Steuer-Serie

Das Finanzamt an der Kinderbetreuung beteiligen

Wie private Kosten für Altersvorsorge, Versicherungen, Ausbildung oder auch Unterhalt und Spenden Ihre Steuerlast senken.

Arbeitnehmer können die Kosten für Kinderbetreuung, etwa durch ein Au-pair, von der Steuer absetzen. Daneben natürlich auch Aufwendungen für die Altersvorsorge oder für viele Versicherungen.

Arbeitnehmer können die Kosten für Kinderbetreuung, etwa durch ein Au-pair, von der Steuer absetzen. Daneben natürlich auch Aufwendungen für die Altersvorsorge oder für viele Versicherungen.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Den Staat an privaten Kosten beteiligen? Das geht im Steuerrecht nur in bestimmten Fällen – zum Beispiel mit Sonderausgaben. Viele Kosten darf der Bürger nämlich von seinem Einkommen abziehen und so Steuern sparen.

Ausgaben für die Altersvorsorge, Spenden, Kosten für die Kinderbetreuung oder auch Unterhalt – das alles kann man wohl als Privatvergnügen bezeichnen. Und dennoch hilft der Staat bei ihnen finanziell weiter. Der Gesetzgeber begünstigt solche Kosten der Lebensführung als abzugsfähige Sonderausgaben. Obwohl es sich um private Ausgaben handelt, darf man sie daher in der Steuererklärung angeben und dort vom Einkommen abziehen. Damit zahlt man direkt weniger Steuern.

Niedrigen Pauschbetrag leicht überspringen

In Höhe von 36 Euro (für Alleinstehende und 72 Euro für Ehepaare) steht jedem Steuerzahler ein Sonderausgaben-Pauschbetrag zu. Den muss man nicht einmal beantragen. Das Finanzamt zieht allen, die ihre Steuererklärung abgeben, diesen Betrag automatisch vom Einkommen ab. Doch aufgepasst: Die meisten Steuerzahler können weitaus mehr anrechnen als nur diesen Pauschbetrag. Denn der Sonderausgaben-Pauschbetrag ist so niedrig, dass er allein mit der gezahlten Kirchensteuer oder einer Spende schon übersprungen wird.

Belege für die Aufwendungen sollten Steuerzahler übrigens aufbewahren. Einzureichen sind sie aber erst auf Nachfrage des Finanzamts.

Vorsorgeaufwendungen und weitere Sonderausgaben

Was der Fiskus als Sonderausgaben anerkennt, ist in den Paragrafen 10 bis 10g des Einkommensteuergesetzes abschließend aufgelistet. Andere Posten akzeptieren die Finanzämter nicht. Grob kann man Sonderausgaben in zwei Gruppen unterteilen: Vorsorgeaufwendungen und weitere Sonderausgaben. Vorsorgeaufwendungen lassen sich in Basisversorgung und „sonstige“ Vorsorgeaufwendungen unterscheiden. Die Basisversorgung ist in größerem Umfang absetzbar.

Als Vorsorgeaufwendungen gelten:

Basisversorgung: Aufwendungen für die Altersvorsorge (Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zum berufsständischen Versorgungswerk, zur landwirtschaftlichen Alterskasse und für eine Rürup-Rente, Beiträge für die Basisversorgung zur Kranken- und Pflegeversicherung)

Sonstige Vorsorgeaufwendungen: Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflichtversicherung etc. sowie Risikolebens- und private Kapitallebens- und Rentenversicherung mit Abschluss vor 2005

Riester-Rente (über eine Günstigerprüfung mit der Anlage AV)

Weitere Sonderausgaben sind: Unterhaltszahlungen (z. B. an den Ex-Partner, sogenanntes Realsplitting: bis maximal 13.805 Euro in Anlage U), Spenden und Mitgliedsbeiträge, Kirchensteuer, Kosten für eine (Erst-)Ausbildung oder Erststudium bis höchstens 6000 Euro und Schulgeld.

Gezahlte Beiträge für Altersvorsorge und Versicherungen (auch Kranken- und Pflegeversicherung) trägt man in die Anlage Vorsorgeaufwand ein. Kirchensteuer, Spenden, Ausbildungskosten und ähnliches kommen auf Seite 2 des Mantelbogens in die Zeilen 36 bis 57. Wer einen Riester-Vertrag bespart, nimmt zusätzlich die Anlage AV zur Hand. Schulgeld für eine Privatschule gelten ebenfalls als Sonderausgaben – einzutragen in die Anlage Kind, die ohnehin jeder ausfüllen wird, der Kinder hat, die in der Steuererklärung berücksichtigt werden können (Teil 6).

Wichtige Aufwendungen im Einzelnen

Basisversorgung: Hierunter fallen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zum berufsständischen Versorgungswerk, zur landwirtschaftlichen Alterskasse und für eine Rürup-Rente. Auch freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind steuerlich als Sonderausgaben absetzbar. Für das Steuerjahr 2018 gilt dafür ein Höchstbetrag von 23.712 Euro (47.424 für Ehepaare). Das Finanzamt erkennt dann 86 Prozent der Ausgaben an. Einzutragen sind Beiträge zur Altersvorsorge in die Zeilen 4 bis 10 der Anlage Vorsorgeaufwand.

