schleudern gekommen, hätte der Staat sie auf jeden Fall retten müssen. Der Bund ist im Zuge der Finanzmarktkrise mit seiner Rettungsaktion bereits mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner der Commerzbank.

Fusion hätte Zehntausende von Arbeitsplätzen gefährdet

Auch die Kosten einer Fusion wären nur auf lange Sicht zu drücken gewesen. Denn Einsparungen wären vor allem zulasten der Mitarbeiter gegangen. Vom Abbau von 30.000 Stellen war die Rede. Verdi-Chef Frank Bsirske, selbst Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, begrüßte deshalb die Entscheidung: „Ein solcher Schritt hätte Zehntausende von Arbeitsplätzen gefährdet.“

Die Jobverluste hätten wahrscheinlich vor allem die Commerzbank getroffen, vermutet Dieter Hein, Analyst von Fairesearch, da die Mitarbeiter der Deutschen Bank in Deutschland zum großen Teil eine Beschäftigungsgarantie bis 2021 hätten. Die Mitarbeiter beider Häuser hatten sich mit großer Mehrheit gegen ein Zusammengehen ihrer Institute ausgesprochen – und diese Haltung hätten dann wohl auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mit getragen.

„Dass man so ein Projekt gegen den massiven Widerstand der Mitarbeiter durchsetzt, ist schwierig“, sagt Hein. Hinzu kommt: Ein solcher Stellenabbau kostet viel Geld und es dauert Jahre, bis das fusionierte Unternehmen unterm Strich besser dasteht als zuvor. Um die Restrukturierungskosten einer Übernahme zu stemmen, hätte die Deutsche Bank wahrscheinlich ihr Kapital erhöhen müssen, was am Kapitalmarkt nicht gut ankommt.

Kritik von Kunden und Großaktionären

Nicht nur die Mitarbeiter machten ihren Widerstand deutlich. Auch die Kunden und Großaktionäre hatten Kritik geäußert. Manche Großkunden dürften schon mit den Füßen abgestimmt haben: „Diejenigen, die langfristig planen, dürften sich schon nach anderen Bankpartnern umgesehen haben“, vermutet Bankenprofessor Burghof. Gerade bei großen Mittelstandskunden sei das Vertrauen in ihre Bank wichtig.

Das aber könnte jetzt schon gelitten haben. Die Großaktionäre der Deutschen Bank wiederum wie das Emirat Katar oder der Vermögensverwalter Blackrock hatten die Fusion ebenfalls nicht befürwortet. Sie dürften vor allem auf den Mehrwert im Geschäftsmodell geschaut haben.

„Die Geschäftsbereiche beider Banken überlappen sich zwar stark“, analysiert der Aktionärsschützer Nieding. „Doch bei den Problemfeldern wäre man nicht nach vorn gekommen.“ Denn die Commerzbank hat ihr Investmentbanking nach der Finanzkrise stark heruntergefahren, in diesem Bereich hätte sie der Deutschen Bank nichts gebracht. Deshalb sind die hohen Gebühren für Basiskonten der Deutschen Bank nicht rechtens.

Mögliches Zusammengehen der Fondtochter DWS mit der schweizerischen UBS

Und bei den Mittelstandskunden, die bei der Commerzbank im Fokus stehen, wäre fraglich gewesen, ob diese auch einer Großbank treu geblieben wären. Auch die Börse ist skeptisch: Aktionäre bewerteten den Gesprächsabbruch zwar zunächst positiv. Doch zum Handelsende rutschten beide Aktien ins Minus.

Dabei versuchte die Deutsche Bank gestern noch gleich zu dokumentieren, dass sie auch allein auf gutem Weg ist: Sie veröffentlichte Kernzahlen ihrer Quartalsbilanz. Danach hat sie zwischen Januar und März einen Nettogewinn von 200 Millionen Euro erzielt, das ist etwa viermal so viel, wie Analysten erwartet hatten.

Die Bank prüfe weiterhin alle Alternativen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern. Eine Möglichkeit könnte das Zusammengehen ihrer Fondstochter DWS mit der schweizerischen UBS sein.

Commerzbank interessiert sich für ausländische Banken

Für die Commerzbank wiederum haben sich schon mehrere ausländische Banken wie die italienische Unicredit oder die niederländische Großbank ING interessiert. Konzernchef Zielke hat bereits vorher klargemacht, dass die Commerzbank unabhängig vom Ausgang der Fusionsgespräche handeln muss: „Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht.“

(Brigitte Scholtes)

• Hintergrund: Deutsche Bank und Commerzbank: Kommt die deutsche Megabank? Beobachter hatten zuletzt immer wieder vor Gefahren eine Fusion gewarnt: Welche Risiken eine Fusion der deutschen Großbanken birgt.