Mobilität

Daimler und Bosch testen fahrerlosen Shuttle-Service

Fahrzeuge sollen nach Plänen von Daimler und Bosch in Zukunft autonom zu Kunden fahren. Ein Pilotprojekt in Kalifornien ist geplant.

Foto: Daimler AG - Global Communications Mercedes-Benz Cars / Daimler AG

Berlin.  In Großstädten gibt es kaum etwas Lästigeres als die Parkplatzsuche. Taxikunden sind hier klar im Vorteil. Auch wer mit Carsharing unterwegs ist, hat schon heute mehr Auswahl durch reservierte Stellplätze. Doch diese letzten Meter zwischen Fahrtziel und Parkplatz sollen künftig noch komfortabler überbrückt werden.

Bei Carsharern soll der Kunde in Zukunft nicht nur per App sehen, wo ein freier Leihwagen in der Nähe zur Verfügung steht. Er soll das Auto sogar per App-Befehl zu sich vor die Haustür rufen können – nach dem Motto „Auto, komm zu mir“, erläutert Daimler-Pressesprecher Bernhard Weidemann das Prinzip. Das Auto steuert autonom zum Kunden und steht zur Fahrt bereit. Ist der Fahrer am Ziel angekommen, steigt er nur noch aus – und das Auto sucht sich wieder allein einen Parkplatz.

„Fahrzeuge gleichen rollenden Computern“

Noch ist dies Zukunftsvision, doch der Grundstein ist gelegt. Daimler und Bosch wollen 2019 ein Pilotprojekt zu solchen automatisierten Shuttle-Services in den USA starten. Die beiden Konzerne, die bereits seit einem Jahr beim autonomen Fahren zusammenarbeiten, haben nun in dem US-Technologieunternehmen Nvidia einen Partner gefunden, der die erforderliche Rechenleistung für ihr Vorhaben in Form einer Plattform für künstliche Intelligenz (KI) liefern kann, teilten die Stuttgarter Unternehmen am Mittwoch mit.

Damit ein Auto ohne Fahrer unfallfrei auf der Straße unterwegs sein kann, muss es gigantische Mengen an Daten verarbeiten können. „Die Fahrzeuge gleichen rollenden Computern“, so der Daimler-Sprecher. Denn die Technik für autonomes Fahren wird vor allem im Auto selbst installiert. Die Daten dazu werden von unterschiedlichen Sensoren erfasst wie Kameras, die Fußgänger, Straßenschilder oder Ampeln wahrnehmen, einem Radar, der Geschwindigkeit und Distanz bemisst, sowie Ultraschall-Technik.

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Konkreter Starttermin noch offen

All diese Informationen fließen an den Computer – und müssen wie von einem menschlichen Gehirn ausgewertet werden, um die richtige Aktion in die Wege zu leiten. „Es sind oft 100 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde“, so der Daimler-Sprecher. Testgebiet wird eine Stadt im Silicon Valley in Kalifornien sein – welche, wird noch nicht verraten. Grundsätzlich soll die neue Technik mittelfristig in den Vereinigten Staaten, China und Europa eingesetzt werden, voraussichtlich in elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

Ein konkreter Starttermin stehe noch nicht fest, heißt es bei Daimler , nur so viel: „In der kommenden Dekade.“ Die Sicherheit stehe bei dem deutschen Autobauer an erster Stelle, nicht die Geschwindigkeit. „Entscheidend ist, ein sicheres, zuverlässiges und serienreifes System einzuführen“, erläutert Michael Hafner, der bei Daimler den Bereich Automatisiertes Fahren leitet. Auch die Konkurrenz schläft nicht. So haben BMW und Audi in China Partnerschaften geschlossen.

Jedes zweite weltweite Patent aus Deutschland

Die deutschen Autobauer spielen im automatisierten Fahren eine immer wichtigere Rolle. In den nächsten drei Jahren sollen rund 18 Milliarden Euro in den Bereich investiert werden, sagte vor Kurzem der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes. Jedes zweite weltweite Patent dazu komme schon jetzt aus der Bundesrepublik. Neben den traditionellen Autobauern mischen auch Hochtechnologiekonzerne wie Google oder der Mobilitätsdienstleister Uber in dem Rennen mit.

Ziel aller Anbieter ist es, den Straßenverkehr noch sicherer, effizienter und komfortabler zu machen – und Unfälle zu vermeiden, die in der Mehrzahl durch menschliches Versagen verursacht werden. Und für den VDA-Präsidenten Mattes steht fest, dass die deutsche Industrie bei dieser Entwicklung im Fahrersitz Platz nehmen will: „Mit der Rolle des Beifahrers geben wir uns nicht zufrieden.“