Berlin

Apfel der Begeisterung

Der Rummel um Apples iPhone ist wie immer riesig. Es ist das wichtigste Produkt des Technologiekonzerns

Berlin. „Gather round“ , frei übersetzt etwa „Versammelt euch“: Mehr hatte nicht auf der Einladung gestanden, mit der Apple vor knapp zwei Wochen ausgewählte Prominenz und Technik-Journalisten aus der ganzen Welt zu einer Veranstaltung auf dem Firmen-Campus einlud. Doch es wusste ohnehin jeder, worum es gehen würde: das wichtigste Produkt des Konzerns, das für mehr als die Hälfte des Umsatzes steht und seit mehr als zehn Jahren für den Nimbus der Marke.

Seit 2012 ist der Zeitraum Anfang September für die Vorstellung der neuen iPhones reserviert. Und obwohl Apple wie üblich alle Informationen dazu streng geheim hielt, rutschten vor dem Termin erneut etliche Einzelheiten zu den neuen Smartphones durch – in diesem Jahr sogar erstmals Produktbilder von Apple selbst. Auch in den vergangenen Jahren wusste die IT-Gerüchteküche der Welt recht genau über die neuen iPhones Bescheid – dem riesigen Interesse an der Vorstellung tat das in den vergangenen Jahren aber nie einen Abbruch.

So verfolgen vermutlich Millionen Menschen rund um den Globus jedes Jahr per Internet-Livestream, wie Apple-Boss Tim Cook die Produkt-News seines Unternehmens vorstellt. Apple verrät hier zwar keine Nutzerzahlen, aber Auswirkungen sind buchstäblich im gesamten Netz zu spüren. Vor zwei Jahren twitterte etwa Akamai, einer der größten Datendienstleister des WWW, dass man noch nie so viele Videodaten gleichzeitig übertragen musste wie während der jährlichen iPhone-Vorstellung.

Doch die Apple-Verzückung befällt nicht nur Technik-Fans – auch Analysten und Börsianer kommen beim Gespräch über den Tech-Riesen ins Schwärmen – das verrät schon Apples gigantischer Börsenwert. Vor einem Monat machte das Unternehmen Schlagzeilen damit, dass es als erstes privatwirtschaftliches Unternehmen überhaupt einen Börsenwert von einer Billion Dollar (860 Milliarden Euro) erreichte. Und der Schlüssel zu diesem Reichtum ist das iPhone.

Apple mag zwar mit Mac-Computern, Online-Diensten, App-Verkäufen sowie sehr gut laufenden Tablet- und Smartwatch-Sparten deutlich mehr zu bieten haben als das iPhone – ein Blick in die Quartalsberichte verrät aber, woher das Gros des Reichtums stammt: Im zurückliegenden zweiten Quartal 2018 setzte das Unternehmen 53,2 Milliarden Dollar um – mehr als die Hälfte, knapp 30 Milliarden Dollar, stammen allein aus iPhone-Verkäufen. Damit dürfte auch ein wesentlicher Teil der 11,5 Milliarden Dollar Nettogewinn im Quartal auf das Konto des Smartphones gehen.

Das iPhone ist nicht nur das wichtigste Produkt Apples, angesichts der Zahlen darf es wohl als eines der wirtschaftlich relevantesten Konsumgüter der Welt betrachtet werden. Im hart umkämpften Smartphone-Markt hat es eine Sonderstellung inne. Anders als die Hauptkonkurrenten Samsung aus Südkorea und Huawei aus China setzt Apple nicht auf Googles Betriebssystem Android, sondern auf die Eigenentwicklung iOS – und das hat Millionen treue Anhänger.

Dass Huawei vor wenigen Wochen erstmals mehr verkaufte Smartphones ausweisen konnte als Apple und das Unternehmen damit vom zweiten Platz hinter Samsung stieß, dürfte in der Apple-Zentrale nur für Schulterzucken gesorgt haben. Auch wenn die iPhone-Absatzzahlen zuletzt nur leicht gestiegen sind, wuchsen Umsatz und Gewinn deutlich.

Denn während Huawei Mitbewerbern wie Samsung mit niedrigeren Preisen die Kunden abnahm, machte Apple im vergangenen Jahr das Gegenteil und setzte den Preis: Das iPhone X kostet mehr als 1150 Euro – so viel wie kein reguläres Smartphone zuvor. Dennoch wurde es zu einem Verkaufsschlager. Auch das geht wohl nur mit dem iPhone. Und vieles spricht dafür, dass sich dieser Erfolg auch in diesem Jahr wiederholt.