Medienmacher

Die schwierige Suche der „FAZ“ nach einem neuen Herausgeber

Das Herausgeber-Gremium der „FAZ“ sucht Ersatz für Holger Steltzner. Beste Chancen hat der Digital-Chef. Doch da gibt es ein Manko.

Das Herausgeber-Gremium der „FAZ“ sucht Ersatz für Holger Steltzner.

Das Herausgeber-Gremium der „FAZ“ sucht Ersatz für Holger Steltzner.

Foto: imago stock / imago/Ralph Peters

Hamburg. Mittlerweile sind fast zwei Wochen vergangen, seit die Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sich von ihrem für Wirtschaft und Sport zuständigen Kollegen Holger Steltzner trennten. Die überregionale Zeitung aus Frankfurt hat keinen Chefredakteur. Ein Gremium von – zuletzt vier – Herausgebern bestimmt die publizistischen Leitlinien des Blattes. Einer davon war Holger Steltzner.

Dass die Herausgeber einen der ihren vor die Tür setzen, geschieht selten. In der knapp 70-jährigen Geschichte der Zeitung gab es nur drei vergleichbare Fälle. Nichts spricht dafür, dass es die Aktion lange im Voraus geplant wurde.


Absetzung von Holger Steltzner – was ist da passiert?

Steltzner galt zwar – insbesondere im Umgang mit Mitarbeitern – schon immer als äußerst schwierig. Aber da die anderen Herausgeber ihn fallen ließen, ohne einen Nachfolger präsentieren zu können, muss es einen konkreten Vorfall gegeben haben, der das Gremium zu sofortigem Handeln zwang.

Es spricht für die Verschwiegenheit des Hauses, dass bisher nicht mal ansatzweise nach außen drang, worum es sich dabei gehandelt haben kann.

Carsten Knop könnte erster „FAZ“-Herausgeber mit digitaler Expertise werden

Derweil lässt die Berufung eines neuen Herausgebers für Wirtschaft und Sport auf sich warten. Dabei gibt es einen Favoriten: den langjährigen Wirtschaftsredakteur Carsten Knop, der seit Anfang 2018 Chefredakteur der digitalen Produkte der „FAZ“ ist.

Der Betriebswirt, der erst vergangenen Monat 50 Jahre alt wurde, würde das überalterte Herausgeber-Gremium verjüngen. Als BVB-Fan hat der in Dortmund geborene Knop eine starke Affinität zum Sport. Und er wäre zudem der erste „FAZ“-Herausgeber mit digitaler Expertise. Bereits zwischen 2001 und 2003 beobachtete er für das Blatt von San Francisco aus, wie damals angehende Internet-Riesen wie Google im Silicon Valley zu ihrem Höhenflug ansetzten.

Zudem ist Knop als Digital-Chefredakteur ausgesprochen erfolgreich: Dass die „FAZ“ zwischen Februar 2018 und Februar 2019 ihre Vertriebserlöse gegen den Branchentrend um zwei Prozent steigern konnte, wird in Unternehmenskreisen auch auf das neue, von Knop erst Anfang Oktober gestartete digitale Bezahlangebot F+ zurückgeführt.

Heike Göbel könnte die erste Frau im Herausgeber-Gremium werden

Seine Schärfste Konkurrentin dürfte die Wirtschaftspolitik-Chefin der „FAZ“, Heike Göbel, sein. Allerdings wird sie im August bereits 60 Jahre alt. Sie wäre in der Geschichte des Blattes die erste Frau im Herausgeber-Gremium. Bei der „FAZ“ hält man aber nicht viel von einer Frauenquote.

Göbel selbst findet, die Quote sei „ein unnötiger Störfaktor“. Für eine Affinität zum Sport ist sie ebenso wenig bekannt wie für vertiefte Kenntnisse der digitalen Welt.

Außenseiterchancen werden zudem dem 59 Jahre alten Finanzmarkt-Chef der „FAZ“, Gerald Braunberger, eingeräumt.

Ernennt die „FAZ“ jemanden, den noch keiner auf dem Zettel hat?

Mit einem Manko haben alle drei Kandidaten zu kämpfen: Wer einmal öffentlich als künftiger „FAZ“-Herausgeber gehandelt wurde, gilt für diese Position als verbrannt.

So war es auch, als das Gremium einen Nachfolger für den 2014 gestorbenen Frank Schirrmacher suchte. Neuer Herausgeber wurde dann Jürgen Kaube. Den stellvertretenden Feuilleton-Chef der „FAZ“ hatte zuvor keiner auf der Rechnung gehabt.

********************

Bertelsmann-Chef besucht vor Schließung bedrohte Druckerei

Am 12. April wird Bertelsmann-Chef Thomas Rabe den Tiefdruckstandort Ahrensburg besuchen. Er wird sich dort unbequemen Fragen der Beschäftigten stellen müssen, denn die Druckerei ist von Schließung bedroht.

Die Bertelsmann-Tochter Prinovis will entweder das Werk in Nürnberg oder eben das in Ahrensburg Ende 2020 dichtmachen. Grund ist die Krise im Tiefdruckmarkt. Im zweiten Quartal will Bertelsmann bekanntgeben, welche Druckerei es treffen wird.

Bis zu Rabes Besuch in Ahrensburg wird mit Sicherheit nichts nach außen dringen. Nicht auszuschließen ist, dass eine Entscheidung erst im Juni bekanntgegeben wird. Denn die Gespräche mit den Kunden, deren Produkte künftig an einem anderen Standort gedruckt werden, sollen sich ziehen.

Weitere Kolumnen aus der Rubrik „Medienmacher“

Die „Tagesschau“ fällt nachts aus – und der Chef hat Ärger

Wenn in einer Story mehrere Figuren zu einer verschmelzen

So könnte der Plan B der Mediengruppe DuMont aussehen