Deutsche Bahn

Bahnstreik: Weiter Ausfälle und Verspätungen im Fernverkehr

Die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG hat am frühen Montagmorgen die Deutsche Bahn bestreikt. Auch am Dienstag kommt es noch zu Verspätungen.

Nach Bahn-Chaos kein weiterer Streik

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erklärte am Montag, man sei bereit, wieder zu verhandeln.

Nach Bahn-Chaos kein weiterer Streik

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Hannover.  Der bundesweite Warnstreik vom Montagmorgen wirbelt weiter den Fahrplan der Deutschen Bahn durcheinander. Zumindest teilweise: Wegen logistischer Probleme kommt es auch am Dienstag noch zu einzelnen Zugverspätungen und -ausfällen im Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Der Grund: Züge und Personal seien nach dem vierstündigen Warnstreik am Montagmorgen nicht dort, wo sie nach Fahrplan sein sollten. Reisende sollten deshalb kurz vor ihrer Fahrt checken, ob und wann ihr Zug tatsächlich fährt. Der Regional- und S-Bahn-Verkehr soll laut dem Sprecher nach Fahrplan fahren.

Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte am Montag große Teile des Zugverkehrs in Deutschland stundenlang lahmgelegt. Mit dem Warnstreik wollten die Gewerkschafter ihre Forderungen im Tarifkonflikt mit der Bahn unterstreichen.

Möglicherweise Verhandlungen am Dienstag

Die Deutsche Bahn sei im Anschuss an den Streik auf die Gewerkschaft zugekommen, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Es werde nun geprüft, ob beide Parteien schon Dienstag zu neuen Gesprächen zusammenkommen. Sobald die Bahn schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen.

Der bundesweite Streik begann am Montagmorgen um 5 Uhr – und dauerte bis 9 Uhr. Der Ausfall betraf sowohl S-Bahnen, Regional- und Fernverkehr sowie die Güterbahn.

Flixbus und Europcar profitieren vom Bahnstreik

Viele Reisende stiegen am Montag auf Fernbusse um. „Von Berlin nach München verzeichnen wir beispielsweise einen Buchungsanstieg von über 50 Prozent, Tendenz steigend“, sagte Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia unserer Redaktion. „Wir haben bereits seit Bekanntgabe der Streiks bei der Deutschen Bahn auf zahlreichen innerdeutschen Verbindungen einen Buchungsanstieg zu verzeichnen.“ Flixbus versuchte, dass möglichst alle zusätzlichen Reisende ihr Ziel noch am Montag erreichen.

Flixbus ist der größte Fernbusanbieter in Deutschland. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben Busreisen zu 2000 Orten in 27 Ländern mit täglich rund 300. 000 Verbindungen an. Darüber hinaus werden seit März 2018 unter der Marke Flixtrain in Deutschland auch Bahnreisen offeriert.

Auch Mietwagenfirmen wie Europcar hatten durch die Bahnausfälle großen Zulaufen. „In den Großstädten konnten wir bis zu 25 Prozent mehr Buchungen verzeichnen“, sagte Europcar-Sprecher Daniel Hölzer am Montag. Die Nachfrage nach den Mietfahrzeugen sei bereits am Sonntag angestiegen, nachdem die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite über den bevorstehenden Ausstand berichtet hatte. Besonders gefragt seien die Fahrzeuge bei Berufstätigen gewesen, die pünktlich zu ihren Terminen kommen wollten.

Einschränkungen während des gesamten Montags

Darüber hinaus kam es während des gesamten Tages zu massiven Einschränkungen im bundesweiten Fernverkehr kommen, sagte ein Bahn-Sprecher weiter. Er empfahl Reisenden dringend, ihre Reisen auf den Dienstag zu verschieben. Alle Tickets behielten ihre Gültigkeit, Zugbindungen seien aufgehoben – auch für den Dienstag.

Zuvor waren Tarifgesprächen zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Deutschen Bahn abgebrochen worden.

Die Bahngewerkschaft EVG drohte zudem mit weiteren Warnstreiks, sollten die Arbeitgeber bei der Deutschen Bahn kein deutlich aufgebessertes Angebot für Tariferhöhungen auf den Tisch legen. „Wir erwarten von der Bahn ein substanziell besseres Angebot“, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz im ARD-Morgenmagazin am Montag.

Allein die Aufforderung der Bahn an die Gewerkschaftsseite, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, reiche nicht aus. Wenn ein verbessertes neues Angebot schriftlich unterbreitet werde, werde die EVG weiter verhandeln. Wenn nicht, „dann muss man mit weiteren Warnstreiks in den nächsten Tagen rechnen“.

