Mode

US-Firma Michael Kors kauft italienisches Modelabel Versace

Versace wird an die US-Modegruppe Michael Kors verkauft. Das Label war als eines der letzten in Italien im Besitz der Gründerfamilie.

Die Modegruppe Michael Kors hat etwa 1,8 Milliarden Euro gezahlt, um das legendäre italienische Modehaus Versace zu übernehmen.

Die Modegruppe Michael Kors hat etwa 1,8 Milliarden Euro gezahlt, um das legendäre italienische Modehaus Versace zu übernehmen.

Foto: Richard Drew / dpa

Mailand/London.  Lady Gaga, Sting und Prinzessin Diana – das Luxuslabel Versace ist bei vielen Stars auf der ganzen Welt beliebt. Jetzt wurde das italienische Modehaus an die US-Modegruppe Michael Kors verkauft.

Michael Kors zahle rund 1,8 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Versace ist eine von wenigen Luxusmarken in Italien, die bislang noch im Besitz der Gründerfamilie war.

Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar

„Die Übernahme ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Gruppe“, so Michael Kors-Chef John D. Idol. Seit mehr als 40 Jahren sei Versace der Inbegriff des italienischen Mode-Luxus. „Wir freuen uns, Versace als Teil unserer Familie von Luxusmarken zu haben, und wir verpflichten uns, in sein Wachstum zu investieren.“

Versace solle so auf einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar wachsen. „Wir sind überzeugt, dass die Stärke der Marken Michael Kors und Jimmy Choo wie auch die Übernahme von Versace uns in die Lage versetzen, ein mehrjähriges Umsatz- und Gewinnwachstum zu erreichen.“

Donatella Versace spielt auch weiterhin wichtige Rolle

Michael Kors teilte zudem mit, dass die US-Modegruppe in Capri Holdings umbenannt werde. Der italienischen Kultmarke soll mit der Nennung der Insel Capri, die für Extravaganz und Luxus steht, Rechnung getragen werden.

Chef-Designerin Donatella Versace soll auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wie der exzentrische Modestil ist auch das durchaus streitbare Aussehen – ihre blonden Haare, die straffen Gesichtszüge und vollen Lippen – der 63-Jährigen eng mit der Marke verknüpft.

Das Modehaus wurde 1978 von Gianni Versace gegründet. Seine Familie kontrollierte zuletzt noch 80 Prozent des Unternehmens: 20 Prozent entfielen auf Schwester Donatella, 30 Prozent auf Bruder Santo, die restlichen 50 Prozent auf Donatellas Tochter Allegra.

Konsumrückgang durch Wirtschaftskrise

„Donatella wird weiterhin die kreative Vision des Unternehmens leiten“, verkündete Michael-Kors-Chef John D. Idol.

Obwohl sich Luxus-Designermode angetrieben von einem Boom in Asien großer Beliebtheit erfreut, tat sich Versace in den vergangenen Jahren eher schwer. Der durch die Wirtschaftskrise ausgelöste Konsumrückgang hatte dem Unternehmen zu schaffen gemacht.

Nach weltweiten Stellenstreichungen und Sparmaßnahmen verbesserte sich die Lage aber zuletzt wieder. Im vergangenen Jahr kehrte das Mailänder Modehaus in die schwarzen Zahlen zurück und erzielte bei einem Umsatz von 686 Millionen Euro einen Gewinn von 15 Millionen Euro.

Starke Nachfrage aus China

Versace kämpft im Luxus-Segment mit harter Konkurrenz etwa durch den zum französischen Branchenriesen LVMH gehörenden Rivalen Louis Vuitton und andere Nobelmarken wie Gucci oder Prada. Der Markt brummt insbesondere dank starker Nachfrage aus China.

Doch auch in Deutschland oder den USA steht teure Designermode durchaus hoch im Kurs – zum Beispiel in der auf Status-Symbole bedachten Rap-Szene.

Mit ihren schrillen Leoparden-Mustern und dem Medusakopf als Logo trifft Versace bei weitem nicht jeden Geschmack, doch Liebhaber lassen sich die Stücke Tausende Dollar oder Euro kosten. Zu Versace-Trägern zählte neben Lady Gaga und Sting auch Prinzessin Diana. Im Oktober 2016 löste Michelle Obama Begeisterung mit einem Versace-Kleid aus.

Michael Kors: Edel-Anbieter mit günstigeren Preisen

Auch Michael Kors definiert sich als Edel-Anbieter, spielt mit seinen Handtaschen und Accessoires aber in einer preislich deutlich günstigeren Liga. Der Konzern wurde 1981 vom gleichnamigen US-Modedesigner Michael Kors gegründet und ist an der New Yorker Börse notiert, hat seinen Sitz aber inzwischen in London.

Das Unternehmen expandiert kräftig und gab erst 2017 rund 1,2 Milliarden Dollar für die Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo aus. Michael Kors versucht mit Zukäufen, den großen Konglomeraten wie LVMH oder der Gucci- und Balenciaga-Mutter Kering Konkurrenz zu machen. Sie hatten laut US-Medien ebenfalls ein Auge auf Versace geworfen.

Versace Aktie fällt im US-Handel

Im vergangenen Geschäftsjahr machte Michael Kors nach eigenen Angaben einen Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar. Obwohl Versace zu den schillerndsten Marken der Modewelt zählt, kam die Übernahme bei Anlegern zunächst überhaupt nicht gut an - bereits nach den ersten Berichten sackte die Aktie im US-Handel kräftig ab.

Vor 40 Jahren hatte Gianni Versace die erste Kollektion mit seinem Namen präsentiert und mischte fortan die norditalienische Modeindustrie kräftig auf. In den 1980er und 1990er Jahren gelang der Marke der weltweite Durchbruch, sie wurde bekannt für ihre Opulenz und knalligen Farben. Der Designer wurde vor mehr als 20 Jahren vor seiner Villa in Florida erschossen. (dpa/rtr/msb)