Wirtschaft

Berliner Tiefkühlpizza-Hersteller wagt den USA-Kaltstart

Seit 2017 gehört Richelieu Foods zum Berliner Tiefkühlpizza-Hersteller Freiberger. Doch es gibt Probleme.

Die Freiberger-Geschäftsführer Thomas Schulz (l.) und Hans-Detlev Schulz im Tiefkühlpizza-Werk in Reinickendorf.

Die Freiberger-Geschäftsführer Thomas Schulz (l.) und Hans-Detlev Schulz im Tiefkühlpizza-Werk in Reinickendorf.

Foto: David Heerde

Berlin.  Mitte Januar musste Freiberger die Pizza-Produktion in zwei Fabriken in der Nähe von Chicago für zwei Tage aussetzen. Bei minus 40 Grad Außentemperatur war es für viele Mitarbeiter nicht möglich zur Arbeit zu kommen. „Die Leute haben uns gefragt, ob wir unsere Kältekammern jetzt beheizen“, scherzt Freiberger-Geschäftsführer Hans-Detlev Schulz. Denn in den riesigen Eisfächern, in denen die fertigen Pizzen auf die Auslieferung warten, waren tatsächlich nur minus 18 Grad.

Durch den Produktionsausfall erwarte der Berliner Tiefkühlpizza-Hersteller in den USA keinen nennenswerten Umsatzverlust, so Schulz. Ohnehin hatten sich viele Kunden bereits vor dem Superbowl-Wochenende ausreichend bevorratet. Das Finale der amerikanischen Football-Liga bescherte Freiberger in den USA den bislang umsatzstärksten Monat. Der Pizza-Verkauf schnellte nach Angaben der Firma um 25 Prozent nach oben.

In den fünf US-Werken läuft es noch nicht reibungslos

Freiberger hatte Ende 2017 den US-Wettbewerber Richelieu Foods gekauft. Die Neu-Erwerbung hatte sich die Firma, die zum Südzucker-Konzern gehört, rund 350 Millionen Euro kosten lassen. Dafür gehören dem Unternehmen jetzt fünf Werke im Osten des Landes. Nahezu alle großen Handelsketten in den USA zählen zu den Kunden. Die Ziele der Freiberger-Geschäftsführung mit der neuen US-Tochter sind groß. Zwar hatten die Berliner zuvor schon von Europa aus auch den US-Markt bedient. Die Stückzahl der Teiglinge, die den Weg auf den anderen Kontinent fand, war aber überschaubar.

Gemeinsam mit Richelieu werde Freiberger in den USA jetzt wachsen, sagt Vertriebs-Chef Thomas Schulz. Jedes Jahr geben die Amerikaner rund 4,5 Milliarden Dollar für Tiefkühlpizzen aus, greifen dabei aber bislang vor allem auf Marken wie Dr. Oetker, Schwan’s und Wagner zurück. Freiberger hingegen ist Hersteller sogenannter Handelseigenmarken. Viele Supermarktketten haben die Produkte im Sortiment, um Kunden günstige Alternativen zu der teureren Markenware zu bieten. Freiberger sieht auch deswegen viel Potenzial auf dem amerikanischen Markt. „Wir haben in Europa einen Anteil von 20 Prozent, in den USA sollten wir in der Lage sein, mehr zu erreichen“, sagt Geschäftsführer Hans-Detlev Schulz.

Probleme macht das Personal

Doch Freiberger muss auf dem amerikanischen Kontinent zunächst noch Hausaufgaben erledigen. Denn der Start der Berliner in den USA verlief nicht so reibungslos wie erhofft. „Wir hatten gedacht, dass wir deutlich schneller produzieren könnten“, so Hans-Detlev Schulz. Probleme macht vor allem das Personal. Im Osten der USA herrsche nahezu Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote liegt bei unter zwei Prozent. Zudem wechselten Mitarbeiter viel öfter den Job, als es Freiberger von anderen Werken in Deutschland oder England gewohnt sei, erklärt Schulz. Die Geschäftsführung macht die starke Fluktuation auch an der bislang fehlenden Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen fest. Freiberger habe anders als der Vorbesitzer der amerikanischen Werke aber eine eigene Geschichte zu erzählen, auf die auch die Beschäftigten in Nordamerika stolz sein könnten, so die Geschäftsführer.

