Wirtschaft

Mittelstand scheut Kooperationen mit Start-ups

Jede dritte Firma in Berlin hat kein Interesse an gemeinsamen Projekten. Start-ups sind als Partner kaum mehr gefragt.

Berliner Unternehmen schrecken vor einer Zusammenarbeit mit Start-ups zurück.

Berliner Unternehmen schrecken vor einer Zusammenarbeit mit Start-ups zurück.

Foto: dpa Picture-Alliance / Global Travel Images / picture alliance / Global Travel

Berlin.  Die kleinen und mittleren Unternehmen in Berlin schrecken vor der Zusammenarbeit mit Start-ups zurück. Das geht aus einer Befragung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und der Investitionsbank Berlin (IBB) unter 1110 Firmen in der deutschen Hauptstadt hervor. Demnach kann sich nur jedes fünfte etablierte Unternehmen die Kooperation mit einem jungen Start-up aus der Digital- oder Dienstleistungsbranche vorstellen.

Der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin, Jürgen Allerkamp, sagte am Donnerstag bei der Präsentation des „KMU-Reports 2018“, er halte die Scheu des Mittelstands vor einer Kooperation mit Start-ups für „rückwärtsgewandt“. „Die Digitalisierung ist für den Mittelstand eine große Herausforderung. Diese Aufgabe könnte gerade in der Zusammenarbeit mit Start-ups bewältigt werden“, erklärte er. Er werde gemeinsam mit der Politik und den Kammern nun dafür sorgen, die Bereitschaft für gemeinsame Projekte zu erhöhen.

Vor Allerkamp dürfte allerdings viel Überzeugungsarbeit liegen. Denn mehr als ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen haben kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Firmen aus anderen Branchen. 21,4 Prozent der Befragten sind zwar bislang noch keine Kooperation eingegangen, stehen dem Schritt aber immerhin nicht gänzlich abgeneigt gegenüber.

Als größte Hürde vor gemeinsamen Projekten gaben die Unternehmer an, eine Abhängigkeit von Dritten zu befürchten. 36,9 Prozent der Firmenchefs nannten fehlende Zeit, den richtigen Partner zu finden, als Grund. Dabei sehen viele Wirtschaftslenker durchaus Vorteile durch Kooperationen. Im Fokus stehen aber vor allem etablierte Unternehmen: 38,7 Prozent der Befragten gaben an, dass eine Zusammenarbeit Zugang zu einem größeren Netzwerk bieten könnte. Für 36,5 Prozent stünde bei einer Kooperation der Erfahrungsaustausch im Fokus, ein Drittel sieht bessere Chancen, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen.

Aber auch ohne die Zusammenarbeit mit anderen Firmen gehen viele Mittelständler in Berlin weiter von guten Geschäften aus. Fast jeder zweite Befragte rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit steigenden Umsätzen. Die Berliner Firmen sind damit ähnlich zuversichtlich wie im Vorjahr. Eine rückläufige Umsatzentwicklung erwarten gerade einmal 8,7 Prozent der Unternehmer. Durchgeführt wurde die Umfrage allerdings schon im April. Seitdem hat zum Beispiel der drohende Handelskrieg mit den USA für Verun­sicherung gesorgt. Sollte US-Präsident Donald Trump weitere Strafzölle, etwa auf deutsche Autos, erheben, wäre Berlin allerdings kaum betroffen, prognostizierte IBB-Chef Allerkamp. In dieser Hinsicht sei es von Vorteil, dass es in Berlin nicht so viel Industrie gibt.

Für Investitionen greifen Firmen auf Erspartes zurück

Die Hauptstadt-Firmen planen auch, neue Mitarbeiter einzustellen. Gut ein Drittel der Befragten will die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr aufstocken. Nur fünf Prozent der Unternehmen haben eine Verkleinerung des Personalbestands angekündigt. Auch die Investitionsbereitschaft des Mittelstands ist weiter hoch: 54,4 Prozent der befragten Firmenlenker haben Ausgaben eingeplant, vor allem, um den bestehenden Betrieb zu er­weitern. Viele Unternehmen greifen dabei verstärkt auf Einnahmen aus dem laufenden Geschäft und angesparte Rücklagen zurück.

Die Bedeutung von Bankkrediten als Finanzierungsquelle nimmt hingegen ab. Auch staatliche Fördermittel nutzt nur etwa jedes achte Unternehmen im Mittelstand. 22,2 Prozent der Firmen, die auf Subventionen der öffentlichen Hand setzen, kommen aus dem Verarbeitenden Gewerbe.

Mehr zum Thema:

Auf dieser Messe verändern 1300 Entwickler die Welt

Berlin will soziale Firmen fördern