Mobilfunk

Auktion findet statt – Was bringt 5G dem deutschen Netz?

Mehrere Provider wollten die Vergabe der 5G-Frequenzen vor Gericht vorerst stoppen – erfolglos. Was bringt der neue Mobilfunkstandard?

Besucher des Mobile World Congress gehen im September 2018 an einer Leuchttafel mit Werbung für den Mobilfunk-Standard 5G vorbei.

Besucher des Mobile World Congress gehen im September 2018 an einer Leuchttafel mit Werbung für den Mobilfunk-Standard 5G vorbei.

Foto: Clara Margais / dpa

Berlin. Dem pünktlichen Start der 5G-Frequenzauktion in Deutschland steht nichts mehr im Weg. Im Streit um den Mobilfunkausbau mit dem schnellen Übertragungsstandard der fünften Generation (5G) haben die Netzbetreiber eine Niederlage vor Gericht einstecken müssen.

Das Kölner Verwaltungsgericht lehnte am Freitag Eilanträge von Telefónica, Vodafone und der Deutschen Telekom ab. Die Firmen wollten mit ihrer Klage noch vor dem Start der Auktion eine Änderung der Rahmenbedingungen erzwingen. Die gerichtliche Ablehnung ist jedoch unanfechtbar. Die Auktion der Bundesnetzagentur kann nun am Dienstag um 10 Uhr beginnen.

Bieter auf 5G-Frequenzen müssen bis 2022 fast alle Haushalte versorgen

„Wir freuen uns über die Entscheidung“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Ein Telefónica-Sprecher bedauerte dagegen die Entscheidung, die man „zur Kenntnis genommen“ habe. Die Richter bezeichneten die Ausbauregeln als rechtmäßig. Die Regulierungsbehörde habe ihren Ausgestaltungsspielraum für die Frequenzvergabe nicht überschritten. Laut Ausschreibung sind die Bieter zur Versorgung bewohnter Gebiete und wichtiger Verkehrswege mit der hochleistungsfähigen 5G-Mobilfunktechnik verpflichtet.

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Konkret wird von den Anbietern gefordert, in drei Jahren 98 Prozent der Haushalte zu erreichen, dazu alle Autobahnen und ICE-Strecken. Nach Expertenschätzung wären das zwischen sieben und acht Zehntel der Fläche. Die Konzerne sollen zudem zum Nutzen der Kunden zusammenarbeiten und ihre Antennen auch der Konkurrenz zur Verfügung stellen.

Funklöcher blieben trotz Forderungen der Netzagentur

Mit diesen Regeln will die Netzagentur eine erneute Enttäuschung bei den Nutzern vermeiden. Denn schon bei der Vergaberunde vor vier Jahren hatte sie eine hohe Abdeckung der Haushalte verlangt. Doch bis heute klaffen noch viele Funklöcher. Deshalb gibt es eine direkte Anweisung, mehr Antennen in die verbliebenen weißen Flecken zu stellen.

Der neue Standard 5G ist vor allem für die Industrie wichtig. Die neue Mobilfunkgeneration bietet hohe Übertragungsgeschwindigkeiten. Außerdem erfolgt der Verbindungsaufbau in wenigen Tausendstelsekunden, der Datentransfer erfolgt also nahezu in Echtzeit.

Dies ist wichtig für autonomes Fahren oder die Telemedizin, bei denen selbst minimale Verzögerungen schwere Folgen haben könnten. Aber auch Landwirte versprechen sich dadurch neue Möglichkeiten für den Einsatz von Robotern. Die Schweizer Bahn koordiniert mit der Technik beispielsweise das Bremsen und Anfahren von Zügen, um Strom zu sparen.

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Für Privatkunden dürfte 5G nur eine Nebenrolle spielen

Für Privatkunden spielt 5G hingegen noch eine untergeordnete Rolle, da die meisten mobilen Anwendungen auch mit dem aktuell schnellsten kommerziell angewandten Standard – wie 4G oder LTE – gut laufen. Allerdings sind die bisher vorhandenen LTE-Netze lückenhaft.

Angesichts der möglicherweise hohen Auktionspreise für die Frequenzen fürchten die Mobilfunkfirmen, zu viele Wünsche auf einmal erfüllen zu müssen. Erst kassiere der Staat von ihnen viel Geld, danach seien Milliardeninvestitionen in Funkstationen notwendig.

Jeder 5G-Mast kostet geschätzt mehr als 100.000 Euro. Bislang stehen in Deutschland rund 70.000 Funkmasten, die über viele Jahre hinweg aufgebaut wurden. Zum Vergleich: Der frühere Finanzminister Hans Eichel erzielte bei der UMTS-Auktion im Jahr 2000 insgesamt 50 Milliarden Euro von den Mobilfunkfirmen.

Grüne warnen vor Preiskampf bei 5G-Auktion

Die Grünen im Bundestag warnen nun vor einer Wiederholung dieses Vorgehens. Diesmal erwarten Brancheninsider jedoch nur einen einstelligen Milliardenbetrag – und das ist auch erwünscht. Denn auch im Mobilfunk lassen sich nicht alle Kosten auf die Kunden abwälzen.

Umfragen zeigen, dass die Bürger sich zwar schnelles Internet wünschen, aber kaum bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Sie brauchen zudem neue Smartphones, um die neue Technik nutzen zu können.

Experten sehen Grenzen bei Netzabdeckung in der Fläche

Fachleute verweisen unterdessen darauf, dass die erhoffte Flächenabdeckung mit den Frequenzen, die jetzt zur Vergabe anstehen, gar nicht möglich ist. Denn in der 5G-Auktion geht es um 41 Frequenzblöcke, die in vergleichsweise hohen Bereichen liegen (2 und 3,4 bis 3,7 Gigahertz). Nach den Gesetzen der Physik haben diese hohen Frequenzen nur geringe Reichweiten von oft nur wenigen Hundert Metern. Sie eignen sich deshalb weniger, um etwa ländliche Gebiete mit Mobilfunk großflächig abzudecken. Viele Bürger wünschten sich aber besseren Datenempfang in der Fläche. Doch dafür ist die existierende Technik, also 4G, grundsätzlich besser geeignet – wenn sie lückenlos ausgebaut würde.

Der Digitalverband Bitkom fürchtet beim Aufbau der neuen Technik in den jetzt versteigerten Frequenzbändern sogar eine Welle von Bürgerprotesten, sagt der Verbandspräsident Achim Berg: „Jeder will 5G, aber niemand will einen Funkmast vor seiner Tür.“