Germania

Job-Suche nach Insolvenz: Piloten und Flugbegleiter gefragt

Zahlreiche andere Airlines könnten Germania-Mitarbeiter aufnehmen. Allein Condor will 150 Stewardessen einstellen.

Nach der Pleite könnten  Germania-Maschinen bald wieder für andere Airlines starten.

Nach der Pleite könnten Germania-Maschinen bald wieder für andere Airlines starten.

Foto: Michele Tantussi / Getty Images

Berlin. Nach der Pleite der Berliner Fluggesellschaft Germania sehen Experten für einen Großteil der Mitarbeiter gute Chancen, schnell wieder einen neuen Job zu finden. Nahezu alle in Deutschland aktiven Fluggesellschaften suchten derzeit neues Personal, um Engpässe in den Flugplänen auszugleichen oder zu expandieren, sagte der Hamburger Flugmarktkenner Cord Schellenberg der Berliner Morgenpost.

Vor allem das fliegende Personal – also Piloten und Kabinen-Mitarbeiter – sei begehrt, so Schellenberg. „Die Germania-Belegschaft ist belastbar und motiviert, bringt zudem Erfahrung aus 30 Jahren Flugverkehr mit“, sagte der Luftfahrtexperte. Easyjet, Eurowings, Laudamotion und Ryanair, aber auch Charterfluggesellschaften suchen derzeit aktiv. Allein Condor, eine Tochtergesellschaft des Thomas-Cook-Konzerns, plant nach eigenen Angaben, 150 Flugbegleiter neu einzustellen. Dafür fänden in den kommenden Wochen Castings statt, sagte ein Sprecher.

Der Berliner Senat hatte am Dienstag zunächst ausgeschlossen, der Germania-Belegschaft zu helfen, und war dafür von der Opposition kritisiert worden. Nach der Air-Berlin-Pleite vor eineinhalb Jahren hatten Hunderte Mitarbeiter über eine Transfergesellschaft neue Arbeit gefunden. Dafür hatte das Land fast zwölf Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Flugzeuge wurden verkauft und zurückgemietet

Die eigenständige Germania hatte Insolvenz angemeldet und daraufhin am Dienstag den Flugbetrieb eingestellt. Von der Pleite sind die drei Firmen Germania Fluggesellschaft mbH, Germania Technik Brandenburg mbH und Germania Flugdienste GmbH mit insgesamt 1678 Mitarbeitern betroffen. Die Airline hatte erstmals Anfang Januar finanzielle Probleme vermeldet und vor allem die gestiegenen Kerosinpreise als Grund genannt. Als am Wochenende die Gespräche über ein Darlehen in Höhe von mindestens 15 Millionen Euro scheiterten, blieb der Fluggesellschaft nur der Gang vor das Insolvenzgericht.

Um die Finanzprobleme abzufedern, hatte Germania in den vergangenen Monaten auch eigene Flugzeuge verkauft – und zurückgemietet. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, gibt es in den betroffenen Gesellschaften deshalb kaum verwertbare Vermögensgegenstände. Anwalt Werner Meier von der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons sagte am Mittwoch, es sei fraglich, ob die Masse für ein reguläres Insolvenzverfahren ausreiche.

Eurowings will Germania-Slots am Flughafen Düsseldorf

Die Frage, ob die Start- und Landerechte nach EU-Recht gehandelt werden dürfen, ist umstritten. Die EU-Kommission verneint dies, aber die deutsche Vergabestelle im Verkehrsministerium sieht dies anders in Fällen, in denen diese Rechte an einen Käufer übertragen werden, der anschließend auch die zugehörigen Strecken bedient, so der Anwalt.

Für andere Gesellschaften wertvoll seien aber nur Slots an Flughäfen mit engen Kapazitäten. Hier habe Germania nur in Düsseldorf und eventuell Berlin etwas zu bieten. Denkbar sei auch ein Verkauf der beiden bislang nicht insolventen Töchter in Bulgarien und der Schweiz, die mit jeweils zwei Flugzeugen aber sehr kleine Einheiten seien.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings kündigte am Mittwoch an, sich um die frei werdenden Start- und Landerechte am Flughafen Düsseldorf bewerben zu wollen. Germania verfügte in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt über attraktive Slots, also Zeitfenster für Starts und Landungen, die nun an den Flughafenkoordinator der Bundesrepublik zur Neuverteilung zurückgingen, sagte Eurowings-Chef Thorsten Dirks. Diese Zeiten seien für die Eurowings attraktiv. Einen Erwerb von Teilen der Germania zur Übernahme der Rechte wie im vorherigen Pleitefall von Air Berlin schloss Dirks hingegen aus.

Sundair bringt Maschinen bei anderen Kunden unter

Das Amtsgericht Charlottenburg hatte am Dienstag den Berliner Rechtsanwalt Rüdiger Wienberg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Jurist kündigte zunächst an, sich einen Überblick über die Situation des Unternehmens verschaffen zu wollen. Dazu gehöre auch eine Prüfung der Fortführungsaussichten.

Maschinen, die bislang für Germania im Einsatz waren, werden unterdessen aber bereits wieder auf dem Markt angeboten: Laut einem Bericht des Branchenportals „Airliners.de“ hat die Charterfluggesellschaft Sundair zwei Maschinen, die bislang für Germania geflogen sind, schon wieder bei anderen Kunden untergebracht.

Zuletzt bestand die Flotte der Airline aus 30 Flugzeugen. „Die Maschinen sind auf dem Markt. Frühere Konkurrenten können sich jetzt bedienen“, so Cord Schellenberg. An der Germania-Insolvenzverwaltung würde das Geschäft vorbeilaufen, so Schellenberg. Bisherige Leasing-Geber könnten frei über den Einsatz der Flugzeuge bestimmen.

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