Handelskonflikte

Börsen im Abwärtsstrudel – Unsicherheit belastet Aktienmarkt

Dax und Dow Jones sind am Mittwoch stark gefallen. Schuld ist das anhaltende Unbehagen wegen Handelskonflikten und der US-Zinspolitik.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Spekulationen auf Zinserhöhungen der US-Notenbank machen Anleger nervös.

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Frankfurt/Main.  Monatelang ist es an den Börsen der Welt gut gelaufen – trotz zahlreicher Risiken. Jetzt scheint die gute Stimmung vorbei zu sein. Es begann am Mittwoch (Ortszeit) in den USA. Der wichtige US-Leitindex Dow Jones an diesem Mittwoch verlor 830 Punkte, der drittgrößte Tagesverlust in seiner Geschichte.

In der Folge ging es auch am deutschen Aktienmarkt abwärts, der Dax fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Fe­bruar 2017. Und nach Börsenöffnung in den USA am Donnerstag verloren die Börsen weiter.

Warum bricht der Aktienmarkt jetzt ein?

Man muss unterscheiden zwischen einem länger schon anhaltenden Unbehagen an den Finanzmärkten und dem aktuellen Auslöser. Der dürfte in den pessimistischen Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) der vergangenen Tage liegen.

Der IWF hatte zunächst seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft vor allem wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China – ausgelöst von US-Präsident Donald Trump – gesenkt. Dann warnte der Fonds vor abrupten Turbulenzen an den Finanzmärkten der Welt – wegen der Handelskonflikte und anderen geopolitischen Risiken. Das ließ die Börsen am Mittwoch abstürzen.

Welche Risiken sehen die Anleger?

Sie sorgen sich um einen kräftigen Zinsanstieg in den USA. Fällt der zu stark aus, investieren die Firmen nicht mehr, die Käufer halten sich zurück. Das bremst die Konjunktur. Jerome Powell, Präsident der US-Notenbank Fed, deutete schon an, die Fed könnte angesichts der guten Konjunktur die Zinsen vielleicht schneller anheben als angekündigt. Hans-Jürgen Delp, Anlagestratege der Commerzbank, glaubt allerdings: Die Fed richte sich nach der Entwicklung der Konjunktur, sie werde sie sicher nicht abwürgen.

US-Präsident Donald Trump, der sich sonst immer für die gute Konjunktur feiert, hat den Bösewicht bereits ausgemacht: die Fed. Er verstieß gegen ein ungeschriebenes Gesetz und griff die unabhängige US-Notenbank auf dem Kurznachrichtendienst Twitter an: Die Fed sei verrückt geworden. Dabei war er es, der mit der Steuerreform Ende 2017 die gut laufende Wirtschaft noch stärker angeschoben hatte. Mit weiteren Zinserhöhungen musste er deshalb rechnen, denn die Fed will nicht, dass die Wirtschaft überhitzt.

Gibt es weitere Unsicherheiten?

Italien, drittgrößte Volkswirtschaft der EU, will die Staatsschulden ausweiten und legt sich deshalb mit der EU an. Der Konflikt birgt große Sprengkraft für den Euro. Unklar ist auch noch, wie es beim Brexit weitergeht und ob es eine praktikable Lösung geben wird.

Welche Aktien werden verkauft?

Praktisch alle. Besonders hart trifft es jene Aktien, die vorher stark zugelegt haben. Das sind vor allem Technologie-Aktien. In den USA erwischte es vor allem die Apple-Papiere, die kräftig verloren. Auch Microsoft und Amazon waren unter Druck, alles Schwergewichte der US-Industrie.

Wie soll der Anleger reagieren?

Das ist derzeit schwer zu sagen. Für die Börsianer ist auch die eher akademische Charttechnik ein Anhaltspunkt. Der nächste Haltepunkt im Dax wäre bei 11.480 Punkten. Es gibt Auguren, die in den aktuellen Entwicklungen Parallelen zu 1929 sehen, wo ein Börsenhöhenflug in der Finanzkrise endete: Davor warnte kürzlich Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller. Andere sehen in den Kursverlusten einen guten Zeitpunkt zum Kauf.