Finanzdienstleister

Hypoport verlegt Sitz von Berlin nach Lübeck

Nach einem Streit mit dem Berliner Senat verlegt Hypoport seinen Firmensitz von Berlin nach Lübeck. Das erzürnt die Opposition.

Hypoport verlegt seinen juristischen Firmensitz von Berlin nach Lübeck. Das  sei ein Rückschlag für den Wirtschaftsstandort, sagt die Opposition im Abgeordnetenhaus.

Hypoport verlegt seinen juristischen Firmensitz von Berlin nach Lübeck. Das sei ein Rückschlag für den Wirtschaftsstandort, sagt die Opposition im Abgeordnetenhaus.

Foto: dpa Picture-Alliance / XAMAX

Berlin. Der börsennotierte Finanzdienstleister Hypoport will seinen Firmensitz von Berlin nach Lübeck verlagern. Entsprechende Pläne gehen aus der Einladung zur Hauptversammlung des Unternehmens vor. Demnach sollen die Aktionäre den Schritt am 15. Mai beschließen.

Ein Hypoport-Sprecher bestätige gegenüber der Berliner Morgenpost die Pläne. Lübeck ist auch der Hauptsitz der Hypoport-Tochter Dr. Klein. Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten in Berlin habe die Verlagerung zunächst nicht, sagte ein Sprecher. In der deutschen Hauptstadt hat Hypoport derzeit rund 350 Mitarbeiter. Auch steuerlich bleibe der juristische Umzug ohne Folgen.

Finanzverwaltung zog Vorkaufsrecht

Vorausgegangen war ein Streit um eine Immobilie in der Klosterstraße in Mitte, die derzeit noch der Hauptsitz von Hypoport ist. Das stark wachsende Unternehmen wollte das Gebäude ursprünglich kaufen. Sogar der Vertrag war schon unterschrieben. Kurz vor Abschluss des Geschäfts schritt allerdings die Berliner Finanzverwaltung ein und machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch.

Der Vorgang erzürnt die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus. Es sei erschütternd, wenn mit Hypoport ein börsennotiertes Unternehmen seinen Sitz von Berlin nach Lübeck verlegen will, weil sich der Senat beim Kauf des Firmengebäudes querstellt, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff, am Donnerstag. „Das ist ein Tiefschlag für den Wirtschaftsstandort Berlin, der Konsequenzen haben muss: Finanzsenator Kollatz muss seine Staatssekretärin Sudhoff entlassen, denn mit ihrer Liegenschaftspolitik sorgt sie schon seit langem für Irritationen“, so Gräff weiter.

Armutszeugnis und Rückschlag

Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP, nannte die Verlagerung des Firmensitz einen „Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Berlin“. „Die Gründe der Verlegung hat allein der Berliner Senat zu verantworten, der den Firmensitz von Hypoport weggekauft hat und nicht der Lage war, einen adäquaten Ersatz anzubieten“, so Swyter.

„Der Fall Hypoport ist ein Armutszeugnis für die Standortpolitik“, kritisierte auch IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Die Stadt sende damit ein weiteres fatales Signal mit Blick auf die Investorenfreundlichkeit aus. Auch die Schutzvereinigung der Kapitalanleger erhob Vorwürfe gegen die rot-rot-grüne Landesregierung. „Der Senat verhält sich mit der Vertreibung von Hypoport wie eine Heuschrecke“, sagte Sprecher Michael Kunert

Nach Auskunft des Unternehmens laufe der derzeitige Mietvertrag noch bis Ende dieses Jahres. Die Finanzverwaltung hatte Hypoport allerdings angeboten, den Kontrakt um bis zu ein Jahr zu verlängern. „Schriftlich haben wir das aber noch nicht. Wir gehen aber davon aus, dass man sich daran hält“, sagte ein Hypoport-Sprecher.

Ein Auszug Ende 2019 würde das Unternehmen zudem vor große Probleme stellen. Zwar ist es Hypoport mittlerweile gelungen, eine neue Bürofläche zu finden. Das Gebäude in der Europacity befindet sich derzeit aber noch im Bau und soll erst im ersten Quartal 2020 bezugsfertig sein.

Verhandlungen um Neubau-Grundstück stocken

Das neue zu Hause von Hypoport in Berlin soll dann die Büroimmobilie „MY.B“ sein. 8000 Quadratmeter Fläche hat der Finanzdienstleister gemietet, 2000 mehr als in dem alten Firmensitz an der Klosterstraße. Ein Total-Rückzug aus der deutschen Hauptstadt ist die Verlagerung der Hypoport-Zentrale demnach nicht. Als Unternehmen werde man auch in Berlin weiter wachsen.

Hypoport werde hier Personal aufbauen, allerdings in bestehenden Geschäftsfelder, sagte ein Sprecher. Neue Geschäftsmodelle werde das Unternehmen hingegen an Standorten erproben, an denen sich Hypoport „willkommener fühlt als in Berlin“, so der Unternehmenssprecher. Bundesweit beschäftigte die im S-Dax notierte Hypoport AG 2018 mehr als 1300 Mitarbeiter.

Für Hypoport ist allerdings auch die neu angemietete Bürofläche nur eine Notlösung. Eigentlich hatte die Firma mit einem Neubau geliebäugelt. Die Verhandlungen um ein vom Land angebotenes Grundstück am Hauptbahnhof gestalten sich allerdings schwierig. Derzeit wird die Fläche noch von der Deutschen Bahn für die Baustelle zur Verlängerung der Bahn-Verbindung S21 genutzt. Baurecht könnte höchstens 2028 hergestellt werden – wenn überhaupt. „Je konkreter die Gespräche werden, desto mehr Hürden tun sich auf“, sagte der Hypoport-Sprecher.

Opposition hinterfragt Rolle der Wirtschaftssenatorin

Die Opposition hinterfragt beim Streit um Hypoport auch die Rolle von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Halsstarrigkeit sei alles andere als gute Wirtschaftspolitik, so Christian Gräff. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Wirtschaft habe Pop mehrfach das Gespräch mit Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) gesucht. Erfolgreich war sie dabei offenbar nicht.