Finanzmärkte

Der Börsenboom ist vorbei – Das müssen Anleger jetzt wissen

Handelsstreit, Dieselskandal, schwache Konjunktur: An den Aktienmärkten ging es 2018 vor allem bergab. Was Anleger jetzt wissen müssen.

Börse:"2018 war ein schreckliches Jahr"

Analyst Robert Halver von der Baader Bank sieht die Politik in der Bringschuld, um den Märkten zu einem besseren 2019 zu verhelfen.

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Frankfurt/Main.  Das Jahr 2018 war turbulent an den Finanzmärkten. Globale Risiken haben die Anleger massiv verunsichert. Zudem hat sich der wirtschaftliche Aufschwung abgeschwächt. Der Ausblick auf das kommende Jahr ist trüb.

Warum ging es in diesem Jahr am Aktienmarkt so drunter und drüber?

Zunächst sah es gut aus: kräftiges Wirtschaftswachstum überall, eine US-Notenbank, die von ihrer Nullzinspolitik abrückt und damit wieder Normalität einkehren lässt. Die Steuerreform des US-Präsidenten Donald Trump löste einen wirtschaftlichen Schub aus. All dies ließ weltweit die Kurse an den Börsen steigen. Der deutsche Leitindex Dax erreichte zu Jahresbeginn ein Allzeithoch. Gleichzeitig kündigten sich aber Risiken an. 2018 wurde von Diskussionen um den Brexit begleitet. Sie werden auch Anfang 2019 anhalten – und mit ihnen die Unsicherheit. Vor allem aber liefen Drohungen und Strafzölle im Handelsstreit zwischen den USA und China wie Schockwellen um den Globus. Die Anleger gingen in Deckung.

Wer waren die größten Verlierer?

Die deutschen Autokonzerne haben Federn gelassen. Sie litten unter dem Säbelrasseln der wirtschaftlichen Großmächte USA und China. Daimler, BMW und VW betreiben große Werke in den USA und produzieren dort auch für den Export nach China. Daimler und BMW mussten ihre Jahresprognosen kassieren – und begründeten das mit dem Handelskonflikt.

Hinzu kamen in der Heimat die Nachwehen des Dieselskandals und Lieferverzögerungen wegen des neuen Abgastests WLTP. Daimler-Papiere haben im Jahresverlauf über ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Volkswagen und BMW verloren in etwa so viel wie der Durchschnitt des Dax.

Deutlich schlechter lief das Börsenjahr für die beiden deutschen Großbanken, die Deutsche Bank und die Commerzbank. Beide Titel sind im Dax beziehungsweise im Nebenwerteindex MDax die größten Verlierer. Ihre Kurse haben sich halbiert und zum Jahresende hin Tiefstände erreicht.

Absoluter Verlierer ist schließlich Ceconomy. Die Titel der Mutter der Saturn- und Mediamärkte sind um drei Viertel in den Keller gerauscht, sie kosteten zuletzt nur noch etwas über drei Euro. Der Dax hat das schlechteste Jahr seit 2008 hinter sich – er sackte um rund 18 Prozent ab.

Wer stand noch gut da?

Auf der Gewinnerseite hieß es: Des einen Leid ist des anderen Freud. Insbesondere bei Finanzdienstleistern. Die Commerzbank steig aus dem Dax in den MDax ab. Ihren Platz in der ersten Börsenliga nahm der Münchner Zahlungsabwickler Wirecard ein. Dessen Papiere erlebten einen Höhenflug, gefolgt von großen Schwankungen – von knapp 200 Euro im Höhenrausch bis gut 130 Euro zum Jahresende.

Dennoch: Mit einem Aufschlag von rund 40 Prozent ist Wirecard der Dax-Jahresgewinner. Ein gutes Jahr war es mit Zugewinnen von bis zu zehn Prozent noch für Aktien von RWE, der Deutschen Börse und Adidas.

Sind die Erwartungen der Analysten vom Jahresanfang eingetreten?

Eindeutig: nein! Viele Analysten hatten zum Jahresende den Dax bei bis zu 14.000 Punkten gesehen. Vorausgesetzt hatten sie, dass die meisten Volkswirtschaften ungehindert weiter wachsen würden. Vor allem das Jahresende aber hat die Prognosen durch stark fallende Kurse obsolet gemacht.

Hinzu kam noch der Haushaltsstreit mit Italien – auch den hatte in dieser Form wohl niemand auf dem Zettel. Mit einem Dax unter 11.000 Punkten hatte kein Analyst oder Volkswirt gerechnet.

Was sagen die Experten für das kommende Jahr voraus?

Für 2019 zeigen sich die meisten Volkswirte verhalten optimistisch. Sie teilen die Auffassung von Notenbanken wie der Fed in den USA und der EZB im Euroraum. Sie gehen davon aus, dass der Wachstumstrend in den USA, aber auch in Europa grundsätzlich intakt sei, er habe sich nur abgeschwächt.

EZB-Chef Mario Draghi sagte: Es gebe Anzeichen „für ein schwächeres Wachstum, aber nicht für ein schwaches Wachstum“. Die Fed hat gerade erst erneut die Zinsen angehoben. Das machen Notenbanker nur, wenn sie Wirtschaft und Konjunktur als einigermaßen robust einschätzen. Das würde für höhere Aktiennotierungen 2019 sprechen. Sollten sich die Risiken weiter verschärfen, könnten sie für erhebliche Störungen sorgen – bis hin zu einer Rezession.

Wie sollten Anleger sich verhalten?

Vor allem: vorsichtig. Die meisten Ökonomen sehen mindestens in der ersten Jahreshälfte noch Gegenwind für die Konjunktur kommen. Deswegen wird der Aufschwung wohl noch etwas an Fahrt verlieren.

Zudem bleiben die politischen Risiken für die Wirtschaft hoch. Ein ungeregelter Brexit wird immer wahrscheinlicher. Im Handelsstreit zwischen den USA und China gibt es zwar eine Annäherung. Doch 2018 hat gezeigt, dass sich Trump vor allem durch Unberechenbarkeit auszeichnet. Ein Handelskrieg ist noch nicht vom Tisch.