Studie

Frauen fällt Finanzierung von guten Geschäftsideen schwer

Gründerinnen stecken vor allem Erspartes und Geld von Familienangehörigen in ihre Unternehmen. Zugang zu Risikokapital haben Frauen hingegen kaum.

Nur 15,1 Prozent der Start-up-Gründer in Deutschland sind Frauen.

Nur 15,1 Prozent der Start-up-Gründer in Deutschland sind Frauen.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Berlin. Frauen gründen seltener Unternehmen – und ihnen fällt die Finanzierung ihrer Geschäftsidee schwerer als Männern. Das geht aus dem „Female Founders Monitor“ 2019 hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind nur 15,1 Prozent der Firmengründer in Deutschland Frauen. Weiblichen Gründerinnen fällt zudem der Zugang zu Risikokapital schwerer als männlichen Unternehmern. Deswegen müssten Frauen laut Studie verstärkt auf andere Finanzierungsformen zurückgreifen. In den überwiegenden Fällen stecken die Unternehmerinnen dann eigene Ersparnisse oder das Geld von Verwandten in ihre Gründungen.

Ex-Ministerin Zypries sieht auch den Staat in der Pflicht

„Die Zahl der Gründerinnen ist nach wie vor erschreckend niedrig“, sagte Janina Mütze, Vorsitzende des Start-up-Unternehmerinnen-Netzwerks. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Wert nur leicht angestiegen, so Mütze. „Wir brauchen die Frauen, weil sie andere Ideen haben und einen anderen Weg gehen“, erklärte Brigitte Zypries, SPD-Politikerin, frühere Bundeswirtschaftsministerin und Schirmherrin des Unternehmerinnen-Netzwerks. Der Staat müsse bei der Förderung von Gründerinnen stärker als bislang in die Pflicht genommen werden. „Der Staat kann aber nur handeln, wenn er den Bedarf kennt“, so Zypries weiter. Auch dafür gebe es diese Studie.

Deutschlands typische Gründerin ist im Durchschnitt 35 Jahre alt und hat ein Studium absolviert. Laut Studie hätten Gründerinnen dabei wesentlich häufiger kreative Fächer oder Geistes- und Sozialwissenschaften studiert. Männliche Gründer hingegen studierten vor dem Aufbau des eigenen Unternehmen häufiger Informatik, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern dagegen in den Wirtschaftswissenschaften.

Frauen wollen Probleme lösen

Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es auch bei der Frage, warum ein Unternehmen gegründet wird. Fast die Hälfte der Gründerinnen (49,6 Prozent) orientiere ihr Geschäftsmodell an gesellschaftlichen Problemstellungen, so der Monitor. Bei den Männern verfolgen nur 36,4 Prozent ähnliche Zielsetzungen. Dafür dominieren wirtschaftliche Motive: 74,09 Prozent der Gründer verfolgen insbesondere das Ziel, ökonomisch erfolgreich zu sein – bei den Gründerinnen sind die nur 58,4 Prozent.

Eine wichtige Rolle spiele für Frauen zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gründerinnen würden ihre eigene Arbeit flexibler organisieren und deswegen nur knapp die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen.

Häufig hilft das Geld von Freunden

Große Herausforderungen sehen die Autoren der Studie auch bei der Finanzierung von weiblichen Gründungsvorhaben. Nur 7,8 Prozent der Frauenteams hätten für ihre Firmengründung Risikokapital erhalten. Bei den Männern seien es 16,8 Prozent. Gründerinnen müssten deswegen häufiger auf eigene Ersparnisse und das Geld von Verwandten zurückgreifen. Auch staatliche Fördermittel würden öfter an Männer gehen: Nur 20,9 Prozent der Frauenteams hätten öffentliche Unterstützung erhalten, bei Männerteams waren es 35,7 Prozent.

Die Ergebnisse des „Female Founders Monitors“ zeigen, dass noch ein weiter Weg zu gehen sei, sagte Janin Mütze. „Wir müssen uns von gesellschaftlichen Stereotypen lösen, damit mehr Frauen im Start-up-Bereich gründen und mit ihrem Unternehmen wachsen können“, so Mütze, die in Berlin das Onlindeportal Civey aufgebaut hat, das Meinungsumfragen durchführ.

Der „Female Founders Monitor“ wurde im vergangenen Jahr erstmals erstellt. Er basiert auf Ergebnissen des Deutschen Start-up Monitors. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ.