Lohnunterschiede

Frauen in der Wirtschaft: Teilzeit als Karriere-Killer

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Deutschlandweit sind Frauen immer noch weniger häufig auf Chefposten zu finden als Männer.

Deutschlandweit sind Frauen immer noch weniger häufig auf Chefposten zu finden als Männer.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Weniger Macht, schlechter bezahlt: Frauen sind in Unternehmen noch immer schlechter gestellt.

Berlin. Die Hotelmanagerin Gisela Münchgesang musste in ihrer langen Laufbahn auch Rückschläge verkraften: In den 80er-Jahren etwa hatte sich die Berlinerin als Rezeptionsmanagerin beworben, wurde allerdings abgelehnt. Man habe ausdrücklich einen Mann gesucht, erklärte die Hotelleitung damals.

Doch Gisela Münchgesang ging ihren Weg und ist heute ganz oben angekommen. Seit 2013 leitet sie als General Managerin das Hilton Hotel am Berliner Gendarmenmarkt. Mehr als 200 Angestellte hören auf das Wort der Hotellerie-Expertin, die auch schon Luxus-Herbergen in Großbritannien und auf Mauritius führte. In ihrem Haus gebe es in Abteilungsleitungs- und Führungspositionen mehr Frauen als Männer, so die Managerin.

Deutliche Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern

Junge Mitarbeiterinnen versucht Münchgesang gezielt zu unterstützen. „Wir setzen auf Training und Gespräche um gerade jungen Frauen die vielen Zukunftsperspektiven bei Hilton, und generell in unserer Branche, aufzuzeigen“, erklärt Münchgesang. Dennoch ist der Weg zur Parität im Beruf noch weit – nicht nur in deutschen Hotels.

Frauen haben in Deutschlands Unternehmen nicht nur seltener das Sagen, sie verdienen im Durchschnitt auch weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. 2017 lag der durchschnittliche Lohnunterschied in Deutschland, der sogenannte Gender Pay Gap, bei 21 Prozent und damit höher als in den meisten anderen EU-Ländern.

Gleichzeitig hat sich die Zahl der Frauen in Führungspositionen zwar leicht erhöht. Luft nach oben besteht aber noch immer. Laut Managerinnen Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen Deutschlands im vergangenen Jahr bei neun Prozent, in den Aufsichtsräten sogar bereits bei knapp 27 Prozent.

Rollenbilder und Strukturen benachteiligen Frauen noch immer

Die Gründe für den geringe Frauenanteil in Führungspositionen sind vielfältig. Ein wesentlicher Grund sind nach Ansicht von Forschern die nach wie vor vielfach vorherrschenden Geschlechterstereotype. Durchsetzungsstärke werde beispielsweise immer noch tendenziell als eher männliche Eigenschaft gesehen, erklärt Katharina Wrohlich, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Studies des DIW Berlin. Solche Stereotype fänden sich, so die Wissenschaftlerin, nach wie vor in den Köpfen von Männern und Frauen.

In vielen Branchen gebe es zudem noch immer eine ausgeprägte Präsenzkultur unter Führungskräften und eine überproportionale Belohnung von überlangen Arbeitszeiten. „Auch Phasen, in denen in Teilzeit gearbeitet wird, sind in vielen Unternehmen immer noch ein Karriere-Killer“, sagt Wrohlich. Vor allem Frauen geraten verstärkt in die Teilzeit-Falle. Das liegt auch an vorherrschenden Gesellschaftsstrukturen und Rollenbildern. Ein unzureichendes Angebot an Kinderbetreuungsangeboten und die gesellschaftliche Erwartung, dass Mütter mehr als Väter für die Kindererziehung zuständig sind, führen oft dazu, dass Frauen in Teilzeit erwerbstätig sind – und sich so ihre Aufstiegschancen verringern.

Die seit 2016 für einige Unternehmen geltende Frauenquote hat das bislang nur bedingt geändert. Zwar haben Forscher beobachtet, dass seit Einführung der Frauenanteil in den Aufsichtsräten betroffener Unternehmen deutlich stärker angestiegen ist als in den Aufsichtsräten der nicht von der verbindlichen Quote betroffenen Firmen. Auf den Frauenanteil in den Vorständen hatte das allerdings kaum Auswirkungen. „Außerdem beobachten wir, dass Unternehmen, sobald sie den vorgeschriebenen Frauenanteil von einem Drittel erreicht haben, den Frauenanteil in Aufsichtsräten nicht weiter erhöhen“, sagt DIW-Wissenschaftlerin Katharina Wrohlich.

Bei Berlins Landesbetrieben haben zu 40 Prozent Frauen das Sagen

Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht weiteren Handlungsbedarf. Auch in Vorständen der Landesbetriebe Berlins sind Frauen noch in der Unterzahl. Von 2017 auf 2018 konnte der Anteil der weiblichen Vorstände aber um 4,2 Prozent auf 41,5 Prozent gesteigert werden. Die Aufsichtsratsmandate bei den Landesbeteiligungen sind bereits zur Hälfte durch Frauen besetzt. Berlin sei mit zahlreichen Frauen in Spitzenpositionen von der IHK-Präsidentin bis zur BVG-Chefin und einem Senat, dem zur Hälfte Frauen angehören, eine Blaupause für das moderne Deutschland, so Pop. Dennoch sei weiter viel zu tun. „Gleichberechtigung muss sowohl in Politik wie auch in der Wirtschaft immer wieder neu erkämpft werden“, sagte die Politikerin.

Quoten sind dabei nicht der einzige Weg, den Anteil von Frauen in den Chefetagen zu erhöhen. „Einen wichtigen Einfluss haben auch auch indirekte Maßnahmen, die darauf abzielen, Geschlechterstereotype aufzubrechen“, so Wrohlich. Dazu zählt die Forscherin unter anderem auch Vätermonate beim Elterngeld und auch Maßnahmen, mit denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert wird.

In der Hotel-Branche haben sich aber auch die Unternehmen selbst bewegt. Der generelle Mangel an Fachkräften zwingt viele Firmen in der Dienstleistungsbranche, sich als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Hinzu kommt der digitale Wandel, der viele Berufsbilder verändert. Im Hilton Berlin können Arbeitszeiten jetzt oft flexibler gestaltet werden als früher. „Das kommt besonders den täglichen familiären Anforderungen sehr entgegen“, sagt Hotelchefin Gisela Münchgesang.

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