Photovoltaik

Solaranlagen sind in Ostdeutschland gefragter als im Westen

Eine Studie zeigt, dass Photovoltaikanlagen in Ostdeutschland oft nachgefragt werden. Das könnte mit den Sonnenstunden zusammenhängen.

Ein Hausdach ist mit Solarzellen ausgerüstet.

Ein Hausdach ist mit Solarzellen ausgerüstet.

Foto: McPHOTO/M. Gann / imago/blickwinkel

Berlin. 2018 war das Jahr mit den meisten Sonnenstunden seit Aufzeichnung der Wetterdaten – das hat nicht nur Sonnenbadende gefreut, sondern auch die Anbieter von Photovoltaikanlagen. Das Vermittlungsportal Aroundhome hat erstmalig einen Solar-Index errechnet. Die Auswertung liegt unserer Redaktion vor.

Demnach war dort die Nachfrage nach Solaranlagen am höchsten, wo am häufigsten die Sonne schien: Brandenburg, das 2018 nach einer Auswertung des Statistikportals Stastita mit 830 Stunden das Land mit den meisten Sonnenstunden war, führt das Ranking mit einem Index-Wert von 1,54 an, gefolgt von Berlin mit einem Wert von 1,45.

Sonnenstunden beeinflussen die Nachfrage

Der Durchschnittswert liegt bei 1,0. Je höher der Indexwert ist, desto mehr Hauseigentümer interessierten sich für Solaranlagen. Exakt den Durchschnittswert von 1,0 erreichte Nordrhein-Westfalen.

„Wir sehen, dass es einen direkten Bezug zwischen Nachfrage und Sonnenstunden gibt“, sagte Mathias Klement, einer von drei Geschäftsführern von Aroundhome. „Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland viele Sonnenstunden, die Nachfrage ist gestiegen. Unsere Auswertung zeigt, dass vor allem in Brandenburg und Berlin, wo die Sonne besonders häufig schien, die Nachfrage am größten war“, so Klement.

Geringe Nachfrage in Bremen und Hamburg

Auch der Umkehrschluss funktioniert: Die niedrigsten Solar-Index-Wert haben Bremen (0,41) und Hamburg (0,56). Dort gab auch die wenigsten Sonnenstunden.

Eine Ausnahme bildet das Saarland. Dort lag der Wert an Sonnenstunden laut Statista bei 810 Stunden – der vierthöchste Wert in ganz Deutschland. Die Nachfrage nach Solarstrom ist dagegen extrem gering, der Index-Wert liegt nur bei 0,62.

Mehr Anfragen aus Ostdeutschland

Insgesamt erreichten Aroundhome 20 Prozent mehr Anfragen nach Solaranlagen aus Ostdeutschland als aus Westdeutschland. Mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt lag in allen ostdeutschen Bundesländern die Nachfrage über dem Durchschnittswert von 1,0.

In diesen Bundesländern war die Nachfrage überdurchschnittlich:

• Brandenburg (Solar-Index-Wert von 1,54)
• Berlin (1,45)
• Baden-Württemberg (1,35)
• Sachsen (1,19)
• Thüringen (1,03)
• Bayern (1,01)

In diesen Bundesländern war die Nachfrage unterdurchschnittlich:

• Rheinland-Pfalz (0,97)
• Mecklenburg-Vorpommern (0,96)
• Sachsen-Anhalt (0,94)
• Hessen (0,91)
• Niedersachsen (0,66)
• Schleswig-Holstein (0,65)
• Saarland (0,62)
• Hamburg (0,56)
• Bremen (0,41)

Trend geht zur Miete

Laut Klement zeige sich ein neuer Trend: Photovoltaikanlagen würden häufiger gemietet. „Im Gegensatz zum Kauf von Solaranlagen bietet die Miete den Vorteil, dass nicht sofort der Gesamtpreis gezahlt werden muss, sondern in ihr außerdem ein Service-Paket enthalten ist. Man muss sich also um mögliche Reparaturen oder Wartungen nicht kümmern“, erklärt Klement. Somit sei vom Prinzip her eine Solaranlagen-Miete ähnlich einer Stromrechnung.

Klement ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Solaranlagen weiter steigen wird. Dafür sieht er drei maßgebliche Faktoren: die derzeitigen Strompreise, die auf ein Rekordniveau gelangt sind, die vergleichsweise geringen Anschaffungskosten für Photovoltaikanlagen und ein gesteigertes ökologisches Bewusstsein.

Hintergrund: Wie Andres Scheuer die deutschen Klimaziele erreichen will

„Zum einen sind die Strompreise so hoch wie nie. Dagegen sind die Anschaffungskosten für eine Solarstromanlage seit 2006 um 75 Prozent gefallen“, sagte Klement.

(von Tobias Kisling)