Weltwirtschaftsforum

Risikobericht: Das sind die größten Gefahren für die Welt

Das Weltwirtschaftsforum stellt Umweltprobleme nach oben auf die Sorgen-Liste der Nationen. Datendiebstahl ist ebenfalls gefürchtet.

Feuerwehrmänner versuchen im Juli 2018, einen Waldbrand in der Nähe von Athen zu löschen.

Feuerwehrmänner versuchen im Juli 2018, einen Waldbrand in der Nähe von Athen zu löschen.

Foto: Eurokinissi / imago/ZUMA Press

Berlin.  Wetterextreme, mangelnder Fortschritt der Klimapolitik, Naturkatastrophen: Darin sehen 1000 Experten aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in diesem Jahr die größten Risiken für die Welt.

Ökologische Herausforderungen nehmen damit erstmals seit zehn Jahren die drei obersten Plätze der größten Gefahren im entsprechenden Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) von Davos ein.

„Globale Risiken nehmen zu, aber der gemeinsame Wille sie anzugehen, scheint nachzulassen“, schreiben die Autoren des Weltrisikoberichts. Ein Grund dafür sei unter anderem nationale Politik, die koordinierte internationale Ansätze schwäche.

Damit spielt der Bericht etwa auf den bevorstehenden Ausstieg Großbritanniens aus der EU oder den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen an.

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Schwere Waldbrände in Kalifornien

In der Einschätzung der Umweltrisiken spiegeln sich die Ereignisse des vergangenen Jahres. So wüteten im US-Bundesstaat Kalifornien Waldbrände, die viele Siedlungen vernichteten und zahlreiche Anwohner töteten. Nach Einschätzungen von Meteorologen hatte diese Katastrophe auch mit der zunehmenden Trockenheit zu tun, ausgelöst durch die Aufheizung der Erde. Forscher warnen schon, dass Klimasystem könnte in eine Heißzeit kippen.

Vor den Schäden des Klimawandels warnt auch der Risikobericht intensiv. „Bereits 800 Millionen Menschen leben in mehr als 570 Küstenstädten, die durch einen Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter bis 2050 gefährdet sind“, heißt es in der Studie.

Auf den Risiko-Plätzen vier und fünf folgen Datendiebstahl und Cyberattacken. Auch dies ist ein Reflex auf 2018. Im März des vergangenen Jahres erfuhr die Welt, dass etwa 50 Millionen Persönlichkeitsprofile auf dem sozialen Netzwerk Facebook ohne die Genehmigung der Nutzer angezapft worden waren, um im US-Wahlkampf Propaganda für Donald Trump unter die Leute zu bringen.

Abstand zwischen Arm und Reich wird größer

Die für den Bericht befragten Manager, Politiker und Wissenschaftler betrachten deshalb sogenannte Fake News – gezielte Desinformationskampagnen – und Identitätsklau als erhebliche Risiken für Bürger und Firmen. Kürzlich mussten auch rund 1000 deutsche Politiker, Künstler und Journalisten erfahren, dass man private Daten von ihnen illegal veröffentlicht hatte.

Außerdem macht sich das WEF Sorgen über ökonomische Spannungen. Das Wirtschaftswachstum lasse nach – vor allem in reichen Ländern, aber auch in China, heißt es in dem Bericht. Internationale Spannungen, etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China, könnten dazu führen, dass wieder eine Wirtschaftskrise ausbreche. Was Anleger jetzt wissen müssen.

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Borge Brende, einer der Chefs des WEF, warnt zudem: „Die Polarisierung in vielen Ländern verschärft sich.“ Damit meint Brende den zunehmenden Abstand zwischen Arm und Reich, der die gesellschaftliche Stabilität und auch das Wachstum gefährden kann.

Risiko-Wahrnehmung verändert sich von Jahr zu Jahr

In einer Grafik zeigt der Risikobericht, wie das private Kapital beispielsweise in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zwischen 1980 und 2010 stieg, während das öffentliche Vermögen zurückging. Eine Folge kann sein, dass die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung abnimmt, worunter besonders die ärmeren Schichten der Bevölkerung leiden.

Die Risiko-Wahrnehmung verändert sich mit den Jahren, wie der Bericht zeigt. Während der Finanzkrise 2009 und 2010 stand der Kollaps der Vermögenswerte ganz oben auf der Liste der größten Risiken.

Weltwirtschaftsforum trifft sich in Davos

2011 waren es Stürme und andere Wetterextreme, worauf drei Jahre folgten, in denen die Ungleichheit zwischen Arm und Reich die Debatten bestimmte – eine Folge der Finanzkrise. Im Zuge unter anderem des Syrien-Krieges rangierten 2015 und 2016 die Themen „internationale Konflikte“ und „Einwanderung“ an der Spitze. Seit 2017 stehen dort Wetterextreme.

Der Bericht erscheint jedes Jahr kurz vor der jährlichen WEF-Tagung im Schweizer Bergort Davos, die am kommenden Dienstag beginnt. Motto für das Treffen der Wirtschafts- und Politikelite ist „Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution“.

Damit ist gemeint, dass Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt und das Zusammenleben stark verändern werden.