Zukunftstechnologie

Künstliche Intelligenz: Regierung will Lehrstühle einrichten

Deutschland soll führender Standort in der Künstlichen Intelligenz werden. Das Kabinett hat Eckpunkte für eine Strategie verabschiedet.

Intelligente Assistenten halten Einzug in fast alle Lebensbereiche: Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas entwerfen die Hersteller die Vision einer Welt, in der digitale Helfer uns a...

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Berlin.  Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung weltweit führend in der Zukunftstechnologie

(KI) werden. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch Eckpunkte für eine nationale KI-Strategie.

„Deutschland soll zum weltweit führenden Standort für KI werden", heißt es darin. Kernpunkte sind der bessere Zugang zu Daten etwa im Gesundheits- und Verkehrsbereich sowie eine verbesserte Bezahlung von KI-Experten. „Wir müssen im Wettbewerb gerade mit den USA und China einen Zahn zulegen", sagte Forschungsministerin Anja Karliczek zu Reuters.

Wirtschaft muss wettbewerbsfähig bleiben

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die KI-Kompetenz zur Schlüsselfrage erklärt, damit die deutsche Wirtschaft international wettbewerbsfähig bleiben kann. Mit dieser Technologie lernen Maschinen und Systeme etwa, sich selbst zu verbessern und eigenständig zu handeln.

Mit der nationalen Strategie will die Regierung einen Rahmen für die Aufholjagd gegenüber China und den USA schaffen. Künftig soll vor allem ein umfassender und schneller Transfer von Forschungsergebnissen in Anwendungen sowie eine Modernisierung der Verwaltung erreicht werden, heißt es in den Eckpunkten. „Artificial Intelligence (AI) made in Germany" solle zum weltweit anerkannten Gütesiegel werden. Die Strategie selbst soll im Herbst verabschiedet werden.

Künstliche Intelligenz als Basis

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CSU) sagte im „Handelsblatt“, das „Ob" von technologischem Fortschritt und Innovation werde zwar nicht vom Staat bestimmt. „Die künstliche Intelligenz ist allerdings keine Innovation wie viele andere". Sie sei vielmehr eine Basisinnovation, die in wenigen Jahren alle Wirtschafts- und Lebensbereiche durchdringen werde.

Altmaier zitierte eine Studie im Auftrag seines Hauses, nach der die von KI beeinflusste Bruttowertschöpfung allein des produzierenden Gewerbes in den nächsten fünf Jahren auf rund 32 Milliarden Euro zu veranschlagen sei. Altmaier verwies darauf, dass er erst vor wenigen Tagen gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Bruno Le Maire die Idee eines europäischen Zusammenarbeit bei der KI angestoßen habe.

Datenzugang lockern

In den Eckpunkten ist unter anderem die Einrichtung neuer KI-Lehrstühle in Deutschland vorgesehen, um die Ausbildung von mehr Fachkräften zu ermöglichen. Zudem sollen Anreize geschaffen werden, um die Abwerbung von Experten ins Ausland zu verhindern. Gleichzeitig sollen internationale Fachkräfte angeworben werden.

Der bisher restriktive Datenzugang soll für die Entwicklung gelockert werden. Die Regierung will dabei Daten der öffentlichen Hand und der Wissenschaft verstärkt für die KI-Nutzung öffnen, aber die Datensicherheit der Bürger wahren. „Die Menge an nutzbaren, qualitativ hochwertigen Daten muss deutlich erhöht werden, ohne dabei Persönlichkeitsrechte, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung oder andere Grundrechte zu verletzen", heißt es in den Eckpunkten.

Zügige Umsetzung gefordert

Zwischen Unternehmen sollen „Datenpartnerschaften" geprüft werden. Um die Analyse der „Big Data" bewältigen zu können, soll die nötige Infrastruktur im Bereich der Rechnerkapazitäten ausgebaut werden.

Die Wirtschaft forderte eine zügige Umsetzung der Pläne. „Die von der Bundesregierung heute beschlossenen Eckpunkte des 'Masterplans Künstliche Intelligenz' gehen in die richtige Richtung, müssen jetzt aber zügig ausgearbeitet und umgesetzt werden", sagte Klaus Mittelbach, Vorsitzender des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI).

Kleine und mittlere Unternehmen sollten bei der Anwendung von KI unterstützt werden. Zuvor hatte bereits der BDI von der Regierung die Einrichtung von "Kompetenz- und Testzentren" gefordert. (rtr)