Kommentar

Germania wird nicht die letzte Pleite-Airline sein

Billigflieger haben einen harten Preiskampf unter Airlines entfacht. Der Fall der Germania wird daher nicht der letzte seiner Art sein.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Germania auf dem Rollfeld am Dresdner Flughafen.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Germania auf dem Rollfeld am Dresdner Flughafen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin.  Mal ehrlich. Wer freut sich nicht, einen Flug für 19 Euro nach Mallorca oder Venedig im Internet zu ergattern? Dass ein Flugtrip ins Ausland preiswerter ist als die Zugfahrt in eine deutsche Metropole, daran haben sich viele längst gewöhnt. Ryanair, Easyjet und Co. sei Dank.

Die Billigflieger haben mit ihrer aggressiven Preispolitik den Flugmarkt revolutioniert und Fliegen zum günstigen Volkssport gemacht. Doch nun stößt die Branche zunehmend an Grenzen. Sie wird von ihrem eigenen Erfolgsrezept der Billigtickets gefressen.

Jüngstes Opfer der harten Konkurrenz im Luftfahrtmarkt ist die deutsche Fluggesellschaft Germania. Nach über 30 Jahren muss sie ihren Betrieb einstellen. Als Grund werden unter anderem gestiegene Kerosinpreise und die Abwertung des Euro genannt. Also Marktbedingungen, unter denen auch die Konkurrenz leidet.

Germania-Pleite ist schmerzhafter Verlust für die Branche

Bei Germania dürften aber noch weitere, hausgemachte Probleme die Misere verschlimmert haben. So hatte die Airline zuletzt ihr Flugangebot massiv aufgestockt, neue Flugzeuge geordert – und damit offenbar ihren Finanzrahmen überspannt.

Wenngleich Germania nur zu den mittelgroßen Fluggesellschaften zählt, ist die Pleite nach Air Berlin ein weiterer schmerzhafter Verlust für die Branche. Leidtragende sind diesmal vor allem auch kleinere Flughäfen wie Erfurt, Bremen oder Münster, wo Germania vergleichsweise viele Flüge angeboten hatte.

Sollten sich nicht andere Airlines finden, die ihre Strecken übernehmen, wird der Himmel über der Provinz deutlich leerer und das Angebot noch unattraktiver.

Für die rund 1700 Beschäftigten ist es ein Schock, den Job zu verlieren. Allerdings bleibt hier zu hoffen, dass zumindest die fliegenden Mitarbeiter angesichts des großen Personalbedarfs bei der Konkurrenz eine neue Stelle finden.

Fluggäste bleiben auf ihren Tickets sitzen

Angeschmiert sind aber auch die Tausenden Fluggäste, die nun am Urlaubsort gestrandet sind oder ihre Flugreisen erst gar nicht antreten können. Viele werden das Geld für ihre Tickets nicht zurückerhalten – wie dies Air-Berlin-Kunden schon schmerzlich erfahren mussten.

Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Die Branche braucht endlich nach dem Vorbild von Banken eine Insolvenzversicherung, die bei Pleiten einspringt und die Kunden entschädigt. Die Verbraucher dürfen nicht für das Versagen von Unternehmen zur Kasse gebeten werden. Denn die Germania-Pleite dürfte nicht die letzte sein.

Im Markt konkurrieren viele kleine Anbieter, die auf Renditen hoffen. Doch vielen wird die Finanzkraft fehlen, um mitzuhalten. Denn in der Luftfahrt zählt Größe. Größe ist Markt- und Einkaufsmacht, um Flugzeuge und Treibstoff günstiger zu besorgen. Kleine Newcomer haben es da schwerer.

Airlines kämpfen erbittert um Marktanteile

Denn die Bandagen, mit denen gekämpft wird, sind hart. Jede Airline versucht ihren Marktanteil auszubauen, durch Übernahmen, Fusionen und Kooperationen. Aber eben auch durch Niedrigstpreise. Übrig bleiben jene mit dem besten Finanzpolster.

Ryanair als einst kleiner Herausforderer der Branche hat es geschafft. Der irische Billigflieger ist heute eine der größten Fluggesellschaften Europas und kann auch mal einen Verlust zugunsten günstiger Ticketpreise wegstecken, um attraktiv zu bleiben und noch mehr Kunden zu gewinnen.

Wie viele Anbieter am Ende übrig bleiben, ist ungewiss. Weniger Konkurrenten werden es jedenfalls einfacher haben, auskömmliche Preise zu verlangen. Ob dann Tickets mehr kosten, bleibt abzuwarten.

Im Moment müssen die Verbraucher nicht so schnell mit höheren Preisen rechnen. So lange der Kampf um Marktanteile tobt, geht's wohl weiter für 19 Euro nach Mallorca.