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Streik

Ryanair will am Donnerstag Normalbetrieb wieder aufnehmen

Streik beim Billigflieger: Am Mittwoch legen Piloten und Flugbegleiter die Arbeit nieder. Auch Tegel und Schönefeld sind betroffen.

Di, 19.06.2018, 13.49 Uhr

Billigflieger: Auch bei den günstigen Airlines werden die Tickets teurer. Diese Fluglinie bietet derzeit die preiswertesten Tickets an.

Frankfurt/Main.  Der Billigflieger Ryanair kehrt nach seinem 24-stündigen Streik vom Mittwoch wieder zum Normalbetrieb zurück. Die Gewerkschaften hatten das Ende der Arbeitsniederlegung für 2.59 Uhr angekündigt – also weit vor den ersten geplanten Starts. Es soll an diesem Donnerstag 400 Flugbewegungen von und nach Deutschland geben.

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Ryanair-Organisationschef Peter Bellew hatte sich am Mittwoch optimistisch gezeigt, das volle Programm abfliegen zu können. Man habe wegen der Flugausfälle sogar Zeit für vorgezogene Wartungsarbeiten gehabt.

150 Maschinen blieben am Boden

Am Mittwoch hatten die in Deutschland stationierten Piloten und Flugbegleiter erstmals gemeinsam gestreikt, Mitarbeiter an vielen Standorten hatten sich beteiligt. 150 Maschinen waren am Boden geblieben. Die meisten Flugausfälle gab es an den größten Standorten Frankfurt und Berlin. Das Flugpersonal folgte einem Aufruf der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi.

Die Vereinigung Cockpit (VC) und auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatten die rund 400 in Deutschland stationierten Kapitäne, Co-Piloten und rund 1000 Flugbegleiter zum Streik bei Europas größtem Billigflieger aufgerufen. Nach dem Willen der Gewerkschaften sollten der Arbeitskampf Ryanair hart treffen. „Es wird für Ryanair am Mittwoch sehr schwierig, noch Flugzeuge aus Deutschland zu bewegen“, hatte der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, am Dienstag gesagt.

Neue Verhandlungstermine stehen noch nicht fest, obwohl beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft betont haben. Inhaltliche Annäherungen waren am Streiktag nicht zu erkennen. Ryanair hielt seine Drohung aufrecht, bei einer Ausweitung der Streiks den Abzug einzelner Maschinen und der damit verbundenen Jobs zu prüfen. Ryanair-Chef Michael O’Leary nannte die Forderungen der deutschen Gewerkschaften teils „aberwitzig“.

Gewerkschaft schließt längeren Konflikt nicht aus

In einem ersten Statement am Mittwoch zeigte sich Markus Wahl, Vizepräsident der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, zufrieden. „Die Beteiligung ist gut“, sagte er gegenüber airliners.de.

Unterdessen hält Ingolf Schumacher, Tarifexperte der Gewerkschaft, eine Verlängerung des Arbeitskampfs für möglich. „So lange Ryanair keine verbesserten Angebote macht, muss es notfalls hier auch weitere Streiks geben“, sagte er am Frankfurter Flughafen.

Verdi-Vertreterin Katharina Wesenick sprach von „mittelalterlichen Arbeitsbedingungen“ bei Ryanair und sagte mit Blick auf die Auseinandersetzung: „Wir sind weit davon entfernt, uns zu einigen.“

Ryanair-Chef äußert sich zu Streiks

Das sieht offenbar auch Ryanair-Chef Michael O’Leary so. In einem Statement am Mittwoch sagte er, es werde noch eine Weile dauern, bis es zu einem Abschluss von Vereinbarungen mit Gewerkschaften kommt.

Man wolle zwar keine Streiks, werde diese aber hinnehmen, um das Geschäftsmodell als Billigflieger zu bewahren, sagte der Manager auch mit Blick auf die aktuellen Arbeitsniederlegungen in Deutschland. Die Streiks hätten nur einen winzigen Effekt auf den gesamten Betrieb.

Ryanair-Kunden müssen ausweichen

Viele Kunden mussten am Mittwoch auf Bahnen, Busse oder andere Fluglinien ausweichen. Das Unternehmen Flixmobility hatte angekündigt, betroffenen Ryanair-Kunden kostenlose Tickets auszustellen. Diese gelten dann für die Marken Flixbus und Flixtrain.

Wann hatte der Streik begonnen?

