Verkehrssicherheit

Sommerreifen: Warum sich der Wechsel lohnt – und wann nicht

Frühlingszeit ist Reifenwechselzeit: Sommerreifen sind zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, haben aber viele Vorteile. Die Übersicht.

Darum ist ein Reifenwechsel so wichtig

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Berlin. Wer im Sommer noch mit Winterreifen unterwegs ist, riskiert weder Bußgeld noch einen Punkt in Flensburg. Doch der Wechsel zu Sommerreifen hat viele Vorteile – und macht das Fahren auf jeden Fall sicherer. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Reifenwechsel.

Gibt es eine Sommerreifen-Pflicht?

Nein, die Straßenverkehrsordnung (StVo) kennt nur eine „situative Winterreifenpflicht“. Der Wechsel auf Sommerreifen hat vor allem praktische Gründe, da die speziellen Eigenschaften von Winterreifen bei hohen Temperaturen zum Nachteil werden (siehe unten).

Wann ist der geeignete Zeitpunkt zum Reifenwechsel?

Die Faustregel für den Gebrauch von Winterreifen lautet „Von O bis O“ – also von Oktober bis Ostern, denn die Winterreifenpflicht gilt bei Straßenverhältnissen wie Glatteis, Schneematsch oder Reifglätte. Ostern fällt in diesem Jahr auf Sonntag, den 21. April – so spät wie selten.

Kann ich mit Winterreifen auch im Sommer fahren?

Das ist zwar möglich, aber keine gute Idee . Winterreifen sind für den Sommer „denkbar ungeeignet“, sagt Dekra-Reifenexperte Christian Koch. Die weichere Gummimischung des Winterreifens hat bei hohen Temperaturen deutliche Nachteile beim Bremsen und bei der Kurvenstabilität. Außerdem verschleißen Winterreifen im Sommer viel schneller und erhöhen aufgrund ihres Rollwiderstands auch den Spritverbrauch.

Wann brauche ich neue Sommerreifen?

Der ADAC empfiehlt, spätestens nach acht Jahren neue Reifen anzuschaffen; der Gesetzgeber schreibt den Reifentausch vor, wenn das Profil des Reifens weniger als 1,6 Millimeter beträgt. Der ADAC empfiehlt aber eine Mindestprofiltiefe von 3 Millimetern (einfach zu ermitteln mit einem Profiltiefenmesser).

Welche Reifen sind die richtigen?

In der Zulassungsbescheinigung (Teil II, Punkt 15) des Autos steht, welche Reifen für das Fahrzeug überhaupt zugelassen sind. Die Aufschrift 195/ 65R15 91H bedeutet zum Beispiel Folgendes:

• Die Zahl am Anfang bezeichnet die Reifenbreite in Millimetern, in diesem Fall also 195 Millimeter

• /65 bezeichnet das Verhältnis von Höhe zu Breite des Reifenquerschnitts in Prozent; /50 bedeutet also, der Reifen ist halb so hoch wie breit.

• R bezeichnet die Reifenbauart: R steht für radial, die heute übliche Reifenbauweise.

• 15 bezeichnet den Felgendurchmesser in Zoll.

• 91 ist die Kennzahl für die Belastbarkeit des Autoreifens; 91 steht für 615 Kilogramm.

• An letzter Stelle steht das Geschwindigkeitssymbol, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens angibt; H bedeutet eine Höchstgeschwindigkeit von 210 Stundenkilometern

Worauf ist beim Kauf von Sommerreifen zu achten?

Der ADAC rät, beim Kauf von Reifen nach Möglichkeit bei einem Modell zu blieben. Unterschiedliche Modelle könnten verschiedene Fahreigenschaften haben. Wer den Kauf von Breitreifen erwägt, sollte laut ADAC bedenken, dass es mit diesen Reifen schneller zu Aquaplaning kommt und der Spritverbrauch steigen kann. Die Preise für Sommerreifen sind laut ADAC relativ stabil, einen besonders günstigen Zeitpunkt zum Kauf gebe es daher nicht.

Welche Reifen empfiehlt der ADAC?

Der ADAC hat jüngst 16 Sommerreifen für Kleinwagen getestet und dabei 14 Mal die Note „befriedigend“ und zwei Mal die Note „gut“ vergeben – grobe Ausrutscher gab es also nicht. Auf Platz 1 landete bei dem Test Hersteller Bridgestone, auf Platz 2 Vredestein. Hier finden Sie alle Details zu den getesteten Sommerreifen.

Alternative Ganzjahresreifen?

Ganzjahresreifen sind laut ADAC seit Jahren stark auf dem Vormarsch, weil sie Reifenwechsel und Einlagerung überflüssig machen und darum Kosten sparen. Der ADAC empfiehlt die Anschaffung aber nur denjenigen, die weder Ski-Urlaub machen noch Sommerferien im Süden planen.

Worauf ist bei Montage und Lagerung der Sommerreifen zu achten?

Wer noch nie Reifen gewechselt hat, dem empfiehlt der ADAC den Besuch einer Fachwerkstatt. Wer den Reifenwechsel selbst vornehmen will, findet hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Grundsätzlich rät der ADAC, bei einem defekten oder abgefahrenen Reifen, achsweise gleich beide Reifen zu ersetzen. Unterschiedlich abgefahrene Profile können sich nämlich negativ auf Fahrstabilität und Bremsverhalten auswirken.

Die besseren Reifen gehören dabei stets an die Hinterachse, um das Auto zu stabilisieren, so der ADAC. Alle 8.000 bis 10.000 Kilometer sollten die Räder ohnehin achsweise getauscht werden, also das vordere rechte Rad nach hinten rechts, das vordere linke Rad nach hinten links.

Für die Lagerung von Reifen (egal, ob Sommer- oder Winterreifen) empfiehlt der ADAC eine kühle, dunkle und trockene Umgebung. Die Position der Reifen am Auto sollte vor der Lagerung markiert werden, der Reifendruck sollte vorher um 0,5 Bar erhöht werden. Wer zu Hause keinen passenden Raum hat, kann Reifen gegen eine Gebühr auch bei Autowerkstätten einlagern lassen. (küp mit dpa)

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