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Warum immer mehr Manager zur Schönheits-OP greifen

Das Verlangen, jünger und frischer auszusehen, hat die Manager-Riege erreicht. Was die Herren machen lassen und was dahinter steckt.

Schönheitschirurg Darius Alamouti behandelt nach eigener Aussage auch Manager von Dax-Konzernen.

Schönheitschirurg Darius Alamouti behandelt nach eigener Aussage auch Manager von Dax-Konzernen.

Foto: Silke Pieper

Herne. Schönheitsoperationen waren einmal Stars und Sternchen vorbehalten. Inzwischen hat der Trend zur Körper-Optimierung eine andere Gruppe erfasst: Manager. Darius Alamouti, Schönheitschirurg aus Herne in Nordrhein-Westfalen, erläutert die Gründe.

Herr Alamouti, wenn ich Manager wäre und käme zu Ihnen, welche Optimierung würden Sie mir vorschlagen?

Darius Alamouti: Da Sie volles Haar haben, fällt das schon mal weg. Ich würde wahrscheinlich die Augenringe wegmachen, damit Sie nicht so müde aussehen, weil Sie zu viel arbeiten. Ich würde auch Ihre Haut mit ein bisschen Botox und Filler aufpolstern.

Mit welchen Wünschen kommen Wirtschaftsvertreter zu Ihnen?

Alamouti: Alle Patienten bevorzugen Methoden, die wenig oder gar keine Downtime haben, die nicht blutig sind, aber die einen innerhalb von ein paar Wochen und Monaten hervorragend aussehen lassen. Was lassen Manager machen? Klarer Trend ist, dynamisch, aktiv, sportlich aussehen zu wollen. Viele Männer fühlen sich auch mit 55 noch wie mit Ende 40, aber sie sehen eben nicht mehr aus wie 38.

Hinzu kommt, dass gerade bei vielarbeitenden Managern jede zweite Ehe auseinandergeht. Mann ist also auf der Suche nach dem magischen Trick, der ihn für die neue Partnerin attraktiv macht. Nur sollte natürlich tunlichst niemand sehen, dass Mann beim Schönheits-Doc war.

Wann hat dieser Optimierungswahn bei Managern angefangen?

Alamouti: Vor etwa zehn Jahren. Damals kamen Geräte auf den Markt, die das Skalpell bei Schönheitsbehandlungen überflüssig gemacht haben. Man kann mit drei, vier Maßnahmen am Gesicht arbeiten und alles, was man kurz danach sieht, sind Rötungen. Ansonsten merkt kein Mensch etwas.

Das Angebot hat die Nachfrage ausgelöst?

Alamouti: Kann man so oder so sehen. Auch die Manager haben schnell mitbekommen, was Influencer auf Instagram alles ausprobieren, oder die alte Frau oder auch die Neue und wollen es jetzt auch selbst ausprobieren. Wie auch schon die Politiker ...

Warum legen Manager so viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild, wenn sie doch nach der Leistung beurteilt werden sollten?

Alamouti: Zum Schluss zählt zwar die Leistung mehr. Aber Sympathien entwickeln sich in den ersten Sekunden, wenn jemand in einen Raum kommt. Und die Person wird in diesen ersten Sekunden beurteilt, ob sympathisch oder nicht. Darüber gibt es zahlreiche Studien. Das nutzen Manager natürlich für ihre Geschäfte aus. Schauen Sie sich US-Präsident Donald Trump an. Der sieht vielleicht selbst nicht schick aus, aber seine Leute. Der Schwiegersohn von Trump sieht aus wie ein Model.

Was würden Sie Trump selbst empfehlen?

Alamouti: Der müsste eigentlich alles machen lassen, vor allem seine komische Frisur. Aber als Präsident sitzt er ja schon ganz oben – trotz seines Aussehens.

Vor einigen Jahren gehörte es bei Dax-Managern zum guten Ton, Marathon zu laufen. Warum reicht die sichtbare Fitness nicht mehr?

Alamouti: Eigentlich reicht ein trainierter Körper immer noch vollkommen, das Problem ist nur: Wenn man den Waschbrettbauch hat, hat man kein Fett mehr im Gesicht und wirkt schnell eingefallen. Dann fühlen sich die Männer nicht mehr attraktiv. Und so entsteht bei Verhandlungen vielleicht eine gewisse Unsicherheit.

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Hat der Drang zur Optimierung auch mit den Smartphones zu tun, mit denen sekündlich neue Fotos entstehen?

Alamouti: Auch. Man fotografiert sich ständig selbst oder wird ständig fotografiert. Muss sich also ständig mit seinem Aussehen auseinandersetzen. Ein wichtiger Punkt für mich ist aber auch, dass in Studien nachgewiesen wurde, dass gut aussehende Menschen schneller Karriere machen. Deshalb fängt der Optimierungsdrang schon bei unter 30-Jährigen an.

Man kann sich davon nicht frei machen, Menschen reagieren einfach auf visuelle Reize. Wenn zehn Menschen in einem Warteraum sitzen, sticht die hübscheste Person heraus – egal ob Frau, Kind oder einfach nur jemand, der gut gekleidet ist. Das ist ein Urtrieb und die das wissen, nutzen es.

Wenn Sie Patienten haben, die sagen, ich möchte zehn Jahre jünger aussehen: Wie verträgt sich das mit der These, dass Alter auch Erfahrung signalisiert?

Alamouti: Die stehen trotzdem nicht dazu.

Welche Art von Managern kommen zu Ihnen?

Alamouti: Von 35 bis 75, aus allen Branchen, aus Dax-Konzernen, aus aller Welt. Es ist unglaublich. Es ist alles dabei. Menschen, die total normal aussehen. Man würde sich wundern, wenn man wüsste, wer alles hat nachhelfen lassen.

Wie wichtig ist es für Manager, dass man nichts sieht?

Alamouti: Sehr wichtig. Schönheit wird ja gerne mit Dummheit verbunden. Das heißt: Jemand, der was machen lässt, spricht nicht darüber. Manche verraten es sogar ihren Partnern nicht. Es muss so unauffällig sein, dass niemand was merkt.

Und wenn es doch rauskommt?

Alamouti: Dann ist man als Manager unten durch.