Medizintechnik-Unternehmen

Biotronik baut in Berlin 210 Jobs ab

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D. Bath und J. Fahrun
Das Berliner Medizintechnik-Unternehmen Biotronik verlagert einen Teil der Produktion nach Singapur. Am Standort in Neukölln wird der Schritt in den nächsten Jahren 210 Jobs kosten.

Das Berliner Medizintechnik-Unternehmen Biotronik verlagert einen Teil der Produktion nach Singapur. Am Standort in Neukölln wird der Schritt in den nächsten Jahren 210 Jobs kosten.

Foto: BIOTRONIK SE & Co.KG

Die Medizintechnik-Firma verlagert einen Teil der Produktion nach Singapur. In Berlin gehen Hunderte Jobs verloren.

Berlin.  Das Berliner Medizintechnik-Unternehmen Biotronik baut an seinem Hauptsitz im Bezirk Neukölln zahlreiche Stellen ab. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, sollen in den kommenden drei Jahren 210 Vollzeit-Arbeitsplätze wegfallen. Auch rund 170 Leiharbeitnehmer will das Unternehmen nicht mehr beschäftigten. Grund ist die Verlagerung eines Teils der Produktion in den asiatischen Stadtstaat Singapur.

Biotronik bestätige am Dienstag auf Anfrage die Pläne. Konkrete Zahlen, wie viele Jobs in Berlin wegfallen, nannte die Firma aber nicht. Am Sitz in Neukölln seien von der Entscheidung etwa sieben Prozent der Arbeitsplätze betroffen, hieß es. Weltweit beschäftigt Biotronik fast 6000 Mitarbeiter. In Singapur hatte das Unternehmen 2016 die Produktionslinie für Herzschrittmacherelektroden aufgebaut. Bis 2021 sollen die Kapazitäten dort nun deutlich erweitert werden, auch um Präsenz und Nähe zum stark wachsenden asiatischen Markt auszubauen. „In einem globalen Markt sichern wir dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens“, sagte Biotronik-Geschäftsführer Daniel Bühler am Dienstag.

Das Berliner Traditionsunternehmen kämpft seit Jahren gegen die stärker werdende Konkurrenz im Markt für Herzschrittmacher.

Harte Konkurrenz aus Asien

Vor allem asiatische Wettbewerber machen Biotronik das Leben schwer. Weil die Herstellungskosten für die Elektroden in Asien niedriger sind, fällt der Verkaufspreis für die Komponenten. Das wirkt sich auch auf die Erträge der Berliner aus. Denn Biotronik ist es bislang noch nicht gelungen, die Fertigungskosten im Neuköllner Werk entsprechend zu senken. In Singapur kalkuliert der Konzern mit deutlich geringeren Ausgaben. Die Lohnkosten liegen dort bis zu 50 Prozent unter deutschem Niveau. Perspektivisch will das Unternehmen in Singapur auch ein eigenes Gebäude bauen und dort Bereiche wie Produktion und Vertrieb bündeln. Von der Verlagerung ist nach Morgenpost-Informationen aber auch ein Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung betroffen. In den nächsten Jahren will Biotronik dem Vernehmen nach auch neue Produkte in Singapur herstellen lassen. An dem Standort soll deswegen auch geforscht werden. Das erzürnt die IG Metall.

Die Gewerkschaft kritisiert die Entscheidung, Arbeitsplätze aus Berlin nach Singapur zu verlagern. „Wenn sich bewahrheiten sollte, dass neben Teilen der Produktion, auch Teile der Forschung und Entwicklung von Verlagerung betroffen sein sollten, dann werten wir das als Alarmzeichen“, sagte Berlins IG-Metall-Chefin Birgit Dietze der Berliner Morgenpost. Die Gewerkschaft will jetzt auf das Unternehmen zugehen und das Gespräch suchen, kündigte Dietze an.

CDU spricht von Rückschlag für Berliner Standort

Der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Christian Buchholz, bezeichnete den Hinweis des Unternehmens auf zu hohe Kosten als „ein sehr ernstes Alarmzeichen“. Der Senat müsse die Frage nach den Rahmenbedingungen für Unternehmen stellen. „Steuern und Abgaben dürfen nicht ins Unermessliche steigen und so jede unternehmerische Initiative ausbremsen“, so Buchholz weiter. Auch der CDU-Abgeordnete Christian Gräff forderte die Regierung zum Handeln auf. Die Ankündigung, Jobs nach Singapur zu verlagern, sei für Berlin ein industriepolitisch schlechtes Zeichen und ein Rückschlag, so Gräff, der auch wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Eine Sprecherin von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) äußerte sich zurückhaltend. Ein Arbeitsplatzabbau wäre bedauerlich. „Wir stehen wie in allen solchen Fällen mit unserem Instrumentarium der Wirtschaftsförderung und Bestandssicherung unterstützend zur Seite“, so die Sprecherin.