Tourismus

Spanien ist bei Fluggästen das beliebteste Urlaubsziel

Deutsche fliegen vor allem Ziele in Europa an, Spanien liegt weit vorne. Das zeigt eine Umfrage. Asien wird als Fernziel wichtiger.

Viele Schnäppchen, kaum Schlangen: So bucht man Urlaub gut und günstig

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Berlin.  Die Luftfahrt befindet sich im Umbruch. Die Branche boomt, die Nachfrage wächst, die Billigflieger werden mächtiger. Doch wie tickt der Luftverkehrsstandort Deutschland? Wer fliegt überhaupt – und wohin?

Alle drei Jahre lässt der Flughafenverband ADV mit dem Marktforschungsinstitut IFAK eine groß angelegte Umfrage an den deutschen Airports durchführen. Zuletzt wurden über das komplette Jahr 2017 an 23 deutschen Flughäfen von Hamburg bis Friedrichshafen mehr als 162.000 abfliegende Passagiere aus der ganzen Welt befragt.

Die Ergebnisse wurden hochgerechnet und im neuen „Airport Travel Survey“ zusammengefasst. Die Umfrage liegt dieser Redaktion exklusiv vor. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen:

Beruflich oder privat – aus welchem Anlass wird geflogen?

Es wird voller an Deutschlands Flughäfen, was viele zuletzt an den Schlangen beim Check-in und bei den Sicherheitskontrollen merken konnten. 87,8 Millionen Passagiere – umsteigende Passagiere nicht eingerechnet – flogen 2017 von deutschen Airports ab: 13 Prozent mehr als 2014, dem Jahr der bisher letzten Erhebung.

An erster Stelle standen Urlauber (34,9 Millionen Passagiere), dann Passagiere, die beruflich reisten (28,1 Millionen). Die dritte und mit einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zu 2014 am deutlichsten wachsende Gruppe (24,8 Millionen) reiste aus privaten Gründen, zum Beispiel um Freunde oder Familie zu besuchen.

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Wie alt sind die Flugreisenden?

Das Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren – wobei jüngere Passagiere öfter fliegen als früher. Der Anteil der jungen Fluggäste bis zu 29 Jahren ist in drei Jahren von 22 auf 25 Prozent gestiegen. Möglicherweise hat das mit den Billigfliegern zu tun. Denn Hin- und Rückflug etwa von Berlin nach Wien sind zum Beispiel für rund 40 Euro möglich. Das ist deutlich billiger als bei der Bahn und auch schneller.

In den anderen Altersstufen gab es hingegen keine signifikanten Veränderungen. Die größte Gruppe ist die der 30- bis 44-Jährigen mit 44 Prozent. Senioren fliegen dagegen selten: Nur vier Prozent der Passagiere sind 70 oder älter.

Wohin reisen die Passagiere?

Wer in Deutschland startet, fliegt vor allem Ziele in Europa an – wenn er nicht innerhalb Deutschlands unterwegs ist. 56,7 Millionen Passagiere reisten innerhalb Europas, zum Beispiel an die spanische Mittelmeerküste. 16,4 Millionen Passagiere flogen deutsche Ziele an.

Nordamerika (4,1 Millionen) ist zwar das beliebteste Fernziel, aber Asien (3,8 Millionen) holt mit einem Plus von 19 Prozent im Vergleich zu 2014 auf.

Welche Flugziele sind besonders gefragt?

Wer beruflich von deutschen Flughäfen abhebt, hat zumeist auch ein deutsches Flugziel. 10,79 Millionen Passagiere nutzten 2017 innerdeutsche Verbindungen. Geht ein geschäftlicher Flug ins Ausland, so steht Großbritannien an erster Stelle (2,31 Millionen). Es folgen die Schweiz (1,28 Millionen), Österreich (1,21 Millionen), Italien (1,16 Millionen), Spanien (1,12 Millionen) und dann erst die USA (1,03 Millionen). Das zweit­beliebteste Fernreiseziel für Geschäftsreisende ist China (0,50 Millionen).

Das beliebteste Urlaubsziel im Ausland ist mit Abstand Spanien. 11,8 Millionen zog es dorthin, ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zu 2014. Mit großem Abstand folgen die Türkei (4,56 Millionen), Großbritannien (3,93 Millionen), Italien (3,87 Millionen), Griechenland (2,63 Millionen) und die USA (2,59 Millionen).