Richelieu Foods gehörte zuvor dem Finanzinvestor Centerview Partners, der eher kurzfristig dachte. Investiert wurde in die Werke nur wenig, die Produktionsmaschinen sind deswegen häufig einfach gehalten. Hinzu kommen Bedienfehler durch das Personal, weil nicht immer ausreichend Zeit für Schulungen gewesen ist. Freiberger musste deswegen zuletzt vereinzelt Produktionsausfälle hinnehmen. An der Stabilität innerhalb der Pizza-Bäckereien will Freiberger arbeiten. Per­spektivisch sei auch ein Investitionsprogramm geplant, um die US-Werke auf den neuesten technischen Stand zu bringen, so Freiberger-Chef Schulz.

Freiberger zählt weltweit zu den größten Gruppen

Freiberger stellt nach eigenen Angaben jedes Jahr rund 700 Millionen Tiefkühl- und gekühlte Pizzen her. Weltweit zählt die Gruppe zu den größten Anbietern, setzte 2018 nahezu eine Milliarde Euro um. 3200 Mitarbeiter sind für Freiberger tätig, am Hauptsitz in Berlin arbeiten gut 600 Beschäftigte. Unternehmensgründer Ernst Freiberger hatte Mitte der 80er-Jahre den Grundstein für das Gebäude gelegt, das heute zu den kleineren Produktions-standorten von Freiberger zählt.

In der Hauptstadt stellt das Unternehmen Pizzen und auch fertige Pasta-gerichte her. Der Fokus, etwa was Kapazitätserweiterungen betrifft, liegt allerdings auf anderen Werken. Berlin sei als Produktionsstandort vergleichsweise teuer, das Angebot an Flächen begrenzt, sagt Hans-Detlev Schulz. In Burg (Sachsen-Anhalt) denkt Schulz aber laut über Investitionen nach. Bereits im vergangen Jahr sei in der
Fabrik nahe Magdeburg ein neuer Ofen aufgestellt worden.

Sorgen bereitet Freiberger der bevorstehende Brexit. In einem Werk bei Manchester stellt das Unternehmen gekühlte Pizzen her. Für die Produktion muss Freiberger zahlreiche Rohstoffe auf die Insel bringen: Tomaten kommen zum Beispiel aus Portugal, Salami aus Dänemark. Zudem exportiert Freiberger Tiefkühlpizzen aus seinem Werk in Süddeutschland nach Großbritannien. „Wir haben die Läger in England bevorratet, könnten acht Wochen ohne Lieferung aus Kontinentaleuropa auskommen“, sagt Thomas Schulz. Bei einem harten Brexit rechnet Freiberger mit Lieferverzögerungen, ausgelöst durch Kontrollen an den Grenzen und Formalitäten beim Zoll.

14 Millionen Euro in England investiert

Am Produktionsstandort bei Manchester hatte das Unternehmen zuletzt zudem für zahlreiche Mitarbeiter Arbeitsgenehmigungen beantragen müssen. Etwa 270 der 950 Beschäftigten haben keinen britischen Pass, auch, weil Freiberger in den vergangenen Jahren dort verstärkt Arbeitnehmer aus Osteuropa angestellt hatte. Welche Bedeutung der britische Markt für das Unternehmen hat, hatte auch das vergangene Jahr gezeigt: Freiberger ließ das Werk umbauen, einige Gebäudeteile auch neu errichten und stattete den Standort mit neuen Anlagen aus. Kostenpunkt: rund 14 Millionen Euro.

Historie:

Unternehmensgründer Ernst Freiberger übernahm 1976 eine vor dem Bankrott stehende Pizzaversandbäckerei von Giovanni di Stefano. Der Italiener hatte einst die erste Manufaktur für Tiefkühlpizza in Deutschland gegründet. 20 Mitarbeiter rieben in dem Betrieb Käse, schnitten Wurstscheiben und formten Pizzaböden. 1985 wurde der Grundstein für das Pizzawerk in Reinickendorf gelegt, wo auch heute noch der Sitz der Firma ist.

Freiberger gehört zum Südzucker-Konzern und ist einer der weltweit größten Produzenten für tiefgekühlte Pizzen, Baguettes, Pastagerichte und Snacks. Die Firma besitzt Produktionsstandorte in Berlin, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Großbritannien, Österreich und den USA.