Anti-Sex-Regeln

Facebook verbietet heimlich „vage anzügliche Bemerkungen“

Facebook wird noch ein bisschen prüder als ohnehin schon. Das Netzwerk änderte fast unbemerkt seinen Umgang mit sexuellen Inhalten.

Wer sexuelle Anspielungen auf Facebook macht, könnte jetzt Ärger bekommen.

Wer sexuelle Anspielungen auf Facebook macht, könnte jetzt Ärger bekommen.

Foto: Tobias Hase / dpa

Berlin.  Ohne viel Aufhebens hat Facebook bereits im Oktober in seinen sogenannten Gemeinschaftsstandards den Umgang mit sexuellen Inhalten geändert. Nutzern sind jetzt „vage anzügliche Bemerkungen“ und „sexuelle Andeutungen“ untersagt.

Da das Unternehmen die Änderungen zwar öffentlich zur Verfügung stellt, aber nicht explizit auf sie hinwies, dauerte es fast zwei Monate, bis sie bekannt wurden. Zunächst nahmen die US-Bürgerrechtsorganissation „Electronic Frontier Foundation“ (EFF) und dann der Blog „Netpolitik.org“ das Thema auf, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Neu ist in dem Facebook-eigenen Nutzerregelwerk demnach der Punkt „Sexuelle Kontaktaufnahme“.

Was auf Facebook jetzt alles verboten ist

Verboten waren teils vorher schon „Explizite sexuelle Kontaktaufnahme“ etwa das Anbieten von Sex oder Sexualpartnern. Nun gehören aber auch „implizite“ sexuelle Kontaktaufnahmen zu den verbotenen Inhalten.

Facebook zählt auf: „Vage anzügliche Bemerkungen wie ,möchte heute Nacht noch Spaß haben’, sexualisierter Slang und sexuelle Andeutungen wie die Erwähnung sexueller Rollen, Stellungen oder Fetischszenarien.“ Auch „echte Kunstobjekte“, die sexuelle Handlungen zeigen, gelten als verboten.

„Netflix & Chill“ bald schon zu viel?

Facebook begründet das Verbot damit, dass „manche Mitglieder unserer globalen Gemeinschaft diese Art von Inhalten als anstößig empfinden könnten.“ Kritik gibt es von den US-Bürgerrechtlern bei EFF, die befürchten, dass sogar eine Bemerkung wie „Heute Netflix & Chill?“ bald sexualisiert und dann zensiert werden könnte.

Die Regeln helfen nach Meinung von EFF nur Trollen, die unliebsame Gruppen diskreditieren wollen. Die Organisation vermutet als Grund für die Änderungen ein neues US-Gesetz, das Plattformen für die Beförderung von Menschenhandel durch Nutzer haftbar macht. EFF kritisiert auch dieses Gesetz.

Facebook ist schon häufiger als „prüde“ aufgefallen – mit absurder Zensur. So war 2017 etwa eine Herkules-Statue in Kassel zu nackt für Facebook. Zuvor hatte das Netzwerk ein Foto von einer Neptun-Statue gesperrt.

Hier geht es zum Artikel von „netzpolitik.org“, hier zum Artikel der „Süddeutschen Zeitung“.

(andi)