Funklöcher

5G: Der ultraschnelle Mobilfunk kommt – aber nicht für jeden

Die Bundesnetzagentur hat Regeln für den neuen 5G-Mobilfunkstandard festgelegt. Grüne: Netzausbau auf dem Land bleibt frommer Wunsch.

Der neue Mobilfunkstandard 5G wird nicht alle Haushalte in Deutschland erreichen.

Der neue Mobilfunkstandard 5G wird nicht alle Haushalte in Deutschland erreichen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin.  Beim Ausbau des Mobilfunknetzes wird es weiter Funklöcher geben. Bis Ende 2022 sollen in 98 Prozent der deutschen Haushalte schnelle Downloads mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich sein. Entsprechende Regeln für die Vergabe der Frequenzen für den ultraschnellen Mobilfunk 5G im kommenden Frühjahr hat der mit Politikern besetzte Beirat der Bundesnetzagentur am Montag gebilligt.

Auch an Autobahnen, Bundes- und Landstraßen sowie Bahnstrecken soll es schnelles Internet geben. Doch 5G ist dafür nicht zwingend nötig, in vielen Fällen reicht dafür die aktuelle LTE-Technik.

Telekom beklagt Verschärfung der Auflagen

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist bis zu 100-mal schneller als LTE. Geringere Verzögerungen bei der Datenübertragung von nur einer Millisekunde ermöglichen autonomes Fahren, die Industrie will damit Fabriken vernetzen.

Die beschlossenen Regeln für den Netzausbau sind etwas schärfer formuliert als der ursprüngliche Entwurf, worüber sich etwa die Telekom beklagte. Joachim Pfeiffer (CDU), Vorsitzender des Beirats der Netzagentur sprach dagegen von einem „Sprung nach vorne in die Gigabitgesellschaft“.

Deutschland bei Handyempfang zwischen Albanien und Russland

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sieht wiederum eine große Chance vertan. „Leider wurde heute nicht der Grundstein für ein besseres Mobilfunknetz in Deutschland gelegt. Bei 5G wird es einen Flickenteppich geben und LTE wird kaum stärker im ländlichen Raum ausgebaut“, sagte er unserer Redaktion.

Deutschland werde bei der Leistungsfähigkeit des Mobilfunknetzes weiter im europäischen Tabellenkeller spielen: „Momentan rangieren wir zwischen Albanien und Russland, was den Handyempfang in der Fläche angeht.“

Krischer fordert, die Erlöse aus der Frequenzauktion – Experten erwarten rund fünf Milliarden Euro – in den Netzausbau auf dem Land zu investieren: „Ansonsten wird es dort keine wesentlichen Veränderungen geben.“ Die Auflagen der Bundesnetzagentur seien oft unwirtschaftlich und blieben damit nur „fromme Wünsche der Politik“.

Warum die 5G-Technologie zu Problemen führen kann.

Kommt ein vierter Netzbetreiber?

Ob bei 5G neben der Telekom, Vodafone und Telefónica ein neuer Anbieter auf den Plan tritt, bleibt offen. United Internet (1&1) kündigte eine Entscheidung über eine Teilnahme an der Frequenzauktion nach der Weihnachtspause an. Der Telekom-Chef warnte im Gespräch mit unserer Redaktion bereits im Sommer vor einem unfairen Wettbewerb bei der Auktion.

Ein neuer Anbieter wäre zunächst auf Zugang zu Funkmasten der Konkurrenz angewiesen, das „nationale Roaming“. Dieses hat die Bundesnetzagentur jedoch nicht vorgeschrieben. Erste 5G-Verträge können Kunden wohl ab 2020 abschließen.

Beim vorhandenen Mobilfunknetz hat das Fachmagazin „Chip“ bei allen Anbietern leichte Fortschritte festgestellt, etwa beim Telefónica erreichte erstmals seit der Zusammenlegung der Vorgängernetze O2 und E-Plus die Note „gut“.

Die Telekom und Vodafone schnitten nach Auswertung von 390.000 Messwerten „sehr gut“ ab. Es gebe jedoch weiter ein erhebliches Gefälle bei den Übertragungsraten zwischen Stadt und Land.