Moderator

Jörg Pilawa ist nicht nur vor der Kamera ein Könner

Jörg Pilawa ist nicht nur einer der bekanntesten Moderatoren der Nation. Er ist auch einer der führenden Rateshow-Produzenten im Land.

Jörg Pilawa in einem TV-Studio in Leipzig.

Jörg Pilawa in einem TV-Studio in Leipzig.

Foto: STAR-MEDIA / imago/STAR-MEDIA

Hamburg.  Ob „Quizduell“ oder „Paarduell“, „Rettet die Million“ oder „Weihnachts-Quiz“ – Jörg Pilawa (53) ist der Mann, der Millionen Fernsehzuschauer mit immer neuen Fragespielen begeistert. Auch hinter der Kamera zieht er die Strippen. 2001 gründete er die TV-Produktionsfirma White Balance. 2007 wurde er Inhaber der Produktionsfirma Herr P, an der auch die Firma Endemol beteiligt war. Seit Jahresanfang gehört sie ihm.

Wenn man verstehen will, was den Unternehmer antreibt, muss man bis in die 70er-Jahre zurückgehen. Obwohl familiär in dieser Hinsicht völlig unvorbelastet, verspürte Pilawa „das Unternehmer-Gen schon sehr früh“ in sich. Zunächst ging es um Tätigkeiten wie Rasenmähen in der Nachbarschaft. Dann wirkte er als Vortänzer einer Tanzschule, deren Bar er später betrieb.

„Ich habe schon zu Schulzeiten fünf Tage die Woche gearbeitet“, sagt Pilawa. „Ich kam abends um zehn nach Hause.“ Der Hamburger ist seit Kindesbeinen an einer, der gerne etwas auf die Beine stellt. Diese Einstellung war seinem Erfolg als Schüler und Student nur bedingt zuträglich. Um das Abitur zu schaffen, bedurfte es eines Schulwechsels. Später brach er sowohl Medizin- als auch Geschichtsstudium ab.

Am Beginn seiner Karriere verstand sich Pilawa als Ich-AG

Als Student las er Zählerstände von Heizanlagen ab, fand dann aber seine wahre Berufung als Moderator – zunächst beim schleswig-holsteinischen Privatradiosender RSH. Pilawa empfand sich weiterhin als Ich-AG. Bis heute heftet er alle Rechnungen ab, die er schreibt. Sein Archiv reicht Jahrzehnte zurück. „Das ist das Tagebuch, an dem ich ablesen kann, was ich wann im Leben gemacht habe.“

Er habe immer gern selbstständig gearbeitet, sagt Pilawa. „Da bleibt man wach.“ Doch die Gründung einer Firma, in der er Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen musste, wagte er erst mit 35 Jahren. 2001 gründete er die TV-Produktionsfirma White Balance. Der Moderator war damals von Sat.1 ins Erste gewechselt. Er sollte das Vorabendprogramm mit einer neuen Quizshow auf Vordermann bringen. Aus dem Format namens „Veto“ wurde später „Das Quiz mit Jörg Pilawa“. Die Rechte daran hielt die Kölner Firma Grundy Light Entertainment. Pilawa wollte aber in Hamburg drehen und die Kontrolle an der Produktion behalten, die jährlich auf 220 Sendungen kam. So entstand White Balance, die zusammen mit den Kölnern die Show produzierte.

Es folgten Formate wie „PISA – der große Ländertest“ oder „Der große Partnerschaftstest“. Pilawa produzierte auch für andere Moderatoren. Für den NDR brachte er das von Frank Plasberg moderierte „Die klügsten Kinder des Nordens“ auf den Bildschirm. Und für das ZDF produzierte er „Das will ich wissen“ mit Markus Lanz. Irgendwann zählte seine Firma 120 Mitarbeiter.

Jörg Pilawa will etwas kürzer treten

Als Moderator und Produzent hatte Pilawa keine Zeit, sich um die Vermarktung seiner Formate zu kümmern. Deshalb stieg 2005 die Berliner Firma MME bei White Balance ein, die in dem internationalen Produktionsriesen All3Media aufging. Zwei Jahre danach verkaufte er komplett an MME. Pilawa benötigte ein Jahr Auszeit.

Das Jahr war noch nicht vorüber, als ihn ein Jugendfreund anrief. Der war bei der holländischen Produktionsfirma Endemol auf ein Format gestoßen, als dessen Moderator er sich Pilawa sehr gut vorstellen konnte – „Rette die Million“. Pilawa war sofort Feuer und Flamme. Er gründete mit Endemol die Produktionsfirma Herr P und produzierte die Quizshow für das ZDF.

Anfang des Jahres entschloss sich der heute 53-Jährige, wieder etwas kürzer zu treten, und übernahm die Anteile von Endemol. Heute beschäftigt er noch 15 bis 18 Mitarbeiter in der Hamburger Speicherstadt. Umsatz- und Gewinnzahlen will Pilawa, wie fast alle kleineren Unternehmer, nicht nennen. Laut Bundesanzeiger hat seine Firma 2017 einen Jahresüberschuss von knapp 975.000 Euro erwirtschaftet.

Jörg Pilawa moderiert 60 Sendungen pro Jahr

Mit Formaten wie dem „Quizduell“ und dem von Kai Pflaume moderierten „Kaum zu glauben“ ist Herr P nach wie vor einer der führenden deutschen Produzenten von Quizshows. Zudem beschäftigt sich Pilawa mit dem Thema Talk – „Das wird wieder kommen“ – und denkt über digitale Angebote nach, nicht nur für Sender, auch etwa für die Lebensmittelbranche.

Doch heute füllt ihn sein Produzentendasein komplett aus. 60 Sendungen pro Jahr moderiert er selbst. In den kommenden Jahren will Pilawa vor allem Shows mit noch unbekannten Moderatoren ins Fernsehen bringen. Wachstumsziele hat er nicht. „Es gibt nichts in der Natur, das stetig wächst, ohne irgendwann kaputt zu sein. Immer zu sagen: noch mehr und noch mehr – das kann es nicht sein.“ Für einen Unternehmer eine eher ungewöhnliche Ansicht.