Industrie und Handel

Berliner Wirtschaft bejubelt goldenen Konjunkturherbst

Eine gute Geschäftslage für Berliner Unternehmen. Nur Fachkräftemangel und Infrastruktur begrenzen den Wirtschaftsboom.

Der Baubereich im Handwerk kann sich über eine gute Auftragslage freuen

Der Baubereich im Handwerk kann sich über eine gute Auftragslage freuen

Foto: picture alliance/Fabrice Michaudeau / picture alliance / PantherMedia

Berlin. Unternehmen in Berlin bewerten ihre wirtschaftliche Lage so gut wie nie zuvor. Das geht aus einer Umfrage der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin unter 1200 Mitgliedsbetrieben hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach betrachten 95 Prozent der Berliner Unternehmen die derzeitige Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend.

Beim Handwerk erreichte der Geschäftsklimaindex mit 139 Punkten neue Rekordwerte. Das Hoch freut die Betriebe, die so viele Aufträge wie nie zuvor in den Büchern stehen haben. Gleichzeitig müssen Kunden immer länger warten, bis ein Handwerker mal vorbeischaut. Im Baugewerbe etwa stieg die sogenannte Auftragsreichweite auf 12,5 Wochen an.

Die Geschäftsergebnisse und auch die Erwartungen seien so gut wie nie, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Jürgen Wittke. „Bei uns gibt es keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend sich verändern wird. Der Baubereich im Handwerk boomt und ist einer der Konjunkturmotoren dieser Stadt. Berlin ist und bleibt eine Baustelle – und das ist gut so“, sagte Wittke.

Mangel an Fachkräften und Infrastruktur bremsen

Auch die Industrie habe zum Jahresende neuen Schwung aufgenommen, sagte IHK-Chef Jan Eder. Die Planungen der Unternehmen deuteten allerdings darauf hin, dass die Dynamik in den nächsten Monaten etwas nachlassen könnte. „Die Berliner Unternehmen und ihre Märkte wachsen rasant – doch der Standort wächst nicht schnell genug mit“, sagte Eder. Immer mehr Firmen meldeten Wachstumsrisiken an, weil Flächen, Fachkräfte, Verkehrs- und Digitallösungen fehlten, so der Kammer-Geschäftsführer.

Der Standort Berlin müsse an seiner strukturellen Fitness als Wirtschaftsstandort arbeiten. „Der Senat muss in Infrastruktur und Bildung investieren sowie Gewerbeflächen sichern und entwickeln“, so Eder. Sonst stoße der Konjunkturboom an Grenzen.

Vor allem die angespannte Situation auf dem Personalmarkt macht vielen Firmen weiter Sorge. 74 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. Im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 62 Prozent. Über alle Branchen hinweg wolle jedes dritte Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, so ein Ergebnis der Studie.

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