Los ging der Streik am Mittwoch, 12. September, um 03.01 Uhr. Er sollte 24 Stunden dauern. Verdi sprach von einem ganztägigen Streik an allen deutschen Standorten.

Worum ging es?

Wie beim ersten Arbeitskampf Mitte August ging es erneut um die Gehälter und Arbeitsbedingungen der bislang ohne Tarifvertrag fliegenden Piloten des größten Billigfliegers in Europa.

Zwischenzeitlich hat das Unternehmen mit den nationalen Pilotengewerkschaften in Italien und Irland separate Abschlüsse getroffen, die aber der deutschen VC offenkundig nicht ausreichen. Die Einigungen könnten nicht als Blaupause für eine Lösung in Deutschland dienen, erklärte die VC am Montagabend in Frankfurt.

Welche Flüge waren vom Ryanair-Streik betroffen?

Wegen des Streiks hatte die Fluggesellschaft 150 von insgesamt 400 Flügen von und nach Deutschland gestrichen.Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte sich hingegen optimistisch gezeigt, dass am Ende des Tages wesentlich mehr Flüge, nämlich zwischen 60 und 70 Prozent ausfallen. Ryanair teilte am Mittwochmorgen per Twitter mit, dass die verbliebenen 30 Morgenflüge aus Deutschland planmäßig gestartet seien.

Bei dem ersten Streik der Ryanair-Piloten in Deutschland Anfang August waren an einem Freitag etwa 250 Flüge ausgefallen . Betroffen waren die Flughäfen in Düsseldorf, Weeze, Köln/Bonn, Berlin (Schönefeld, Tegel), Hamburg, Bremen, Nürnberg und Memmingen.

Allerdings musste sich Ryanair damals auf Streiks in mehreren Ländern einstellen. Am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge rund 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren rund 55.000 Passagiere. Ein Drittel der Flüge in Deutschland konnte damals stattfinden, weil die Maschinen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland gekommen waren.

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Welche Rechte haben Kunden bei einem Streik?

Streiks zählen in der Regel zu „außergewöhnlichen Umständen“, das heißt, dass Fluggäste keinen Anspruch auf eine Entschädigung haben, wenn ein Flug ausfällt oder verspätet ist. Allerdings sieht die EU-Fluggastrechteverordnung unter anderem vor, dass Fluggäste bei Verspätungen am Flughafen betreut werden müssen – wenn die Fluglinie die Verspätung oder den Ausfall nicht rechtzeitig mitteilt.

Beim letzten Streik hatte Ryanair die Fluggäste jedoch frühzeitig informiert und auf andere Flüge umgebucht oder den Ticketpreis zurückerstattet. Dies hatte die Fluglinie selbst mitgeteilt.

Wie begründen die Gewerkschaften den Streik?

Ryanair leidet derzeit unter der heftigsten Streikwelle in der Geschichte der Fluggesellschaft. „Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August, herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch. Wir erwarten endlich Lösungen“, so Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit.

Ryanair hatte zuletzt ein Angebot zu einer Schlichtung gemacht. Jedoch konnten sich die beiden Parteien nicht auf einen Schlichter einigen. Laut VC habe der vorgeschlagene irische Schlichter nicht genügend Rechtskompetenz für das deutsche Arbeitsrecht. Die Vereinigung Cockpit vermutet deshalb, dass es dem Unternehmen Ryanair nicht an einer ernsthaften Schlichtung gelegen sein.

Neben den Piloten werden am Mittwoch auch die Flugbegleiter von Ryanair streiken. Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat dazu aufgerufen. Nachdem auch die zweite Verhandlungsrunde am 5. September ohne Ergebnis verlaufen sei, „ruft Verdi die Beschäftigten zum Arbeitskampf auf, um Druck auf die Arbeitgeber zu machen“, teilte die Gewerkschaft am Montagabend in Berlin mit. Bei den Verhandlungen geht es nach Verdi-Angaben um rund 1000 Flugbegleiter bei Ryanair in Deutschland.

Ein bislang vorliegendes Entgeltangebot nannte Verdi indiskutabel. „Es sieht für die Jahre 2018 und 2021 keine Erhöhungen vor, für 2019 die Umwandlung einer bestehenden Leistungsprämie sowie eine Erhöhung pro Flugstunde um lediglich 50 Cent und eine Erhöhung der Entgelte in 2020 um 41 Euro pro Monat“, heißt es in der Mitteilung. (dpa/ac/rtr/mbr)

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