Kommentar

Google-Absage ist schlecht für Berlins Ruf

Durch die Absage büßt Berlin an Wirtschaftsfreundlichkeit ein. Das könnte die Stadt teuer zu stehen kommen, meint Dominik Bath.

Kreuzberg. Der Internetkonzern Google legt seine Pläne, aus dem Umspannwerk an der Ohlauer Straße in Kreuzberg einen Campus für Start-ups zu machen, auf Eis. Stattdessen soll in den alten Hallen jetzt ein Stück heile Welt entstehen: Aus dem Umspannwerk wird bis Frühjahr 2019 ein Haus für soziales Engagement. Gemeinnützige Organisationen und soziale Initiativen sollen darin Platz finden, um eigene, nicht gewinnorientierte Projekte vorantreiben zu können.

Die neuen Pläne sind auch ein Sieg des Kreuzberger Baustadtrats Florian Schmidt. Dem Grünen-Politiker ist es gelungen, Googles Einzug zu verhindern. Schmidt befürchtete vor allem steigende Mieten im ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt seines Bezirks. Auch Aktivisten hatten deswegen im September das Umspannwerk besetzt. Die Polizei schritt ein.

Schlecht für den Bezirk und für ganz Berlin

Doch Schmidt erreicht durch das Verhindern von Google nichts – jedenfalls nichts Gutes für Berlin. Zum einen gewinnt die Gegend auch mit den nun verkündeten Plänen an Attraktivität. Zum anderen könnten die Folgen für den Bezirk noch weitreichender sein: Friedrichshain-Kreuzberg, bislang in vielen Ecken die Heimat von Start-ups, hat durch die Google-Absage in Sachen Wirtschaftsfreundlichkeit eingebüßt. Das ist schlecht für den Ruf des Bezirks, aber auch für ganz Berlin.

Nicht zuletzt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hätte den Grünen-Stadtrat Schmidt stoppen müssen. Pop ist gefragt, Berlin beim Umgang mit Wirtschaftsgrößen eine konsistente Strategie aufzuerlegen. Man kann nicht einerseits um eine Ansiedlung von Tesla werben und andererseits den mächtigen und weltweit gut vernetzten Google-Konzern so vor den Kopf stoßen. Berlin braucht für das weitere Wachstum attraktive Arbeitsplätze, von denen die Menschen in der Stadt auch leben können. Dass Google nach den Anfeindungen nun aufgibt, ist auch ein Versagen des rot-rot-grünen Senats.

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