Jahresbilanz

Risiken der Montsanto-Übernahme: Bayer kündigt Jobabbau an

Bayers Übernahme des US-Saatgutriesen Montsanto könnte Jobs kosten. Bayer wird Stellen abbauen – wohl auch bei der Forschung in Berlin.

Bayer-Chef Werner Baumann gibt sich vor den zahlreichen Gerichtsprozessen in den USA optimistisch: „Glyphosat ist ein sicheres Produkt.“

Bayer-Chef Werner Baumann gibt sich vor den zahlreichen Gerichtsprozessen in den USA optimistisch: „Glyphosat ist ein sicheres Produkt.“

Foto: Oliver Berg / dpa

Leverkusen. 2018 noch hat Bayer die größte Firmenübernahme in der Geschichte des Konzerns gestemmt, nun folgen Jahre großer Einschnitte und eine Reihe heikler Gerichtsprozesse. Am Mittwoch, als Bayer-Chef Werner Baumann die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorstellte, wurde klar: Der Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto für 63 Milliarden Euro birgt große Risiken: Einerseits stützen starke Umsätze und Gewinne der seit Juni zum Konzern zählenden Tochter die insgesamt durchwachsene Jahresbilanz des Dax-Konzerns. Doch in den USA droht Bayer auch wegen des Monsanto-Unkrautvernichters Glyphosat eine Prozessflut.

Inzwischen forderten 11.200 Kläger Schadenersatz wegen angeblicher Krebsgefahren durch das großflächig eingesetzte Herbizid, sagte Baumann. Er gab sich kämpferisch: „Wir werden uns in allen Verfahren entschieden zur Wehr setzen. Glyphosat ist ein sicheres Produkt.“

Glyphosat-Prozess könnte teuer werden

Neue Rückstellungen in Höhe von 660 Millionen Euro für juristische Risiken deuten aber lediglich an, was da noch auf den Leverkusener Chemie- und Pharmahersteller zukommen könnte. Das Geld diene im Wesentlichen der Verteidigung in den Glyphosat-Prozessen der kommenden drei Jahre, sagte Finanzchef Wolfgang Nickl.

Im ersten Prozess vergangenen Sommer sprach ein US-Gericht dem Kläger Dewayne Johnson erstinstanzlich 78 Millionen Dollar Schadenersatz zu. Es sah als erwiesen an, dass sein Lymphdrüsenkrebs durch den Einsatz des Glyphosat-haltigen Monsanto-Mittels Roundup verursacht worden sei. Bayer ging in Berufung und wappnet sich nun für etliche weitere Prozesse.

In Deutschland droht ein Stellenabbau

Zeiten voller Ungewissheit kommen auch auf die Mitarbeiter des Konzerns zu: Bayer will weltweit 12.000 seiner rund 118.000 Arbeitsplätze bis 2021 streichen. Wie viele an welchen Standorten – dazu äußerte sich der Vorstand auch am Mittwoch nicht.

Personalchef Hartmut Klusik bestätigte lediglich, das ein großer Teil in Deutschland wegfalle. Er erwarte Ergebnisse „in den kommenden Wochen und Monaten“, sagte er. Ursprünglich war von Klarheit bis März die Rede. Der Stellenabbau soll unter anderem durch Altersteilzeitmodelle ab 57 erfolgen.

Stellenabbau in Berlin droht

Wie stark das Werk in Berlin-Wedding betroffen ist, sagte Klusik nicht. Dass es auch dort Einschnitte geben wird, daran ließ er aber keinen Zweifel. Er betonte, dass in Deutschland auch Stellen im Bereich Forschung gestrichen würden, „weil wir mehr externe Innovationen haben wollen“. Als größter Forschungsstandort in Deutschland dürfte Berlin damit auch Stellen verlieren. In Wedding arbeiten rund 2000 der insgesamt 5200 Beschäftigten im Forschungsbereich. Kaum bis gar nicht betroffen sein dürften die anderen Bereiche in Berlin, wie die Produktion von Kontrastmitteln für den Einsatz in der Radiologie.

Die Bilanz 2018 wurde von der Agrarchemiesparte Crop Science gerettet: Das Umsatzplus von 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro geht fast allein auf Monsanto zurück, dessen Erlöse seit Juni in die Bilanz einfließen. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) wäre ohne Monsanto gesunken, so stieg er auf 9,5 Milliarden Euro.

Vor allem das Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten wie Aspirin schwächelte, Umsatz und Gewinn gingen zurück. Lediglich solide entwickelte sich das Pharmageschäft mit verschreibungspflichtigen Mitteln. Die Sparte Tiergesundheit hat Bayer-Chef Baumann zum Verkauf gestellt. Der Nettogewinn des Dax-Riesen brach dramatisch ein – um 77 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das lag auch an den Kosten für die Monsanto-Übernahme, vor allem aber am verlustträchtigen Schlussquartal 2018, in dem Bayer Abschreibungen auf zu verkaufende Unternehmensteile in Höhe von 3,3 Milliarden Euro vornehmen musste.