Tanken

Zu welchen Zeiten das Benzin am günstigsten ist

Die Preise für Benzin und Diesel steigen in Deutschland wieder. Das liegt auch an den Sommerferien. Wir haben Tipps für Autofahrer.

An der Zapfsäule können Autofahrer derzeit eine böse Überraschung erleben.

An der Zapfsäule können Autofahrer derzeit eine böse Überraschung erleben.

Foto: PPE / imago/PPE

Berlin.  Die günstigen Zeiten sind für Deutschlands Autofahrer erstmal vorbei. Seit gut einem Jahr steigen die Preise für Benzin und Diesel wieder, in den letzten Monaten besonders stark. Allein Super E10 und Diesel haben sich seit März 2018 um rund zehn Prozent verteuert, wie aus einer Preisübersicht des ADAC hervorgeht.

Mit einer Entspannung an den Zapfsäulen ist im zweiten Halbjahr nicht zu rechnen. Wo und wann kann ich dennoch günstig tanken? Wie wird sich der Benzinpreis entwickeln? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum steigt der Benzinpreis?

„Wir sind seit längerer Zeit in einer Phase steigender Rohölpreise, weil die Nachfrage anzieht und das Angebot damit nicht Schritt halten kann“, sagt Jan Edelmann, Rohstoffexperte der HSH Nordbank. Diese Entwicklung macht sich auch bei Benzin- und Dieselpreisen bemerkbar, weil zur Ferienzeit die Nachfrage nach Kraftstoff zulegt.

„Die Preise der Rohölsorten Brent und WTI sind innerhalb von zwölf Monaten um 61 und 70 Prozent gestiegen“, sagt Edelmann. Er rechnet mit einem Rohölpreis von rund 80 Dollar pro Barrel (159 Liter). Brent kostet derzeit 75,50 Dollar.

Dauerthema Spritpreis: Darum ist Diesel günstiger als Benzin
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Zu welchen Zeiten lässt sich günstig tanken?

Vor drei bis vier Jahren gab es noch eine überschaubare Preisentwicklung an den Tankstellen. „Morgens waren die Preise sehr hoch, dann sind sie im Laufe des Tages gesunken, um in der Nacht wieder anzusteigen“, sagt Andreas Hölzel vom ADAC. „Jetzt zeigen unsere Untersuchungen, dass es mehrere große Preisspitzen im Tagesverlauf gibt.“

Die mit Abstand teuerste Zeit zum Tanken im 24-Stunden-Verlauf ist morgens zwischen 6 und 9 Uhr. In diesem Zeitraum übersteigt der Preis je Liter Super E10 und Diesel den Tagesdurchschnittswert um bis zu sechs Cent. Basis der Untersuchung waren sämtliche Preisbewegungen der gut 14.000 Tankstellen in Deutschland im Mai 2018.

Wenn man diese Hochpreisphasen umgeht, kann man relativ günstig tanken, und zwar in diesen drei Zeitabschnitten: zwischen 9 und 12 Uhr, zwischen 15 und 17 Uhr und zwischen 18.30 und 21.30 Uhr. „In diesen günstigen Phasen liegen die Preise für Super E10 und Diesel bis zu drei Cent unter dem Tagesdurchschnittswert“, sagt Hölzel. Nach 22 Uhr steigen die Preise dann wieder an, weil nachts viele Tankstellen geschlossen haben. An den geöffneten Tanksäulen können deshalb höhere Preise verlangt werden.

Welche Tankstellen-Marken sind am günstigsten?

Unabhängig von der Zeit kann man Geld sparen, indem man nach bestimmten Tankstellenketten Ausschau hält. „Nach Angaben des Spritpreis-App-Anbieters Clever-Tanken zählen zu den günstigsten Marken HEM, Jet und Star“, sagt Daniel Pöhler, Mobilitätsexperte des Verbraucherportals Finanztip.

Am teuersten seien demnach Ara, Shell sowie Esso und Total. „Grundsätzlich sollte man eher freie und Supermarkt-Tankstellen wählen“, sagt Pöhler. Diese sind nach einer Faustregel etwa zwei Cent pro Liter günstiger als die Stationen bekannter Mineralölkonzerne.

Wie lässt sich teures Tanken auf der Autobahn vermeiden?

In jedem Fall sollte man für eine längere Strecke vollgetankt losfahren. „Denn nirgends ist das Tanken teurer als auf der Autobahn“, sagt ADAC-Mann Hölzel. Auch ein kurzer Umweg kann lohnen. Häufig befinden sich Tankstellen in der Nähe von Autobahnabfahrten.

