Kleingeld

Euro-Staaten stellen neue Münzen im Milliardenwert her

2019 prägen die Euro-Staaten neue Münzen im Wert von 2,1 Milliarden Euro. Doch deren Herstellung ist oft teurer als ihr Wert.

Vielen Verbrauchern sind die Kupfermünzen eine Last im Portemonnaie – viel Platz für wenig Wert.

Vielen Verbrauchern sind die Kupfermünzen eine Last im Portemonnaie – viel Platz für wenig Wert.

Foto: Felix Hörhager / dpa

Frankfurt.  Sie wiegen schwer, und manche von ihnen kosten mehr, als sie überhaupt wert sind. Dennoch werden die Euro-Staaten in diesem Jahr wieder viele neue Münzen in Umlauf bringen: Geldstücke im Wert von 2,1 Milliarden Euro werden aus den Ländern dem Euro-System zugeführt.

Im vergangenen Jahr waren es mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro noch etwas mehr. Knapp ein Fünftel des neuen Klimpergeldes soll in Form neuer Sammlermünzen geprägt werden – in Summe werden das Geldstücke im Wert von 488 Millionen Euro sein. Diese Zahlen gehen aus dem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Genehmigung der Ausgabe neuer Münzen hervor.

Anders als die Euro-Banknoten, fallen die Münzen der Gemeinschaftswährung in den Zuständigkeit der einzelnen Länder. Die allerdings müssen ihre Pläne bei der EZB beantragen und in Frankfurt genehmigen lassen. Als größte Volkswirtschaft im Euroraum wird Deutschland auch in diesem Jahr die meisten Geldstücke prägen – Münzen im Wert von 632 Millionen Euro.

Mehrheit lehnt hierzulande die Kleincent-Münzen ab

Doch in vielen Euro-Staaten ist der Nutzen der Münzen mittlerweile umstritten – vor allem bei den kleinsten, den Ein- und Zwei-Cent-Stücken. Vielen Verbrauchern sind die Kupfermünzen eine Last im Portemonnaie – viel Platz für wenig Wert. Eine Umfrage aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass die Mehrheit hierzulande die Kleincent-Münzen ablehnt. Vor allem die jüngere Generation der unter 30-Jährigen befürwortet zu 60 Prozent eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Auch die Europäische Kommission wägt seit Jahren ab, ob die kleinsten Euro-Münzen sich weiter lohnen oder nicht.

Dass es auch anders geht, zeigen Länder wie Finnland und die Niederlande. Dort ist es längst üblich, dass kleinere Cent-Beträge gerundet werden. Andererseits sehen die Verantwortlichen in Europa die Gefahr, dass eine Abschaffung der Münzen auf Verbraucher wie eine Inflation wirken könnte – dann nämlich, wenn die Preise durch das Runden eher ansteigen als fallen würden.

Produktionskosten um Vierfaches höher als Wert der Münzen

Abschaffen können die Länder die kleinen Münzen auf eigene Faust ohnehin nicht, denn das kann nur auf europäischer Ebene geregelt werden. Argumente gegen die Kupfermünzen gibt es dennoch einige: Materialwert und Herstellung – vom Ankauf der Metalle und Rohstoffe für die Kupfermünzen über deren Herstellung bis zu ihrer Auslieferung – übersteigen den eigentlichen Wert der Münzen bei Weitem.

In manchen Staaten liegen die Produktionskosten des Kleingeldes nach einer Studie der EU-Kommission um das Vierfache höher als der eigentliche Wert der Münzen.

60 Milliarden Ein- und Zwei-Cent-Münzen im Umlauf

Für den Handel haben die Münzen Vor- und Nachteile. Zum einen nutzen viele Geschäfte nach wie vor den psychologischen Effekt, dass Preise knapp unter der Zehner- oder Euro-Schwelle auf Kunden billiger wirken. Zum anderen müssen die Geschäfte dann aber logischerweise auch Kleinstbeträge an der Kasse bereithalten, herausgeben und organisieren.

Der EZB zufolge sind derzeit Ein- und Zwei-Cent-Münzen im Wert von rund 900 Millionen Euro im Umlauf. Damit bilden die kleinen Münzen den mit Abstand größten Berg aller im Umlauf befindlichen Münzen im Euro-Währungssystem: Es sind aktuell über 60 Milliarden Stück von ihnen im Umlauf. Wohlgemerkt – hier geht es um die Anzahl der Münzen, nicht um ihren Wert. So gibt es beispielsweise nur rund 20 Milliarden Fünf-Cent-Stücke, die aber schon etwas über eine Milliarde Euro wert sind; mehr also, als die Ein- und Zwei-Cent-Münzen zusammen.

Google Pay könnte Schub für das bargeldlose Bezahlen sein

Der Hauptgrund, weshalb die Kleinstmünzen immer wieder neu produziert werden müssen, ist ihr großer Schwund: Schätzungen zufolge sind es rund zwei Drittel aller Ein- und Zwei-Cent-Stücke, die verloren gehen oder in Sparschweinen verschwinden. In Belgien gab es im Sommer sogar einen Engpass bei Cent-Münzen. Im Finanzministerium gab es bereits Überlegungen, die Belgier in einer nationalen Kampagne dazu aufzurufen, die kupferroten Münzen zur Bank zu bringen, um so zumindest einige davon wieder in den Zahlungskreislauf zurückzuholen. In den vergangenen Jahren wurden fast dreimal mehr Ein- und Zwei-Cent-Münzen geprägt als Ein- und Zwei-Euro Münzen.

Einen Schub für das bargeldlose Bezahlen könnte die Einführung von Smartphone-Bezahldiensten wie Google Pay oder Apple Pay bringen. Nach Einschätzung der Commerzbank wird sich Bezahlen per Handy auch in der Bundesrepublik zunehmend durchsetzen.