Deutschland fast flächendeckend vom Streik betroffen

Fast alle Regionen Deutschlands waren vom Streik betroffen. Das galt sowohl für den Fern- wie auch Regionalverkehr. S-Bahnen fuhren an vielen Orten nur sehr unregelmäßig

So trifft der Bahnstreik NRW – der Überblick im Newsblog.

Der Bahnstreik wirkte sich auch in Berlin und Brandenburg aus. Betroffen war auch die S-Bahn in der Hauptstadt.Auch bei S-Bahnen und Fernverkehr in Hamburg und Umgebung wurde mit massiven Auswirkungen gerechnet.

Ebenfalls in anderen Bundesländern war der Regionalverkehr von den Streiks betroffen. Von Nürnberg aus etwa gebe aus keine Fahrten in Richtung Würzburg, München oder Berlin, teilte die Bahn mit. Weitere Schwerpunkte des Warnstreiks waren unter anderem Bayern und Baden-Württemberg.

Auch der Regionalverkehr in Hessen stand weitgehend still. Züge konnten nur noch sehr vereinzelt fahren, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Montag mit. Der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) hatte schon am frühen Morgen den gesamten S-Bahn Betrieb eingestellt. Da eine Mehrzahl der Stellwerke in Hessen bestreikt wurde, sei ein geregelter Zugverkehr nicht mehr möglich, hieß es.

Der Warnstreik führte auch zu etlichen Zugausfällen im Fern- und Regionalverkehr in Niedersachsen und Bremen geführt. Die Hauptbahnhöfe Hannover und Bremen sowie der Bahnhof in Celle/Helmstedt wurden bestreikt, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn mitteilte.

Reisende sollten sich vor Fahrtantritt informieren

Zuvor hatte es geheißen, am Montag würden Beschäftigte vor allem in Stellwerken und Werkstätten bundesweit ihre Arbeit niederlegen. Die Aktion könnte demnach bis zum Mittag anhalten.

Die EVG rechtfertigt die angekündigten Streiks mit zu wenig Entgegenkommen der Deutschen Bahn bei den Gesprächen. „Der Arbeitgeber hat uns nur Angebote vorgelegt, die nicht den Forderungen unserer Mitglieder entsprachen“, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. „Am Ende fehlte aus unserer Sicht ein Prozent mehr angesichts der vom Arbeitgeber angebotenen längeren Laufzeit“, fügte sie hinzu.

EVG will erst nach einem verbesserten Angebot die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn wieder aufnehmen. Das sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz am Sonntagabend in Berlin. „Wir hoffen, dass der Bahnvorstand die Signale verstanden hat, sonst sind weitere Warnstreiks nicht ausgeschlossen“, fügte er hinzu.

Zuvor hatte die Bahn in einem Brief an die EVG-Führung appelliert, bereits am Montagnachmittag wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Reisende sollten sich vor Antritt der Fahrt informieren. Das sollten Bahnreisende jetzt wissen.

Warnstreiks – was bisher bekannt ist

  • Die Eisenbahngewerkschaft EVG bestreikt seit Montagmorgen die Bahn.
  • Grund sind die erfolglosen Tarifgespräche mit der Deutschen Bahn.
  • Die EVG vertritt etwa 160.000 Bahn-Mitarbeiter.
  • Der Fernverkehr wurde am frühen Montagmorgen bundesweit eingestellt
  • Bahnkunden sollen sich vor Fahrtantritt auf bahn.de oder telefonisch informieren.

Die Deutsche Bahn reagierte auf die Streikankündigung und sprach von einer „völlig überflüssigen Eskalation“. Man habe ein Paket im Volumen von insgesamt sieben Prozent in Aussicht gestellt. „Bei diesem Angebot den Verhandlungstisch zu verlassen, ist nicht nachvollziehbar und verunsichert völlig unnötig unsere Kunden mitten in der Weihnachtszeit“, sagte Personalvorstand Martin Seiler.

EVG-Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba sagte, die Bahn habe eine Vertagung auf Dienstag vorgeschlagen. „Das kam für uns nicht infrage.“

Gewerkschaften fordern 7,5 Prozent mehr Gehalt

Die erneuten Tarif-Verhandlungen in Hannover liefen seit Donnerstag. Es war die vierte Runde mit der EVG in dieser Tarifauseinandersetzung. Separat verhandelte die Bahn auch mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Hier ist es bereits die fünfte Runde.

Beide Gewerkschaften hatten 7,5 Prozent mehr Geld gefordert.

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Die EVG vertritt etwa 160.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn im Inland. Die kleinere GDL verhandelt für einen Teil davon – etwa 36.000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter vor allem Lokführer, Zugbegleiter und Bordgastronomen. (sdo/les/dpa)