Der Automobilclub hat in einer Untersuchung deutliche Preisunterschiede zwischen den Autobahntankstellen und den in unmittelbarer Nähe gelegenen Konkurrenzstationen festgestellt. Der Beifahrer kann mithilfe von Tank-Apps die Preise vor der Abfahrt von der Autobahn ermitteln. Denn nicht immer müssen solche Preisunterschiede bestehen. „Das kommt auf die Wettbewerbsbedingungen vor Ort an“, sagt Hölzel.

Was hat die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gebracht?

Seit Ende August 2013 sind die rund 14.000 Tankstellen in Deutschland ­verpflichtet, Preisänderungen bei den gängigen Kraftstoffsorten Super E5, Super E10 und Diesel „in Echtzeit“ an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zu melden. Diese gibt die Preisdaten an Anbieter von Verbraucher-Informationsdiensten weiter. Aus diesen Daten werden Preisvergleichs-Apps wie Clever-Tanken, ADAC Spritpreise oder Spritpreismonitor mit Preisangaben versorgt.

„Der Verbraucher hat bessere Möglichkeiten, die Preise zu vergleichen und durch gezieltes Tanken bei günstigen Anbietern zu sparen“, sagt Hölzel. Allerdings praktizieren nur 60 Prozent der Verbraucher einen regelmäßigen Preisvergleich.

Warum ist das Preisniveau in Deutschland unterschiedlich?

Nach einer Untersuchung des ADAC tankt man Super E10 in Hamburg am günstigsten, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Am teuersten ist der Kraftstoff in Thüringen. „Der Preisunterschied von 6,4 Cent im Mai 2018 zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland macht sich auch beim Bezahlen der Tankrechnung bemerkbar“, sagt Hölzel.

Eine 50-Liter-Tankfüllung Benzin ist in Thüringen 3,20 Euro teurer als in Hamburg. Auch Diesel ist in Hamburg am günstigsten und im Saarland am teu­ersten. „In den Stadtstaaten ist die Dichte der Tankstellen eben besonders groß“, sagt Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband. Auch die Nähe von Raffinerien kann eine Ursache für günstige Preise sein.

Welche Sparmöglichkeiten gibt es?

Der Kraftstoff Super E10 mit einem Anteil von maximal zehn Prozent Bio-Sprit wird von wenigen Autofahrern getankt. „Der Marktanteil liegt bei 13 Prozent“, sagt von Gersdorff. Die Abneigung gegenüber dem Kraftstoff hat sich seit der Einführung kaum gelegt. Bei fast allen Pkw kann er laut ADAC verwendet werden. „Der Preisvorteil gegenüber Super E5 liegt bei zwei bis vier Cent je Liter“, sagt von Gersdorff. Allerdings sei die Energieausbeute um ein bis zwei Prozent geringer.

In Finnland liegt der Anteil von E10 bei 70 Prozent, in Frankreich sind es 30 Prozent. Auch der Reifendruck beeinflusst den Kraftstoffverbrauch. „Ein um 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand um sechs Prozent und 1,0 bar um 30 Prozent, was einen Mehrverbrauch von drei bis fünf Prozent bewirkt“, sagt Hölzel. Der Fahrradtransport am Fahrzeugheck biete Verbrauchsvorteile gegenüber dem Dach. Natürlich steige auch der Kraftstoffverbrauch mit zunehmender Geschwindigkeit, so Hölzel.

Werden die Preise wieder sinken?

„Zum Teil wird die von der Opec beschlossene Fördererhöhung durch die Produktionsausfälle in Venezuela und das Embargo der USA gegenüber dem Iran wieder kompensiert“, sagt HSH-Experte Edelmann. Deshalb sei kaum mit preisdämpfenden Effekten zu rechnen. Außerdem würden die Lagerbestände weiter zurückgehen. Solange Trumps Zollpläne und die Gegenreaktionen aus China und der EU die Konjunktur nicht entscheidend beeinträchtigen, dürfte die Nachfrage nach Rohöl hoch bleiben. Eine Hoffnung gibt es allerdings. „Wir rechnen damit, dass der Euro bis Jahresende gegenüber dem Dollar wieder an Stärke gewinnt“, sagt Edelmann. Das würde den Anstieg der Benzin- und Dieselpreise dämpfen, weil das Ausgangsprodukt in Dollar abgerechnet wird. Auf hohe Preisschwankungen müssten sich die Verbraucher aber auch dann einstellen.