Schuhhandel

So will der Görtz-Chef gegen Zalando und Co. bestehen

Görtz-Geschäftsführer Frank Revermann über klassische Schuhgeschäfte, Neueröffnungen, den Handel im Internet und die Firmensanierung.

Foto: Görtz

Berlin.  Im Schuhhandel herrscht harte Konkurrenz. Vor allem Internethändler machen den Läden das Leben schwer. Seit 2010 verschwand jedes fünfte Geschäft, heute gibt es in Deutschland noch rund 4000 Schuhläden. Auf welche Strategien das deutschlandweit tätige Familienunternehmen Görtz aus Hamburg setzt und welche Zukunft die Branche hat, erklärt Geschäftsführer Frank Revermann.

Herr Revermann, wer ist für Sie die wichtigere Käufergruppe: Frauen oder Männer?

Frank Revermann: Beide sind sehr wichtig, aber Frauen ein bisschen wichtiger. Denn Frauen kaufen mehr Schuhe. Frauen sorgen für zwei Drittel unseres Umsatzes. Das finden wir natürlich traumhaft.

Zalando und Amazon machen den Schuhhändlern seit Jahren das Leben schwer. Viele Geschäfte verschwinden vom Markt. Sind die Tage des stationären Handels gezählt?

Revermann: Nein, auf keinen Fall. Den stationären Handel wird es immer geben. Wir brauchen für unsere Gesellschaft schöne Städte. Und schöne Städte brauchen Läden. Wir glauben an den stationären Handel.

Planen Sie Neueröffnungen von Läden?

Revermann: Derzeit haben wir 160 Geschäfte in den 100 größten deutschen Städten. Wir wollen weiterwachsen, eröffnen aber nur Läden, wenn es gute Opportunitäten gibt – also wenn der Standort und der Mietpreis stimmen. In größeren Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln setzen wir auf Flagship-Stores, in kleineren Städten eher auf kleinere Filialen.

Kommt es vor, dass Sie Läden wegen drastischer Mieterhöhungen aufgeben? Oder akzeptieren Sie jede Forderung?

Revermann: Auf keinen Fall, sonst lassen sich keine Renditen erzielen. Man kann heute nicht jeden Mietpreis akzeptieren. Wenn eine Lage an Attraktivität verliert, geben manche Vermieter sogar Nachlässe, um Läden zu halten.

Welche Strategie verfolgen Sie, um gegen die Konkurrenz im Internet zu bestehen?

Revermann: Wir setzen auf ein Multikanalgeschäft – also auf eine Mischung aus Online- und Ladengeschäft. Viele unserer Kunden schauen sich Schuhe im Internet an, bestellen sie dann aber in eine Filiale und kaufen sie dort. Andere bestellen nur online oder kaufen nur in Läden.

Wo erzielt Görtz den meisten Umsatz – in den Filialen oder übers Internet?

Revermann: Wir brauchen beide Kanäle, aber das Kerngeschäft erfolgt über die Filialen. Dort wird der Hauptanteil des Umsatzes erzielt. Das Onlinegeschäft trägt zweistellig bei, liegt aber noch unter 20 Prozent. Dies ist vergleichsweise viel. Der Onlineanteil in der klassischen Schuhbranche beträgt fünf Prozent.

Vor Jahren rutschte Görtz in die roten Zahlen, verordnete sich eine Rosskur. Hat sich das Unternehmen erholt?

Revermann: Wir sind seit zwei Jahren wieder profitabel. Konkrete Umsatz- und Gewinnzahlen nennen wir aber nicht. Wir beschäftigen rund 3000 Mitarbeiter und wir verkaufen mehrere Millionen Paar Schuhe.

Wie sehen Sie Görtz strategisch in fünf Jahren aufgestellt?

Revermann: Wir modernisieren gerade unser Warenwirtschaftssystem. Das führt zu einer noch größeren Verschmelzung zwischen Online- und stationärem Geschäft. Künftig können Onlinebestellungen auch aus den Filialen heraus versendet werden und nicht nur über unser Zentrallager in Norderstedt.

Haben sich die Käuferwünsche verändert?

Revermann: Definitiv. Der Kunde ging früher in einen Laden, um etwas Neues zu entdecken. Heute hat der Kunde das Neue meistens schon im Internet gesehen – in einem Onlineshop, bei einem Blogger oder bei Instagram. Somit ist der Überraschungseffekt eher weg. Deshalb inszenieren wir heute Schuhe mehr. Auch Verkäufer müssen mehr über Modeströmungen und das Produkt sprechen können.

Setzen Sie eher auf günstige Schuhe oder höhere Qualitäten?

Revermann:Wir setzen auf Marken im Premiumbereich. Auf Qualitätsschuhe. Dazu führen wir auch eigene Marken wie Ludwig Görtz, Cox oder Another A, die von eigenen Designern entwickelt werden. Insgesamt haben wir rund 5000 Modelle im Angebot.

Wohin geht der Schuhtrend?

Revermann: Der Casualtrend setzt sich fort. Gefragt sind Schuhe, die sowohl im Beruf als auch in der Freizeit getragen werden können. Bei Frauen gibt es wieder mehr Farbe, wie Rot oder Senfgelb, die Leisten werden schmaler und spitzer.

Was passiert mit Schuhen, die nicht verkauft werden? Landen diese dann in Afrika, wie viele Kleidungsstücke?

Revermann: Nein. Wir verkaufen Schuhe der Vorsaison in unseren eigenen Outlet-Geschäften. Manchmal spenden wir auch Restbestände an Hilfsorganisationen.