Gründer

„Teatox“: Berliner Start-up steigt groß in den Teehandel ein

Einst packten die beiden Gründer des Teehandels Teatox die Päckchen für Kunden in ihrer WG. Heute beliefern sie rund 4000 Supermärkte.

Felix Ilse (l.) und Michael Decker Foto beliefern inzwischen rund 4000 Supermärkte in Europa mti Teatox-Produkten.

Felix Ilse (l.) und Michael Decker Foto beliefern inzwischen rund 4000 Supermärkte in Europa mti Teatox-Produkten.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Wir haben einfach ein Gründer-Gen“, sagt Felix Ilse (30) und lacht. Zusammen mit seinem Freund Michael Decker (30) gründete er im November 2013 einen Online-Shop für Tee und nannte ihn Teatox. Inzwischen ist aus dem selbst programmierten, kleinen Shop von einst ein etablierter Produzent und Händler für Tee geworden.

Im fünften Geschäftsjahr beliefert Teatox fast 4000 Supermärkte in Europa, erzielt einen siebenstelligen Umsatz und hat in Berlin größere Räume bezogen – mit Platz für die inzwischen sieben Angestellten.

Als Kinder einen Pizzaservice gegründet

Die beiden Gründer kommen aus Göttingen und kennen sich seit ihrem zwölften Lebensjahr. „Wir waren auf einer Schule“, sagt Decker. Schon damals machte sich ihr Gründer-Gen bemerkbar: „Wir haben in der siebten Klasse einen Pizzaservice gegründet und auf Fahrrädern Pizza an die Schüler unserer Schule ausgeliefert.“

Dabei sollte es nicht bleiben. „Als um die Jahrtausendwende Ebay aufkam, haben wir selbstverständlich auch dort gehandelt“, erzählt er.

Sie suchten in Werbeprospekten nach günstigen Angeboten und boten sie mit kleinem Aufschlag online an. „Erst wenn jemand wirklich eine Ware über Ebay bei uns gekauft hat, sind wir los und haben das Angebot in einem Geschäft besorgt.“

Erste Tee-Erfahrungen in Taiwan und Argentinien

Kein Wunder also, dass sich beide nach dem Abitur für das Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden. Während ihres Auslandssemesters ging Michael Decker nach Taiwan, Felix Ilse nach Argentinien.

In beiden Ländern werde viel Tee getrunken. So kamen beide auch mit Teekultur in Kontakt. „Das hat uns später bei unserer Geschäftsgründung inspiriert.“

Wegen der Gründerszene nach Berlin

Doch zunächst einmal zogen beide nach Kreuzberg in eine Wohngemeinschaft und arbeiteten als Praktikanten bei verschiedenen Start-ups. „Wir sind nach Berlin gegangen, weil es hier eine besonders große Start-up-Szene gibt“, erzählt Ilse.

Ein Jahr hätten sie sich Zeit gegeben, um Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Dann sollte die Entscheidung fallen, mit welcher Geschäftsidee sie sich selbstständig machen würden.

Wettbewerb gewonnen

Für einen Wettbewerb gründeten sie ihren ersten Tee-Online-Shop mit dem Namen „Macha Monk“. „Es lief fantastisch“, erzählt Ilse. „Michael kann etwas programmieren. Er hat unsere Homepage mit dem Online-Shop selbst gebaut. Wir haben doch tatsächlich binnen weniger Tage Macha-Tee für 1000 Euro verkauft und den Wettbewerb gewonnen.“

Als Gewinn bekamen sie einen Monat lang ein Büro gestellt und durften auf der Internetkonferenz re:publica ihre Geschäftsidee vor Investoren präsentieren (pitchen).

Mit dem Pitch konnten sie überzeugen: Sie gewannen Business Angel Frank Riedel als ihren ersten Investor. „Die Idee, Tee zu verkaufen, hat uns nach dem Wettbewerb nicht mehr losgelassen“, sagt Felix Ilse.

Detox-Trend aufgegriffen

„Doch es sollte nicht nur Macha-Tee sein. Wir haben weiter recherchiert, mit Apothekern, Heilpraktikern und Teeproduzenten gesprochen.“ Durch den sogenannten Detox-Trend (Entgiftung), der aus Australien nach Europa schwappte, seien sie auf den Firmennamen Teatox und ihre Marketingstrategie gekommen.

Den Schwerpunkt setzen die beiden Geschäftsführer auf die Themen Bio und Gesundheit. Aber „ohne Enttäuschung“, sagen sie. „Tee hat ein Image-Problem“, glauben die beiden. „Viele trinken nur Tee, wenn sie krank sind. Das möchten wir ändern.“

Verzicht auf künstliche Aromen

Ihr Anspruch: ein hochwertiges und wohlschmeckendes Lebensmittel zu verkaufen, sagt Michael Decker. Dazu gehöre auch der Verzicht auf künstliche Aromen. Im Sinne des Marketings spielt aber nicht nur der Gesundheitsaspekt eine große Rolle.

Für viele Kunden zählt auch die Optik: Darum gibt es den Tee nicht nur in Teebeuteln, sondern auch in glänzenden Blechdosen und besonders gestalteten Nachfüllpaketen.

„Anfänglich haben wir die komplette Produktion und den Versand selbst aus unserer Wohnung gemanagt“, erzählt Decker. Die beiden Gründer haben tagsüber am Online-Shop und dem Marketing gearbeitet, nachts den Tee abgepackt. Der Mann vom Paketservice sei nicht wirklich glücklich gewesen, wenn er wieder einmal zahlreiche Pakete aus der Wohnung tragen musste.

Schnell gewachsen und professionell geworden

Schon nach zwei Monaten hätten sie einen Umsatz von 15.000 Euro verzeichnen können, berichten die beiden Inhaber. Sie brauchten Unterstützung: Also gab Teatox das Mischen und Verpacken der Tees an die Berliner Behindertenwerkstatt BWB ab.

„Aber auch hier waren wir schnell am Limit, sodass wir unsere Produktion mittlerweile komplett an einen Betrieb in Hamburg vergeben haben.“

Auch das Fulfillment sei ausgegliedert worden. Darunter fasst man in der Betriebswirtschaft alle Arbeiten, die zwischen Vertragsabschluss und Lieferung an den Kunden anfallen, von der Bestellannahme bis zur Lagerhaltung.

WG-Küche hat ausgedient

„Keiner packt mehr Tee in der privaten Küche ab“, sagt Decker und lacht.

Auf ihrem Erfolg wollen sich Felix Ilse und Michael Decker aber nicht ausruhen. Sie planen weiter und wollen das Sortiment ausbauen. Im Sommer 2019 soll ein Eistee Marke Teatox auf den Markt kommen.