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In die Türkei sank die Passagierzahl um 19 Prozent – der politische Kurs von Staatspräsident Tayyip Recep Erdogan und die Sicherheitslage verschreckten offenbar einige Urlauber. Den größten Zuwachs mit 46 Prozent auf 1,67 Millionen Passagiere verbuchte Portugal.

Welche innerdeutschen Strecken sind am wichtigsten?

Die höchstfrequentierte Route liegt zwischen Berlin und München (1,66 Millionen Passagiere in beide Richtungen). 2014 belegte die Strecke bereits Platz eins, damals nutzten sie 1,45 Millionen Passagiere.

Hier könnte sich in den nächsten Jahren etwas ändern, nachdem die Deutsche Bahn im Dezember ihre neue Schnellstrecke zwischen den beiden Städten eröffnet hat. Schon jetzt verzeichnet die Bahn durch die deutliche Zeitersparnis kräftige Fahrgastzuwächse.

Auf Platz zwei der innerdeutschen Strecken liegt Berlin–Köln/Bonn (1,58 Millionen Passagiere nach 1,25 Millionen drei Jahre zuvor). Es folgt auf Platz drei Hamburg–München (1,36/1,30 Millionen), auf Platz vier München–Düsseldorf (1,22/1,11 Millionen).

In welche deutschen Städte reisen internationale Fluggäste?

Die Antwort ist eindeutig: Mit einem Anteil von 25 Prozent aller internationalen Fluggäste liegt die Hauptstadt Berlin weit vorn. München (13 Prozent), Frankfurt (zwölf Prozent), Hamburg (fünf Prozent), Düsseldorf (vier Prozent) und Köln (drei Prozent) folgen. Die meisten internationalen Fluggäste auf Deutschlands Flughäfen kommen aus Großbritannien – vor US-Amerikanern, Spaniern und Italienern.

Das vor allem Briten nach Berlin reisen, hängt auch mit den Billigfliegern zusammen: Ryanair und Easyjet sind an den Flughäfen der Hauptstadt stark. Besuche vor allem übers Wochenende und zum Feiern sind bei jungen Briten beliebt. Die Hälfte der 4,9 Millionen Fluggäste, die nach Berlin fliegen, reisen für Urlaub an, weitere 22 Prozent privat.

In Frankfurt landen 63 Prozent der 2,4 Millionen Flugpassagiere zu Geschäftszwecken. Nach Hamburg reisten knapp eine Million Gäste privat (40 ­Prozent) und für die Arbeit (47 Prozent) an.

Wo steigen die Passagiere um?

Frankfurt ist das wichtigste Drehkreuz für aus Deutschland abfliegende Passagiere, die umsteigen müssen. 18,4 Millionen Fluggäste nutzten 2017 Deutschlands größten Airport, um den Flieger zu wechseln.

München mit 8,0 Millionen Umsteigern ist das zweite große deutsche Drehkreuz. Von dort aus wickelt Deutschlands größte Airline Lufthansa viele europäische und Fernflüge ab. Wer zum Beispiel mit Lufthansa nach Barcelona will, wird über München oder Frankfurt befördert. Auch Düsseldorf mit 1,3 Millionen und die Berliner Flughäfen mit 0,8 Millionen Umsteigern werden als Drehkreuze genutzt.

Welche Bedeutung haben die Flughäfen für die Nachbarstaaten?

2,9 Millionen Bürger aus Nachbarstaaten machten sich 2017 auf den Weg zu deutschen Flughäfen, um von dort abzuheben – insgesamt 16 Prozent mehr als 2014. Die größte Gruppe bilden die Niederländer, gefolgt von Reisenden aus Österreich, Polen, Frankreich, Belgien und Dänemark.

Wie kommen Passagiere zum Flughafen?

Das eigene Auto als Transportmittel zum Flughafen ist für die meisten noch immer unverzichtbar, aber es verliert weiter an Bedeutung. Laut ADV fuhren 2014 44 Prozent mit dem Pkw zum Airport, bei der jüngsten Umfrage nur noch 39 Prozent.

Dafür wuchs der Zubringeranteil durch S-, U-, und Straßenbahn deutlich: von 16 Prozent 2014 auf nunmehr 21 Prozent. Das Taxi bleibt mit 19 Prozent Zubringer-Anteil (2014: 21 Prozent) nach wie vor eines der wichtigsten Transportmittel.