Verkehr

Aus für Fahrkartenautomat? Deutsche Bahn dementiert Bericht

Berliner Morgenpost
| Lesedauer: 5 Minuten
Die Deutsche Bahn setzt weiter auf ihre Fahrkartenautomaten - und dementiert einen Medienbericht.

Die Deutsche Bahn setzt weiter auf ihre Fahrkartenautomaten - und dementiert einen Medienbericht.

Foto: Peter Steffen / dpa

Die Deutsche Bahn plant, ihre Fahrkartenautomaten im Fernverkehr abzuschaffen. Der Konzern benötigt dringend Geld für Investitionen.

Berlin.  Die Deutsche Bahn will die Fahrkartenautomaten doch nicht abschaffen. Der Konzern hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, nach dem sie bis 2023 den Verkauf von Fahrkarten für den Fernverkehr an eigenen Automaten komplett aufgeben will, um Kosten zu sparen.

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„Es gibt weder Beschlüsse noch konkrete Planungen bei der DB, den Verkauf von Fernverkehrstickets an Automaten bis 2023 aufzugeben“, teilte das Staatsunternehmen am Montag mit.

Auch künftig werde der Fahrkartenkauf über Automaten und Reisezentren möglich sein. Zwar zeigten Prognosen, dass der Anteil der Automatenkäufe für Fernverkehrsfahrkarten in den nächsten fünf Jahren weiter auf einen niedrigen einstelligen Wert zurückgehen werde.

Deutsche Bahn braucht frisches Geld

„Klarer Anspruch der DB ist jedoch, auch in Zukunft dem Kunden auf allen nachgefragten Vertriebskanälen den Fahrkartenkauf zu ermöglichen.“

Die „Stuttgarter Zeitung“ hatte unter Berufung auf ihr vorliegende interne Unterlagen der Bahn berichtet, dass der Konzern den Fahrkartenverkauf an Automaten bis 2023 einstellen wolle.

Dafür sollte der digitale Ticketvertrieb weiter massiv ausgebaut werden, berichtet das Blatt vorab aus seiner Montagausgabe. Das Vorhaben sei Teil der „Agenda für eine bessere Bahn“ von Bahn-Chef Richard Lutz. Interne Unterlagen, die der Aufsichtsrat des größten Staatskonzerns kürzlich beraten habe, lägen der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ vor.

Deutsche Bahn in der Krise – das Wichtigste in Kürze

  • Unpünktlichkeit, technische Probleme, fehlende Investitionen - die Deutsche Bahn steckt in der Krise
  • Die Bundesregierung fordert einen Umbau im Konzern
  • Laut „Stuttgarter Zeitung“ will die Bahn die Fahrkartenautomaten im Fernverkehr abschaffen
  • Das hat der Konzern jetzt zurückgewiesen

Die Pläne betreffen viele Bahnkunden. Die Deutsche Bahn AG verkauft dem Blatt zufolge 140 Millionen Fernverkehrstickets pro Jahr. Mehr als 70 Prozent der Fahrkarten für ICE- und Intercity-Züge seien den Strategiepapieren zufolge bereits digitale Tickets, die per Smartphone oder Computer gebucht würden.

Für den Konzern sei der digitale Direktvertrieb über die App und das zentrale Internetportal bahn.de profitabler als der Verkauf über Automaten, die in vielen der 5500 Bahnhöfe stünden und nicht selten defekt seien. Die Deutsche Bahn hatte bereits im April angekündigt, weniger Tickets kontrollieren zu wollen.

Im Fernverkehr sollten die relativ hohen Kosten für die Geräte deshalb künftig eingespart werden. Ein Bahn-Sprecher sagte dem Blatt auf Anfrage, es gebe bis jetzt „keinen Beschluss“.

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Zuvor hatte Bahn-Aufsichtsratchef Klaus-Dieter Hommel in der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Das ist hier inzwischen eine einzige Katastrophenveranstaltung.“ „Wenn die Deutsche Bahn ein Autohersteller wäre, wären die Lenkräder hinten montiert und die Räder oben.“ Auch unser Kommentator findet, dass die Bahn nur bedingt fahrbereit sei.

Die Pünktlichkeitsquote bei Fernzügen war bei der Bahn zuletzt wieder gesunken, dazu kommen technische Probleme und hoher Finanzierungsbedarf. Bahnchef Richard Lutz und Netzvorstand Ronald Pofalla müssen laut „WamS“ am 15. Januar im Bundesverkehrsministerium Eckpunkte für Maßnahmen zur Verbesserung der Lage vorstellen, um diese dann dem Aufsichtsrat vorzulegen.

Scheuer mahnt: Qualität muss wieder steigen

„Ich erwarte vom Vorstand, dass er nachvollziehbar erklärt, wie der finanzielle Mehrbedarf gedeckt werden soll“, sagte Aufsichtsratschef Michael Odenwald dem Blatt. Die Abschaffung der Fahrkartenautomaten könnte also eine erste Maßnahme sein.

„Der Vorstand muss jetzt mit dem Eigentümer Bund einen gangbaren Weg erarbeiten und dem Aufsichtsrat in der Sitzung im März ein entsprechendes Konzept vorlegen.“ Diese fünf Baustellen muss die Deutsche Bahn jetzt angehen.

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Zuletzt hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angemahnt, die Qualität beim Bahnfahren müsse im neuen Jahr schnellstens wieder steigen.

Es gebe Zeitdruck. „Das ist eine riesige Aufgabenstellung für die Spitze der Bahn“, betonte Scheuer. Der Bund sitzt als Eigentümer auch mit Vertretern im Aufsichtsrat und kontrolliert somit das Management. Scheuer forderte zudem eine „Bürgerbahn“.

Kapitalbedarf der Bahn offenbar höher als gedacht

Die Bahn will nach früheren Aussagen aus eigenen Mitteln in den kommenden fünf Jahren fünf Milliarden Euro zusätzlich in Züge und Schienennetz investieren. Vier Milliarden Euro davon sind noch nicht finanziert, wie in Kreisen des Kontrollgremiums zu hören war. Auch aus der Schweiz wird Kritik an der Deutschen Bahn laut.

Nach „WamS“-Informationen ist der Kapitalbedarf deutlich höher: „Wenn die Maßnahmen zur Stärkung des Schienenverkehrs umgesetzt werden, die im Koalitionsvertrag stehen, dann müssen in den kommenden vier Jahren alles in allem acht bis zehn Milliarden Euro zusätzlich aufgebracht werden“, zitierte das Blatt ein namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied. (les/dpa)

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