Kooperation

Berlin und London unterzeichnen Städte-Partnerschaft

Der Brexit droht die Wirtschaft zu schwächen: Die Kooperation zwischen Berlin und London soll vor allem Unternehmen helfen.

„Gerade in Zeiten von Spaltung rücken wir näher zusammen“: Londons stellvertretender Bürgermeister Rajesh Agrawal und Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Montag in Berlin.

„Gerade in Zeiten von Spaltung rücken wir näher zusammen“: Londons stellvertretender Bürgermeister Rajesh Agrawal und Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Montag in Berlin.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin.  London und Berlin wollen künftig enger zusammenarbeiten: Beide Städte haben am Montag in Berlin eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die Handel und Investitionen zwischen den beiden Metropolen fördern soll.

„London und Berlin sind zwei der weltweit führenden Zentren für Technologie, Innovation und Kreativität. Wir sehen viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit, insbesondere in schnell wachsenden Bereichen wie Fintech und Smart Cities“, sagte Londons stellvertretender Bürgermeister für Wirtschaft, Rajesh Agrawal.

Londoner Wirtschaftsförderer eröffnen erstes Büro in Deutschland

Gleichzeitig eröffnete Agrawal ein Büro der Londoner Wirtschaftsfördergesellschaft London & Partners. „Die Vereinbarung mit der Stadt Berlin und die Eröffnung unseres ersten Büros in Deutschland zeigen den Wunsch Londons, mit gleichgesinnten, nach außen gerichteten Wirtschaftszentren zu arbeiten. Brexit oder nicht Brexit, wir wollen der Welt zeigen, dass London offen ist für Geschäfte, Talente und Investitionen aus der ganzen Welt.“

Großbritannien soll Ende März aus der Europäischen Union austreten. Um das vereinbarte Ausstiegsabkommen wird derzeit im Vereinigten Königreich aber noch heftig gestritten.

„Der Brexit stellt uns alle vor schwierige Herausforderungen. Umso wichtiger ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Berlin und London“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Berlin und London stehen, so die Politikerin, vor ähnlichen Herausforderungen.

Vor allem bei den Themen Innovation und Digitalisierung seien beide Städte starke Treiber in Europa. „Wir wollen unsere gemeinsame Zukunft in Europa gestalten: Gerade in Zeiten von Spaltung rücken wir näher zusammen“, erklärte Pop.

Mit der Kooperation sollen Firmen unterstützt werden

Der Schwerpunkt der neu vereinbarten Kooperation liegt auf der Unterstützung von Unternehmen. Durch die Partnerschaft sollen die Firmen bessere Zugänge zu Wirtschaftsdelegationen, Investoren und anderen Partnern erhalten. Auch bei der Suche nach Büroflächen und nach Personal sollen Firmen sowohl in Berlin als auch in London unterstützt werden. Die deutsche Hauptstadt hatte erst im vergangenen Jahr eine ähnliche Vereinbarung mit der US-Metropole New York unterzeichnet.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll vor allem London auf die Kooperationsvereinbarung gedrängt haben. Deutsche Geldgeber zählen seit Jahren zu den größten Investoren in London. Allein in den vergangenen fünf Jahren schufen deutsche Firmen rund 4700 Arbeitsplätze in der britischen Metropole.

Zu den Berliner Technologieunternehmen mit Sitz in London zählen zum Beispiel die Internetbank N26, der Kochboxen-Versender Hellofresh und das Elektro-Ladesäulen-Start-up Ubitricity.

Britische Hauptstadt Nummer eins bei Direktinvestitionen in Berlin

Umgekehrt ist aber auch Berlin für Londoner Unternehmen, die nach Deutschland und Kontinentaleuropa expandieren wollen, ein zunehmend attraktives Ziel: Erst 2017 hatten 15 Londoner Start-ups an einer Delegationsreise nach Berlin teilgenommen. Danach gründeten mehrere Firmen Niederlassungen in der deutschen Hauptstadt, darunter das Immobilientechnologieunternehmen WiredScore und die Startup-Ratingagentur Earlymetrics.

In den vergangenen fünf Jahren war London zudem die Nummer eins bei ausländischen Direktinvestitionen in Berlin.