Kranken- und Pflegeversicherung : Zu den Sonderausgaben, die Steuerzahler in voller Höhe von der Steuer absetzen können gehören auch die Beiträge für Pflegeversicherung und Krankenkasse – allerdings nur die, die den Bürger auf sozialhilfegleichem Niveau absichern. Denn das ist die sogenannte Basiskrankenversicherung – einzutragen in den Zeilen 12 bis 36 der Anlage Vorsorgeaufwand. Dazu zählt auch der von gesetzlichen Kassen erhobene Zusatzbeitrag. Krankengeld hingegen gilt nicht als abzugsfähige Sonderausgabe. Deshalb müssen Pflichtversicherte aufpassen: Ihnen kürzt das Finanzamt den Krankenversicherungsbeitrag pauschal um 4 Prozent. Auch Privatversicherte können nur den Basisschutz ohne Krankengeldanspruch vollständig absetzen. Den nicht berücksichtigten Betrag jedoch, ebenso wie Beiträge für Wahlleistungen oder eine Auslandskrankenversicherung, können Steuerzahler möglicherweise als „sonstige Vorsorgeaufwendungen“ geltend machen. Das gilt aber nur, wenn der jährliche Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen von 1900 Euro für Arbeitnehmer und Beamte oder 2800 Euro für Selbstständige noch nicht ausgeschöpft ist. Sind die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge höher, dann können keine anderen Versicherungsbeiträge mehr angerechnet werden.

Sonstige Versicherungen: Zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen zählen neben den Aufwendungen oberhalb der Basiskranken- und -pflegeversicherung auch die eigenen Beiträge zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Wegen des ausgeschöpften Höchstbetrags sind diese jedoch in vielen Fällen nicht absetzbar.

Riester-Vertrag: Die Beiträge zu einem Riester-Vertrag fließen nicht in die Berechnung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen ein. Riester-Sparer tragen ihre Aufwendungen in der Steuererklärung in der Anlage AV ein. Das Finanzamt berechnet dann automatisch, was vorteilhafter ist: Zulagen oder Sonderausgabenabzug. Besserverdiener profitieren mehr von einem Abzug als Sonderausgaben, wodurch die Steuerlast sinkt. Im Steuerbescheid zieht das Finanzamt dann die Zulagen ab, damit es keine Doppelförderung gibt.

Spenden: Wer spendet, kann das Finanzamt bis zur Höhe von 20 Prozent seines Gesamtbetrags der Einkünfte beteiligen (Mantelbogen, Zeilen 46 bis 57). Übersteigen die Zahlungen die 20 Prozent, kann der Restbetrag auch im darauffolgenden Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Alle Spenden und Mitgliedsbeiträge für steuerbegünstigte Zwecke muss man durch Spendenquittung nachweisen können. Die stellt der Spendenempfänger aus – oder er übermittelt sie direkt elektronisch ans Finanzamt. Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu 200 Euro je Zahlung ist ein vereinfachter Nachweis erlaubt: Dann reicht als Nachweis der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung – zum Beispiel ein Kontoauszug.

Kinderbetreuung: Kosten für die Kinderbetreuung sind in der Anlage Kind in den Zeilen 67 bis 73 einzutragen. Zwei Drittel der Aufwendungen (höchstens 6000 Euro) für die Kinderbetreuung – also bis maximal 4000 Euro je Kind und Kalenderjahr – können Eltern als Sonderausgaben absetzen. Dafür muss das Kind im Haushalt des Steuerzahlers leben und darf sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Eine Ausnahme gilt für Kinder mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung. Als Kinderbetreuungskosten gelten sowohl Beiträge für den Kindergarten, als auch Kita, Hort, Kinderheim oder Tagespflege. Ebenso Kosten für Pfleger, Erzieher, Au-pairs oder Haushaltshilfen, die sich um Kinder kümmern sowie für Verwandte, die sich einbringen (siehe Steuertipp in der linken Spalte). Wichtig: Um Kinderbetreuungskosten abzusetzen, muss der Steuerzahler für seine Ausgaben eine Rechnung bekommen und den Betrag auf das Konto des Betreuers überweisen. Barzahlungen und Barschecks erkennt der Fiskus nicht an. Rechnungen und Zahlungsnachweise müssen zwar nur auf Verlangen des Finanzamts vorgelegt werden. Für diesen Fall sollten man die Belege aber aufbewahren.

Schulgeld: Zu den öffentlichen Schulen gibt es Alternativen wie Internat, christliche Schule oder auch Waldorfschule. Wer sein Kind auf solch eine Privatschule oder Schule in freier Trägerschaft schickt und dafür zahlt, kann 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro jährlich an Schulgeld von der Steuer absetzen. Absetzbares Schulgeld ist daher bei 16.667 Euro im Jahr gedeckelt. Eltern nehmen dafür die Anlage Kind zur Hand, und füllen die Zeilen 61 bis 63 aus.